{"id":11915,"date":"2011-10-09T14:30:52","date_gmt":"2011-10-09T12:30:52","guid":{"rendered":"http:\/\/mentoring4u.de\/?p=11915"},"modified":"2013-08-29T18:07:25","modified_gmt":"2013-08-29T16:07:25","slug":"odysseus-nein-mohammad-aus-schiraz-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2011\/10\/09\/11915\/odysseus-nein-mohammad-aus-schiraz-teil-2\/","title":{"rendered":"Odysseus? Nein: Mohammad aus Schiraz (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Mo_drum2_Artikel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12123\" title=\"Mo_drum2_Artikel\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Mo_drum2_Artikel.png\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"376\" srcset=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Mo_drum2_Artikel.png 570w, http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Mo_drum2_Artikel-300x197.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/a><br \/>\n<\/strong>Mohammad<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em><strong>In der Kolumne <\/strong><strong>&#8222;<\/strong><\/em><strong>Hier bin ich Mensch, hier darf ich (\u2018s) sein&#8220; <\/strong><em><strong>erz\u00e4hlt  unsere externe     Redakteurin Annette v. Spiegel von jungen Menschen,  die es aus fernen L\u00e4ndern nach Deutschland verschlagen hat.<\/strong><\/em> Oft  haben sie viel Leid erfahren und einen harten Weg hinter sich. Aber sie  haben viel Hoffnung im Gep\u00e4ck. Kann man in Deutschland auf Ausbildung,  pers\u00f6nliche Entwicklung und, vielleicht sp\u00e4ter, ein erf\u00fclltes und  selbstbestimmtes Leben f\u00fchren?<br \/>\n<em><strong> <\/strong><strong> <\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Odysseus? Nein: Mohammad aus Schiraz<\/strong> (Teil 2)<br \/>\nAmin ging also in Schiraz auf die Stra\u00dfe, weil er sich eine andere Zukunft in seinem Land w\u00fcnschte. Als er sich einmischte, weil die Polizisten gegen eine \u00e4ltere Frau vorgingen, wendete sich die Situation gegen ihn, man ging mit Schlagst\u00f6cken gegen ihn vor, er konnte aber fliehen. Dann wurde es pl\u00f6tzlich warm im Rippenbereich &#8230; vermutlich hatte der Stress der vorigen Situation den Schmerz unterdr\u00fcckt: Er war angeschossen worden und hatte es gar nicht bemerkt!<\/p>\n<p><strong>Die Polizei auf den Fersen<\/strong><br \/>\nZu Hause war schnell klar: Amin kann nicht bleiben, denn die Polizisten hatten sein Gesicht gesehen, und damit war er gef\u00e4hrdet. Er musste au\u00dfer Landes. Sein Vater fragte Mohammad, ob er mit Amin gehen w\u00fcrde. Der Plan war, dass beide nach England durchkommen, die Familie hatte das Geld daf\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>Zwei Freunde auf der Flucht<\/strong><br \/>\nMohammad sagte zu, und sie flohen \u2013 ohne Papiere \u2013 zun\u00e4chst in die T\u00fcrkei, wo sie zun\u00e4chst in Istanbul einen Monat verbrachten. Diese Zeit war schwierig, weil sie nicht wagten, drau\u00dfen zu sein, um nicht geschnappt zu werden. Weiter ging es dann nach Griechenland, wie so viele Fl\u00fcchtlinge aus Iran und Afghanistan &#8230; <a class=\"wp-caption\" title=\"WDR.de: Afganischer Kinder suchen Zukunft\" href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/weltweit\/sendungsbeitraege\/2010\/0914\/index.jsp\" target=\"_blank\">Griechenland ist eines der Drehkreuze nach Europa<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Wie bleibt man &#8222;unsichtbar&#8220;?<\/strong><br \/>\nAuch diese Zeit war belastend, weil Amins Wunde bei all dem Stress und dieser Art zu \u201ereisen\u201c nicht hatte heilen k\u00f6nnen. Sie waren, nicht zu vergessen, schon \u00fcber einen Monat lang unterwegs \u2013 und organisiere mal st\u00e4ndig Verbandszeug und Medikamente, wenn du auch im benachbarten Ausland ausl\u00e4ndisch aussiehst, die Sprache nicht sprichst und nicht auffallen willst, weil du keine Papiere hast!<\/p>\n<p><strong>Auf dem Absprung nach irgendwo<\/strong><br \/>\nGeraume Zeit verbrachten sie in Griechenland, immer bem\u00fcht, den Absprung nach England zu schaffen. Aber es wollte nicht gelingen. Die Familie beschloss, die n\u00f6tigen 25.000 $ f\u00fcr die Einreise nach Kanada zu bezahlen \u2013 f\u00fcr Amin, denn das Geld f\u00fcr zwei Personen reichte nicht. So trennten sich die Wege dieser beiden Freunde.<\/p>\n<p><strong>Kanada &#8211; Deutschland<\/strong><br \/>\nAmin gelangte in den sicheren Hafen namens Kanada. Seine Familie war so fair, Mohammad zu raten, nach Deutschland zu gehen und die Kosten f\u00fcr Schlepper und Ticket zu \u00fcbernehmen. Der Schlepper besorgte den Pass eines Portugiesen, der Mo \u00e4hnlich genug sieht, und teilte ihm mit, dass es in wenigen Tagen so weit sein werde.<br \/>\nDass ihn die Wirren seines Lebens in ein Land sp\u00fclen w\u00fcrden, in dem er niemanden hat, niemanden kennt \u2013 und von dem er vom H\u00f6rensagen wusste, dass die Menschen Nazis sind \u2013 da beruhigten ihn die Worte von Amins Vater, der in Berlin studiert hatte und sagte, Deutschland sei wirklich in Ordnung, nicht wirklich. Die drei Tage vor der Abreise schlief er kaum und hatte vor Angst und Aufregung auch nichts gegessen.<\/p>\n<p><strong>Unbekanntes Land als Reiseziel<\/strong><br \/>\nAnkunft Frankfurt International Airport. Er wusste nicht, was ihn erwartet, und die Angst vor den Grenzbeh\u00f6rden war gigantisch. Er sah eine junge Deutsche mit viel Gep\u00e4ck und sprach sie (auf Englisch, das er ganz gut spricht) an, ob sie Hilfe br\u00e4uchte \u2013 sie nahm diese dankbar an. Genau das war f\u00fcr diesen Moment seine Strategie: Zusammen mit einer einheimischen Person, beide mit Gep\u00e4ck, beide lachend und Episoden erz\u00e4hlend<em>, also unauff\u00e4llig, <\/em>durch die Grenze zu gelangen &#8230;&#8230; und dabei m\u00f6glichst die panische Angst zu verbergen.<\/p>\n<p><strong>N\u00e4chste Etappe: Achtung Hund!<\/strong><br \/>\nDieser Schritt hatte also geklappt. Der n\u00e4chste hie\u00df \u201eHauptbahnhof Frankfurt\u201c. Da sa\u00df er nun, kannte niemanden und wartete. Auf das, was kommen w\u00fcrde. Ich wei\u00df nicht, woran es liegt, aber so mancher meiner iranischen bzw. afghanischen Ex-Sch\u00fcler hat furchtbare Angst vor Hunden. Manche von ihnen haben Messerk\u00e4mpfe auf den Stra\u00dfen Teherans und andere Dinge \u00fcberstanden \u2013 aber wenn ihnen hier ein kleiner Pinscher auf dem Gehweg entgegen kommt, werden sie richtiggehend bleich oder wechseln zumindest eilends die Stra\u00dfenseite.<\/p>\n<p>Es war gerade die Zeit irgend einer Fu\u00dfball-Meisterschaft, und dementsprechend viel Polizei war am Frankfurter Hauptbahnhof \u2013 \u00fcbrigens keine gute Gegend \u2013 zugegen.\u00a0 Mit Hunden! Und das ist auch, was ihm aus dieser Situation vordringlich in Erinnerung geblieben ist: Nicht der Umstand, alleine, ohne Anlaufstelle, in einem fremden Land gestrandet zu sein, nicht die Angst, festgenommen zu werden ohne zu wissen, was deutsche Nazi-Polizisten mit einem machen \u2013 sondern die Hunde &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Frankfurter-Bahnhofshalle_wikipedia.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11924\" title=\"Frankfurter Bahnhofshalle_wikipedia\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Frankfurter-Bahnhofshalle_wikipedia.png\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Frankfurter-Bahnhofshalle_wikipedia.png 570w, http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Frankfurter-Bahnhofshalle_wikipedia-300x157.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/a><br \/>\nFrankfurter Hauptbahnhof<\/p>\n<p><strong>Herzlich Willkommen am Frankfurter Hauptbahnhof<\/strong><br \/>\nAber er konnte ja nicht bis zum Ende seines Lebens dort sitzen bleiben und warten, also nahm er all seinen Mut zusammen und sprach Polizisten an, die ohne Hund unterwegs waren. Heute sagt er grinsend \u201eIch denke, die waren gerade auf dem Weg nach Hause\u201c. Er erkl\u00e4rte ihnen, dass er ganz neu in Frankfurt sei. Sie hie\u00dfen ihn freundlich \u201eHerzlich Willkommen\u201c \ud83d\ude42 Er erkl\u00e4rte weiter: \u201eNein &#8230; ich meine, ich habe keine Papiere &#8230;\u201c und hatte h\u00f6llische Angst, was jetzt passieren w\u00fcrde \u2013 schlie\u00dflich waren das Polizisten! Aber was sollte er tun? Diese deutschen Polizisten sagten aber \u201eAch, Sie haben Ihre Papiere verloren, ja?\u201c und wollten ihm behilflich sein. Mohammad l\u00e4chelt beim Erz\u00e4hlen, immer noch etwas gequ\u00e4lt in der Erinnerung daran, und sagt \u201eDie waren wirklich sehr nett\u201c.<\/p>\n<p><a class=\"wp-caption\" title=\"Rechte f\u00fcr Fl\u00fcchtlingskinder - Kampagne\" href=\"http:\/\/www.jetzterstrechte.de\/die-kampagne\/die-kampagne.html\" target=\"_blank\"><strong>Jugendlicher Fl\u00fcchtling<\/strong><\/a><br \/>\nAls er ihnen beichtet, dass er mit falschen Papieren eingereist sei und im Grunde gar keine habe, nimmt man sich seiner an, fragt ihn, ob er Hunger hat, und bringt ihn zur Aufnahme, wo er erst mal mit einem Dolmetscher sprechen kann. Diesen fragt Mo als erstes, ob die Polizisten ihn schlagen werden, aber der kann ihm versichern: \u201eNicht in Deutschland! Entspann dich &#8230;\u201c.<\/p>\n<p>Trotzdem: Als sie ihn fragen, ob er etwas essen m\u00f6chte, lehnt er ab. Er erz\u00e4hlt: \u201eIch hatte nun den vierten Tag nichts gegessen. Und ich hatte WIRKLICH Hunger. Sehr! Aber ich hatte so viel Angst &#8230; ich konnte nicht essen. Aber ich habe gefragt, ob ich Wasser haben kann&#8230;\u201c<\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bible_farsi_Mo_Artikel.jpg\"><\/a><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bible_farsi_Mo_Artikel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12125\" title=\"Bible_farsi_Mo_Artikel\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bible_farsi_Mo_Artikel1.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bible_farsi_Mo_Artikel1.jpg 570w, http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Bible_farsi_Mo_Artikel1-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/a><br \/>\nBibel auf Farsi<\/p>\n<p><a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2011\/10\/03\/11885\/odysseus-nein-mohammad-aus-dem-iran\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> und <a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2011\/10\/16\/12114\/odysseus-nein-mohammad-aus-dem-iran-teil-3\/\" target=\"_blank\">Teil 3<\/a> findet Ihr hier. Bitte anklicken!<\/p>\n<p>Besucht uns wieder auf <a title=\"Deutschland als Chance f\u00fcr Bildung: Mentoring4u_de\" href=\"http:\/\/www.mentoring4u.de\/\" target=\"_blank\">www.mentoring4u.de<\/a>!<\/p>\n<p><em><strong>Die mentoring4u Redaktion beh\u00e4lt sich vor, Leserbriefe \/ E-Mails \u2013   mit vollst\u00e4ndigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse \u2013 auch gek\u00fcrzt  zu  ver\u00f6ffentlichen. Gastbeitr\u00e4ge spiegeln nicht unbedingt die Meinung  der  Redaktion wieder.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>(Autorin: A. von Spiegel \/ Photo: Archiv v. Spiegel \/ Thumb: Wikipedia_Schiraz \/ Bildbearbeitung: C. Amrhein)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mohammad In der Kolumne &#8222;Hier bin ich Mensch, hier darf ich (\u2018s) sein&#8220; erz\u00e4hlt unsere externe Redakteurin Annette v. Spiegel von jungen Menschen, die es aus fernen L\u00e4ndern nach Deutschland verschlagen hat. Oft haben sie viel Leid erfahren und einen harten Weg hinter sich. 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