{"id":11095,"date":"2011-09-03T17:00:57","date_gmt":"2011-09-03T15:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/mentoring4u.de\/?p=11095"},"modified":"2012-07-01T11:27:19","modified_gmt":"2012-07-01T09:27:19","slug":"teil-1-lohnt-es-sich-fur-traume-zu-kampfen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2011\/09\/03\/11095\/teil-1-lohnt-es-sich-fur-traume-zu-kampfen\/","title":{"rendered":"Teil 1: Lohnt es sich f\u00fcr Tr\u00e4ume zu k\u00e4mpfen?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/meryem-bavli-_artikel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11096\" title=\"meryem bavli _artikel\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/meryem-bavli-_artikel.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"678\" srcset=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/meryem-bavli-_artikel.jpg 570w, http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/meryem-bavli-_artikel-252x300.jpg 252w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Ich hei\u00dfe Meryem Bavli und bin 28 Jahre alt.<br \/>\n<\/strong>Ich m\u00f6chte Ihnen heute \u00fcber meine Schullaufbahn und meine damit verbundenen Ziele berichten.<\/p>\n<p>Ich bin im Winter 1989 \/ 90 mit meiner Familie aus <a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cizre\" target=\"_blank\">Cizre<\/a>, einer kleinen Stadt im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei, nach Deutschland gekommen. Der Hauptgrund unserer Ausreise aus unserer Heimat war zum einen die dort herrschende Armut und zum anderen der Krieg, der seit Jahrzehnten fast unver\u00e4ndert weitergef\u00fchrt wird. Damals war ich sieben Jahre alt und konnte kein Wort Deutsch sprechen. Wir bekamen eine Wohnung in Braubach, einer Stadt in der N\u00e4he von <a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Koblenz\" target=\"_blank\">Koblenz<\/a>. Der Ort ist sehr sch\u00f6n, ganz besonders, weil er am Rhein liegt und in der Umgebung die bekannte <a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marksburg\" target=\"_blank\">Marksburg<\/a> ist, die vor allem im Sommer viele Menschen anlockt.<\/p>\n<p>Zu unserem Pech waren wir haupts\u00e4chlich nur unter ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrgern, so dass es f\u00fcr uns fast unm\u00f6glich war, die f\u00fcr uns neue Sprache zu lernen. Doch das Blatt wendete sich, nachdem meine Schwester und ich zusammen eingeschult wurden: Weil wir immer noch kein Deutsch sprachen, beschloss unsere Klassenlehrerin, uns zweimal in der Woche mit nach Hause zu nehmen, damit wir uns mit ihrer gleichaltrigen Tochter anfreundeten und so die neue wichtige Sprache lernen konnten. Nach langem Z\u00f6gern lie\u00df unsere Mutter es zu: Da wir erst seit wenigen Monaten in diesem fremden Land lebten und weder Einheimische, noch das Land an sich kannten, konnte meine Mutter nicht verstehen, weswegen eine wildfremde deutsche Frau sich so sehr um ihre Kinder k\u00fcmmerte.<br \/>\nWir fuhren also zu unserer Lehrerin und lernten ihre Tochter Eva kennen. Auch f\u00fcr uns war es ungewohnt, jetzt noch &#8222;zus\u00e4tzlich&#8220; unsere Nachmittage bei einer deutschen Familie zu verbringen. Doch mit der Zeit gew\u00f6hnten wir uns daran und pflegten eine sehr sch\u00f6ne Freundschaft mit Eva und ihre Freundinnen. Nach 2 Jahren sprachen wir besser Deutsch als die anderen Kinder in unserer Nachbarschaft.<\/p>\n<p>Weil unseren Eltern das deutsche Schulsystem v\u00f6llig fremd war, kamen wir nach der Grundschule auf die sich an der gleichen Schule befindenden Hauptschule: In der Heimat gab es dieses Schulsystem nicht. Es gab nur eine Schule f\u00fcr alle Kinder. Und meine Eltern dachten, dass es hier wahrscheinlich genauso ist. Nachdem sie wussten, dass man die Kinder auch auf eine bessere Schule schicken kann, fiel es ihnen schwer, uns jeden Tag alleine mit dem Bus zur Schule zu schicken. Wahrscheinlich kamen diese Bedenken daher, dass sie in der eigenen Heimat keine Sicherheit gefunden hatten und es ihnen schwer fiel zu glauben, dass man diese Sicherheit in Deutschland hatte. Au\u00dferdem fiel es ihnen schwer, uns in einen anderen Ort zu Schule zu schicken.<\/p>\n<p>Einige Monate sp\u00e4ter mussten wir umziehen. Doch leider war es nun nicht mehr m\u00f6glich, von der Hauptschule auf die Realschule zu wechseln. Leider kann ich nichts Genaues dazu sagen. Es wurde nur gesagt, dass es nicht mehr m\u00f6glich und sowieso besser sei, wenn wir weiterhin auf der Hauptschule blieben.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit fiel mir der Unterrichtsstoff sehr leicht, und da ich auch gute Noten bekam, fing ich an, mir ernsthaft Gedanken \u00fcber meine Zukunft zu machen: Ich wollte etwas erreichen, womit ich auch anderen helfen k\u00f6nnte. Und der einzige Weg dahin war ein guter Abschluss.<\/p>\n<p>In der 7. Klasse dann mussten wir einen vom Arbeitsamt durchgef\u00fchrten Eignungstest machen, um uns beraten zu lassen, welcher Beruf am besten zu uns passen k\u00f6nnte. In Einzelgespr\u00e4chen wurde uns das Ergebnis mitgeteilt, danach bekamen wir Tipps, f\u00fcr welche Berufe wir uns sp\u00e4ter bewerben k\u00f6nnten. Als ich an die Reihe kam, sagte man mir, dass mein Test besser ausgefallen war als der vieler meiner deutschen Klassenkameraden. Auf die Frage, ob ich mir Gedanken \u00fcber meine Zukunft gemacht h\u00e4tte, antwortete ich \u201eIch will studieren!\u201c. Danach entstand eine Weile Stille.<\/p>\n<p>Nun versuchte man mir zu erkl\u00e4ren, dass es vern\u00fcnftiger sei, mir die Sache mit dem Studieren aus dem Kopf zu schlagen. Doch f\u00fcr mich war das undenkbar. Ich dachte, ich h\u00f6re nicht richtig: Statt mich zu unterst\u00fctzen, statt mir zu sagen, was f\u00fcr eine gute Entscheidung ich damit getroffen habe, sollte ich mir Gedanken dar\u00fcber machen, welche Ausbildung mit einem <strong>HAUPTSCHULABSCHLUSS <\/strong>f\u00fcr mich mehr in Frage k\u00e4me. (Nat\u00fcrlich ging mir auch eine weitere Sache durch den Kopf: Egal, wie sehr ich es drehte und wendete, <strong>ICH WAR EIN AUSL\u00c4NDISCHES KIND<\/strong>. Dieser Gedanke kam nicht durch Vorurteile. Denn sowohl einige unserer Schulkameraden, als auch Leute aus unserer Nachbarschaft, hatten uns f\u00fchlen lassen, dass wir <strong>NICHT WIE SIE<\/strong> waren.)<span id=\"_marker\"><br \/>\n<\/span><br \/>\nEs war inzwischen zu meinem gr\u00f6\u00dften Ziel geworden, es bis zum Studium zu schaffen. Da ich nicht locker lie\u00df, versuchte man mich in diesem Gespr\u00e4ch auf die Schwierigkeiten, die mir bevorstanden, hinzuweisen, und mich immer noch f\u00fcr andere Ausbildungen und Berufe zu begeistern. Aber das Ergebnis meines Tests war f\u00fcr mich ein weiterer Ansporn, an meinen Zielen festzuhalten.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter machte ich meinen Hauptschulabschluss als Jahrgangsbeste &#8230;<\/p>\n<p>Wieder zogen wir um. Diesmal fanden wir eine Wohnung im Rhein-Main-Gebiet, bei <a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Darmstadt\" target=\"_blank\">Darmstadt<\/a>. Ich wechselte auf die Realschule und musste dadurch die 9. Klasse wiederholen. Da ich auf der Hauptschule au\u00dfer Englisch keine weitere Fremdsprache gelernt hatte, musste ich jetzt zus\u00e4tzlich Franz\u00f6sisch lernen, um meine Mittlere Reife zu machen. W\u00e4hrend dieses Schuljahres ging ich zus\u00e4tzlich zur Nachhilfe, um mit der Zeit mit meinen Klassenkameraden auf einen Stand zu kommen. Auch mein Abschluss in der Mittleren Reife war ein weiterer Ansporn f\u00fcr mich, weiterhin an meinen Zielen festzuhalten.<\/p>\n<p>Fortsezung\u00a0folgt am Sonntag 4. September 2011.<\/p>\n<p>(Gastautoren: Meryem Bavli &amp; Annette v. Spiegel |\u00a0 Bild: Meryem Bavli\u00a0 |\u00a0 Bildbearbeitung: A. Korkis\u00a0 |\u00a0 Quellen: <a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cizre\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org<\/a> )<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hei\u00dfe Meryem Bavli und bin 28 Jahre alt. Ich m\u00f6chte Ihnen heute \u00fcber meine Schullaufbahn und meine damit verbundenen Ziele berichten. 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