{"id":22787,"date":"2013-09-17T13:32:58","date_gmt":"2013-09-17T11:32:58","guid":{"rendered":"http:\/\/mentoring4u.de\/?p=22787"},"modified":"2013-09-17T13:34:04","modified_gmt":"2013-09-17T11:34:04","slug":"integreater-damit-traume-wahr-werden-ummuhan-ciftci-macht-jungen-migranten-mut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2013\/09\/17\/22787\/integreater-damit-traume-wahr-werden-ummuhan-ciftci-macht-jungen-migranten-mut\/","title":{"rendered":"InteGREATer: Damit Tr\u00e4ume wahr werden: \u00dcmm\u00fchan Ciftci macht jungen Migranten Mut"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Jung, ehrgeizig, engagiert: \u00dcmm\u00fchan Ciftci studiert Medizin und hat einen Verein gegr\u00fcndet, der Migrantenkindern und ihren Eltern zeigen will, wie wichtig Bildung ist. Motto: \u201eDu kannst dein Ziel erreichen! Wenn wir es geschafft haben, schaffst du es auch\u201c.<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_22792\" aria-describedby=\"caption-attachment-22792\" style=\"width: 559px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Integreater-3-3000x2000-e1379415826292.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22792\" title=\"Integreater-3-3000x2000\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Integreater-3-3000x2000-e1379415826292.jpg\" alt=\"\" width=\"559\" height=\"373\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22792\" class=\"wp-caption-text\">Team von InteGREATer e.V. <\/figcaption><\/figure>\n<p>Stadt Frankfurt am Main (pia). Die Familie t\u00fcrkischst\u00e4mmig. Der Vater Bauarbeiter. Die Mutter Hausfrau mit f\u00fcnf Kindern. Die Tochter: nicht geeignet f\u00fcr den h\u00f6heren Bildungsweg. Die Lehrerin gab ihr eine Hauptschulempfehlung. Das M\u00e4dchen heulte sich die Augen aus dem Kopf. \u201eIch wollte Medizin studieren. Und ich hatte aufgeschnappt: Wer studieren will, muss aufs Gymnasium gehen, nicht auf die Hauptschule\u201c, erz\u00e4hlt \u00dcmm\u00fchan Ciftci.<br \/>\n<strong><br \/>\nTr\u00e4ume haben, Ziele erreichen<br \/>\n<\/strong>\u00dcmm\u00fchan Ciftci, 24, schaffte es gegen die Empfehlung der Lehrerin aufs Gymnasium, wurde Stipendiatin der Hertie-Stiftung, studiert heute Medizin in Marburg, Chirurgin will sie werden. Doch das vertr\u00e4gt sich schlecht mit ihrem ehrenamtlichen Engagement: Vor drei Jahren gr\u00fcndete \u00dcmm\u00fchan Ciftci, genannt \u00dcmm\u00fc, in Frankfurt den Verein InteGreater. Ihr Ziel: Migrantenkindern zeigen, wie wichtig Bildung ist, ihnen Mut machen, ihre Tr\u00e4ume vom Studium, der Handwerkslehre, der Bankausbildung wahrzumachen. Und sich dabei nicht von Lehrern beeindrucken zu lassen, die einem eine Hauptschulempfehlung ausschreiben, nur weil man einen t\u00fcrkischen, kroatischen oder pakistanischen Namen tr\u00e4gt. \u201eDu kannst dein Ziel erreichen! Wenn wir es geschafft haben, schaffst du es auch\u201c steht in gro\u00dfen Lettern auf den Plakaten von InteGreater.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nIhre Eltern machen sie stark<br \/>\n<\/strong>Ihr habt es einfach schwieriger. Diesen Satz sagte die Lehrerin damals zu \u00dcmm\u00fcs Mutter. \u00dcmm\u00fc selbst war dabei, als es darum ging, die Lehrerin zu \u00fcberzeugen, wie viel in dem M\u00e4dchen steckt. \u201eMeine Mutter verstand nicht immer alles. Sie nahm mich zu den Gespr\u00e4chen mit, damit ich f\u00fcr sie \u00fcbersetzen konnte.\u201c Die Mutter hatte sich in der T\u00fcrkei das Lesen und Schreiben selbst beigebracht, der Vater tr\u00e4umte von einem Studium, als er in den 1970ern nach Kassel kam, arbeitete dann aber auf dem Bau. \u201eSie sind keine Akademiker, f\u00fcrchteten, mir nicht helfen zu k\u00f6nnen, wenn ich in der Schule nicht mitkomme\u201c, erz\u00e4hlt die Studentin. \u201eAber sie haben immer an mich geglaubt und mich unterst\u00fctzt.\u201c<\/p>\n<h4><span style=\"font-weight: normal;\"><a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/www.integreater.de\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-22795\" title=\"Integrater\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Integrater-e1379416388628.jpg\" alt=\"\" width=\"569\" height=\"300\" \/><\/a><\/span><\/h4>\n<p><strong>Gespr\u00e4che als Initialz\u00fcndung<br \/>\n<\/strong>An diesem Punkt setzt InteGreater an. Rund 150 junge Leute, die wie \u00dcmm\u00fc ausl\u00e4ndische Wurzeln haben, sich w\u00e4hrend ihrer Schulzeit und auch heute noch \u00fcber allgegenw\u00e4rtige Vorurteile hinweggesetzt haben, erz\u00e4hlen Eltern und Sch\u00fclern ihre Erfolgsgeschichte. \u201eWir sind keine Psychologen oder P\u00e4dagogen\u201c, erkl\u00e4rt \u00dcmm\u00fc. Die Arbeit des Vereins soll eine Initialz\u00fcndung sein, Eltern und Sch\u00fcler zum Nachdenken anregen. \u201eAu\u00dferdem haben wir ein gro\u00dfes Netzwerk und wissen, wo man weiterf\u00fchrende Hilfe wie Berufsberatung oder Nachhilfe bekommt\u201c, erg\u00e4nzt Constanze Matthiesen, eine von zwei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Vereins. Die InteGreater-Veranstaltungen finden in Schulen statt, in Moscheen, Stadtteil- oder Frauenzentren. Der Verein arbeitet in Frankfurt unter anderem mit dem Amt f\u00fcr Multikulturelle Angelegenheiten und der Polytechnischen Gesellschaft zusammen.<br \/>\n<strong><br \/>\nGeschichten, die bewegen<br \/>\n<\/strong>Die Gespr\u00e4che mit Eltern und Sch\u00fclern finden immer getrennt statt. Weil die Fragen, die sie besch\u00e4ftigen, andere sind. Eltern wollen wissen, wie sie ihr Kind motivieren k\u00f6nnen, wie sie helfen k\u00f6nnen, wenn sie selbst keine ausreichende Schulbildung genossen haben. Oder wie sie mit Lehrern und anderen Eltern umgehen sollen. \u201eWir haben schon Geschichten geh\u00f6rt von Leuten, deren Kindern seit Jahren dieselbe Klasse besuchen, die aber noch nie miteinander gesprochen haben\u201c, sagt \u00dcmm\u00fc. Sch\u00fcler wiederum erz\u00e4hlen von ihren \u00c4ngsten. Ich traue mir nicht zu, Abitur zu machen. Wie soll ich eine Lehrstelle finden, wenn ich schon wegen meines Namens kritisch be\u00e4ugt werde? Wie soll ich es zu etwas bringen, wenn ich der einzige in der Familie bin, der morgens aufsteht, und meinen Eltern egal ist, was aus mir wird?<\/p>\n<h4><a class=\"wp-caption\" href=\"http:\/\/www.integreater.de\/werde-integreater\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-22797\" title=\"werde Integreator\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/werde-Integreator-e1379416812537.jpg\" alt=\"\" width=\"529\" height=\"273\" srcset=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/werde-Integreator-e1379416812537.jpg 529w, http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/werde-Integreator-e1379416812537-300x154.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 529px) 100vw, 529px\" \/><\/a><\/h4>\n<p>\u201eEltern und Sch\u00fcler k\u00f6nnen mit uns so offen reden, weil wir aus ihrer Mitte kommen, ihre Probleme kennen\u201c, sagt \u00dcmm\u00fc. Auch sie wurde untersch\u00e4tzt. Auch sie st\u00f6\u00dft heute noch jeden Tag an Grenzen. F\u00fcr ihre Zimmersuche in Marburg hat die junge Frau einen falschen Namen angegeben, weil sie mit ihrem t\u00fcrkischen keines gefunden h\u00e4tte. Migranten, stellt sie immer wieder fest, m\u00fcssen sich in allen Bereichen mehr anstrengen. \u201eAber davon lasse ich mich nicht kleinkriegen\u201c, sagt sie bestimmt.<br \/>\n<strong><br \/>\nWolfgang Sch\u00e4uble war der Ausl\u00f6ser<br \/>\n<\/strong>Auf die Idee, anderen mit gutem Beispiel voranzugehen, brachte sie ein Lehrer ihres Gymnasiums. Er schlug vor, \u00dcmm\u00fc solle Ansprechpartnerin f\u00fcr andere Migranten werden. Sp\u00e4ter empfahl er sie f\u00fcr ein Start-Stipendium der Hertie-Stiftung. Hier lernte sie ihren Mentor Jochen Sauerborn, den ehemalige UBS-Vorstandsvorsitzenden kennen, heute nennt sie ihn ihren deutschen Papa. Als Stipendiatin wurde sie vom damaligen Bundespr\u00e4sidenten Horst K\u00f6hler eingeladen, kurz nach dem Abitur hatte \u00dcmm\u00fc zusammen mit drei Freunden an ihrer alten Schule eine Diskussionsrunde f\u00fcr Eltern mit ausl\u00e4ndischen Wurzeln organisiert. Im Jahr 2009 war \u00dcmm\u00fc Gast einer Podiumsdiskussion mit Bundesminister Wolfgang Sch\u00e4uble. Thema: Migranten und Bildung. \u201eNach dem Gespr\u00e4ch sagte Herr Sch\u00e4uble zu mir: ,Erz\u00e4hl deine Geschichte nicht uns, erz\u00e4hl sie den Eltern anderer Kinder. Gr\u00fcnde einen Verein, M\u00e4dchen!\u201c Mit der Unterst\u00fctzung von Jochen Sauerborn fand \u00dcmm\u00fc F\u00f6rderer f\u00fcr ihre Idee, 2010 gr\u00fcndete sie InteGreater.<\/p>\n<h4><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/werde-Integreator.jpg\"><\/a><\/h4>\n<figure id=\"attachment_22791\" aria-describedby=\"caption-attachment-22791\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Integreater-4-4672-3000x2000-e1379416509916.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22791\" title=\"Integreater-4-4672-3000x2000\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Integreater-4-4672-3000x2000-e1379416509916.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"373\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22791\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcmm\u00fchan Ciftci am Schreibtisch<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Elf Standorte in f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern<br \/>\n<\/strong>\u201eInzwischen haben wir Regionalgruppen an elf Standorten in f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern. Aber in Frankfurt sind wir am aktivsten\u201c, sagt Constanze Matthiessen. \u201eOhne Connie ginge hier gar nichts\u201c, ruft \u00dcmm\u00fc und lacht. Constanze \u201eConnie\u201c Matthiesen k\u00fcmmert sich um Papierkram, um Schulungen f\u00fcr neue InteGreater und manchmal auch um Bahntickets f\u00fcr die Vereinsgr\u00fcnderin. \u00dcmm\u00fc ist eine viel gefragte Frau, hat einen vollgepackten Terminkalender: Studium, Nebenjob, Vereinsarbeit. \u201eIch m\u00f6chte so viel, habe so viel Energie\u201c, sagt sie. Auch wenn die Arbeit von InteGreater f\u00fcr sie eine Herzenssache ist, ihr Medizinstudium steht an erster Stelle: \u201eWenn ich mich hier nicht anstrenge, werde ich nicht dem gerecht, wof\u00fcr unser Verein steht.\u201c Dass sie nicht alles auf einmal schaffen kann und Grenzen ziehen muss, hat \u00dcmm\u00fc bei ihrer ersten wichtigen Medizinpr\u00fcfung gelernt. \u201eIch bin durchs Physikum gerasselt, habe dar\u00fcber mein Stipendium verloren und war danach auch nicht mehr Baf\u00f6g berechtigt.\u201c Das Aufstehen nach dieser Niederlage habe sie viel Kraft gekostet.<br \/>\n<strong><br \/>\nErfolg und Bodenhaftung<br \/>\n<\/strong>Erlebnisse wie diese und auch ihre Eltern sind es, die \u00dcmm\u00fc nicht abheben lassen. \u201eMeine Eltern achten sehr darauf, dass ich bodenst\u00e4ndig bleibe.\u201c Im M\u00e4rz dieses Jahres wurde \u00dcmm\u00fc f\u00fcr ihr Engagement bei einer Gala in Berlin mit der Goldenen Bild der Frau ausgezeichnet, der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Am n\u00e4chsten Tag, wieder zu Hause in Kassel, dr\u00fcckte Mutter Ciftci der Tochter einen Wischmopp in die Hand. \u201e\u00dcmm\u00fc\u201c, sagte sie, \u201egestern hattest du genug Glamour, heute ist wieder alles normal.\u201c<\/p>\n<h4><span style=\"font-style: italic; font-weight: normal;\"><br \/>\n(Autor: Anja Prechel \u00a0\/\u00a0Quelle: Stadt Frankfurt am Main\/ Fotos: Stefan Maurer\/PIA Frankfurt am Main)<\/span><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jung, ehrgeizig, engagiert: \u00dcmm\u00fchan Ciftci studiert Medizin und hat einen Verein gegr\u00fcndet, der Migrantenkindern und ihren Eltern zeigen will, wie wichtig Bildung ist. Motto: \u201eDu kannst dein Ziel erreichen! Wenn wir es geschafft haben, schaffst du es auch\u201c. Stadt Frankfurt am Main (pia). Die Familie t\u00fcrkischst\u00e4mmig. Der Vater Bauarbeiter. Die Mutter Hausfrau mit f\u00fcnf Kindern. 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