{"id":21447,"date":"2013-01-13T22:09:37","date_gmt":"2013-01-13T21:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/mentoring4u.de\/?p=21447"},"modified":"2013-01-16T19:29:22","modified_gmt":"2013-01-16T18:29:22","slug":"ohne-gefuhle-leben-wettbewerbsbeitrag-0113","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2013\/01\/13\/21447\/ohne-gefuhle-leben-wettbewerbsbeitrag-0113\/","title":{"rendered":"2571 &#8211;  Wettbewerbsbeitrag &#8222;Junge Redaktion&#8220; 01\/13"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_21494\" aria-describedby=\"caption-attachment-21494\" style=\"width: 416px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Reviesor-2008-223-e1358360811737.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21494\" title=\"Reviesor 2008 223\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Reviesor-2008-223-e1358360811737.jpg\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21494\" class=\"wp-caption-text\">Die Autorin: Valeria Wildner<\/figcaption><\/figure>\n<p>20. August 2571<\/p>\n<p>Ich hei\u00dfe C884, ich bin ein Roboter.<\/p>\n<p>Das sage ich euch nur, weil ich wei\u00df, dass zuvor Menschen die Welt bewohnt haben und wer wei\u00df was in der Zukunft sein wird. Auf jeden Fall heute sind wir alle Roboter.<\/p>\n<p>Alle gleich, alle grau, alle gegeneinander.<\/p>\n<p>Das Einzige, das wir machen (und ich auch bis zum letzten Jahr), ist produzieren und verbrauchen. Kaufen und wegschmei\u00dfen. Niemand hat Gef\u00fchle, au\u00dfer Hass. Man hat keine Zeit um froh zu sein, keine Zeit eine Familie zu haben. Man ist einsam.<\/p>\n<p>Es war der 15. September 2570. Es regnete und pl\u00f6tzlich sah ich ein M\u00e4dchen, die einer alten Frau helfen wollte. Sie fragte die alte Frau, ob sie unter ihrem Regenschirm laufen wolle, da sie keinen hatte. Die alte Frau schrie: \u201eLass mich!\u201c und lief b\u00f6se weiter. Die anderen Roboter, die auch da standen, schauten das M\u00e4dchen ebenfalls b\u00f6se an und liefen weiter. Pl\u00f6tzlich kamen aus den Augen des M\u00e4dchens Tr\u00e4nen. Ich hatte nie so etwas gesehen, aber sie schien traurig zu sein.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick ist mit mir etwas passiert. Etwas in meinem Inneren hat mich dazu getrieben, etwas ganz Verbotenes zu tun. Ich redete sie an:<\/p>\n<p>\u201eHallo, es tut mir leid, was ihnen passiert ist, aber sie sollten nicht traurig sein\u201c.<\/p>\n<p>Sie war \u00fcberrascht und l\u00e4chelte: \u201eSie haben keine Schuld, trotzdem Danke. Wer sind sie?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hei\u00dfe C884, aber ich finde den Name Giosu\u00e9 viel sch\u00f6ner. Er ist ganz alt, das habe ich<\/p>\n<p>einmal in einem Buch gelesen&#8230;\u201c.<\/p>\n<p>\u201eHallo Giosu\u00e9, dann leben sie seit mehr als zwanzig Jahren, damals konnte man noch B\u00fccher lesen.\u201c<\/p>\n<p>So fingen wir an zu reden und sie erz\u00e4hlte viel \u00fcber sich: sie hie\u00df D108, aber sie liebte den Namen Helena, sie mochte nicht viel in unserer Gesellschaft. Ihr Geheimnis war, dass sie alles, was verboten war, trotzdem machte und dass sie viel, das es in unserer Kindheit gegeben hatte, behalten hat. Sie hatte noch ein Buch und sie schrieb Gedichte, sie h\u00f6rte Klassische Musik und sie hatte einen Traum: \u201eIch m\u00f6chte in einer anderen Welt oder in einer anderen Zeit leben. Ich m\u00f6chte frei sein und alles sagen k\u00f6nnen, was ich denke, alle sollten das k\u00f6nnen! Ich m\u00f6chte den Leute helfen und gl\u00fccklich sein!\u201c.W\u00e4hrend sie das sagte, leuchteten ihre Augen und das schw\u00f6re ich: ich hatte nie so etwas Sch\u00f6nes gesehen. Leider musste sie gehen, aber ich wollte sie wiedersehen, deshalb machten wir ein Treffen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag aus.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kam sie aber nicht. Und an den Tagen danach auch nicht. Ich sah sie nie wieder.<\/p>\n<p>Aber diese Begegnung hat mich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Ich ging nicht mehr arbeiten und fing ich an, um mich herum mehr zu schauen, und nicht alles f\u00fcr Recht hinzunehmen. Ich fing an zu tr\u00e4umen. Ich suchte jemand oder etwas, das wirklich f\u00fcr mich wichtig sein k\u00f6nnte. Ich suchte einen Grund zu leben. Ich fing an, in der Welt herumzugehen, ich wollte mit den Leute reden, um ihnen die Augen auf zu machen, wie Helena meine aufgemacht hatte. Aber alle hatten Angst vor mir und h\u00f6rten mir nicht zu. Auch meine Bekannten, zuerst lachten sie mich aus, dann entfernten sie sich, dann bekam ich Strafen und Drohungen von der Polizei und von der Regierung.<\/p>\n<p>Ich war zu einer Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft geworden und entweder h\u00f6rte ich auf oder mit mir w\u00fcrde etwas Schlimmeres passieren.<\/p>\n<p>Ich ging weiter.<\/p>\n<p>Aber heute rief mich die Polizei an und ich habe schon alles verstanden. Ich habe mich erinnert, dass Helena vor unserem Treffen noch zur Polizei gehen musste (ich dachte damals, sie h\u00e4tte etwas verloren) und ich hatte sie nie wieder gesehen.<\/p>\n<p>Ich werde heute sterben. Wie Helena und alle Helden, die anders sein wollten.<\/p>\n<p>Deshalb schreibe ich diesen Brief und grabe ihn in meinen Garten ein, mit der Hoffnung, dass irgendwann jemand ihn findet.<\/p>\n<p>Ich klage meine Gesellschaft an, in der man nicht frei leben und denken kann. Eine Gesellschaft, in der die Leute Unmenschen sind, ohne Gef\u00fchle, die nicht akzeptieren, wenn jemand anders ist.<\/p>\n<p>Wenn du anders bist, wenn du protestierst, wirst du von der Polizei umgebracht. Und das nennen sie Frieden und Freiheit. Ich nenne das leise und versteckte Diktatur, Kontrolle, Vort\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Meine Aufforderung ist die Ablehnung einer solchen Gesellschaft, wenn nicht einer anf\u00e4ngt sich zu \u00e4ndern, wird alles so bleiben und das k\u00f6nnt ihr nicht erlauben.<\/p>\n<p>Sie werden viel Mut und Willenskraft brauchen, aber nur so werden sie wirklich leben.<\/p>\n<p>Ich habe die besten zehn Monate meines Leben verbraucht und das w\u00fcnsche ich jedem Nachkommen.<\/p>\n<p>Ich trage jetzt die Folgen meiner Endscheidung ohne Bedauern.<\/p>\n<p>Vielleicht werde ich in dem n\u00e4chsten Leben Helena treffen. Das ist mein Haupttraum.<\/p>\n<p>Viel Gl\u00fcck und leben sie wohl.<\/p>\n<p>Giosu\u00e9<\/p>\n<div>\n<p>Valeria Wildner<\/p>\n<p>Die Autorin ist Austauschsch\u00fclerin aus Italien und f\u00fcr ein halbes Jahr in Deutschland in einer 10.Klasse eines Gymnasiums: &#8222;<em>Ich war und bin immer noch von Deutschland und seinen Bewohnern, seiner Sprache angezogen<\/em>&#8222;.<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Redaktion Mentoring4u: <\/strong><br \/>\nBitte voten Sie diesen Artikel, er nimmt an unserem Artikelwettbewerb &#8222;Junge Redaktion&#8220; teil<\/p>\n<p>(Gastautor &#8222;Junge Redaktion&#8220;: \u00a0Valeria Wildner \u00a0\/ Thumb: Redaktion Mentoring4u)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. August 2571 Ich hei\u00dfe C884, ich bin ein Roboter. Das sage ich euch nur, weil ich wei\u00df, dass zuvor Menschen die Welt bewohnt haben und wer wei\u00df was in der Zukunft sein wird. Auf jeden Fall heute sind wir alle Roboter. Alle gleich, alle grau, alle gegeneinander. 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