{"id":4790,"date":"2011-01-09T13:00:23","date_gmt":"2011-01-09T12:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/mentoring4u.de\/?p=4790"},"modified":"2011-02-03T11:09:28","modified_gmt":"2011-02-03T10:09:28","slug":"abc-und-1-x-1-im-kindergarten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2011\/01\/09\/4790\/abc-und-1-x-1-im-kindergarten\/","title":{"rendered":"ABC und 1\u00d71 im Kindergarten?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><a rel=\"attachment wp-att-4789\" href=\"http:\/\/mentoring4u.de\/index.php\/2011\/01\/09\/4790\/abc-und-1-x-1-im-kindergarten\/abc-und-1x1-im-kindergarten_bild-artikel\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4789\" title=\"abc und 1x1 im kindergarten_bild artikel\" src=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/abc-und-1x1-im-kindergarten_bild-artikel.jpg\" alt=\"Vorschulkind malt\" width=\"570\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/abc-und-1x1-im-kindergarten_bild-artikel.jpg 570w, http:\/\/mentoring4u.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/abc-und-1x1-im-kindergarten_bild-artikel-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Fr\u00fchkindliche Bildung \u2013 ein europ\u00e4ischer Vergleich. Ein Beitrag von Christine L\u00fchn, Kinderbeauftragte Frankfurt \/ Nied. <\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Unsere Tochter wird im Sommer eingeschult<\/strong><br \/>\nIhr Interesse an Zahlen und Buchstaben ist gro\u00df. Selbstverst\u00e4ndlich schreibt sie ihren Namen, erkennt Buchstaben und l\u00f6st mit Ausdauer, Leichtigkeit und Ehrgeiz die Aufgaben in ihren Heften aus dem Zeitschriftensortiment \u201eLillifee, Geolino, Bussi B\u00e4r &amp; Co\u201c. Vorschulerziehung im Kindergarten, wie ich sie in den 70-er Jahren kennen gelernt habe,  ist out und aus p\u00e4dagogischer Sicht nicht gew\u00fcnscht. Da lohnt sich ein Blick in andere europ\u00e4ische L\u00e4nder. Die Cousine unserer Tochter lebt in \u00d6sterreich\/Wien. Zum Schulbeginn konnte sie ihren Gro\u00dfeltern die ersten S\u00e4tze schreiben. In Italien ist der Kenntnisstand der Vorschulkinder vergleichbar. Was hindert P\u00e4dagogen in Deutschland \u201eVorschulerziehung\u201c anzubieten? Was wird unter fr\u00fchkindlicher Bildung verstanden?<\/p>\n<p><strong>Ein Blick in die Entwicklungspsychologie<\/strong><br \/>\nUm den Bildungsanspruch in der fr\u00fchen Kindheit zu verstehen, ist ein Blick in die Entwicklungspsychologie erforderlich. Entwicklungspsychologie besch\u00e4ftigt sich mit der Beschreibung und Erkl\u00e4rung menschlichen Erlebens und Verhaltens bezogen auf die gesamte Lebensspanne. Dieser Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit folgend kann z. B. diese Aussage getroffen werden: Je st\u00e4rker das Selbstwertgef\u00fchl eines Menschen entwickelt ist, desto st\u00e4rker ist seine Bereitschaft, Selbstverantwortung f\u00fcr sein eigenes Verhalten zu \u00fcbernehmen. In dieser Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit zeigen sich Entwicklungsschritte des Individuums, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf das eigene Verhalten zulassen. Biogenetische Faktoren, wie Reifung und Wachstum, sowie die Umwelt, der Umgang mit Emotionen und das Verhalten (z. B. Trotz) beeinflusst die Entwicklung eines Menschen. Durch die Entwicklungspsychologie ist bekannt, dass au\u00dfergew\u00f6hnlich viele Entwicklungsschritte in einer bestimmten Reihenfolge aufgebaut sind und damit auch nach einer ganz bestimmten Aufbaustruktur verlaufen. Deutlich vor Augen ist uns dieser Entwicklungsschritt im Kleinkindalter: Das Kind erlernt zun\u00e4chst sich zu drehen, dann krabbeln und schlie\u00dflich laufen.  Der Kindergarten ist daher ein Ort, der die ganzheitliche Entwicklung des Kindes unterst\u00fctzt und f\u00f6rdert. Bildung darf sich daher in der fr\u00fchen Kindheit nicht auf die reine Wissensvermittlung beschr\u00e4nken, sondern sie muss die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes ber\u00fccksichtigen und mit einbeziehen.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen die Welt bereisen, um das Sch\u00f6ne zu finden, aber wir m\u00fcssen es in uns tragen \u2013 sonst finden wir es nicht.<br \/>\nW. Emerson<\/p>\n<p><strong>Ein europ\u00e4isches Thema<\/strong><br \/>\nDie europ\u00e4ische Kommission hat sich mit der Fr\u00fchkindlichen Bildung besch\u00e4ftigt und ihre Ergebnisse in einer <a class=\"wp-caption\" title=\"Fr\u00fchkindliche Bildung Bericht\" href=\"http:\/\/eacea.ec.europa.eu\/education\/eurydice\/documents\/thematic_reports\/098DE.pdf\" target=\"_blank\">beeindruckenden Dokumentation<\/a> mit dem Titel \u201eFr\u00fchkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung in Europa: ein Mittel zur Verringerung sozialer und kultureller Ungleichheiten\u201c im Januar 2009 herausgegeben.   In dieser Dokumentation wird die besondere Rolle der Vorschulbildung im Hinblick auf die soziale Eingliederung des Kindes hervorgehoben. Europ\u00e4ische Staaten werden aufgefordert in die Vorschulbildung zu investieren, damit eine Basis f\u00fcr weiteres Lernen geschaffen wird, um langfristig Schulabbruch zu verhindern und mehr Gerechtigkeit bei den Bildungsergebnissen zu erreichen. Die europ\u00e4ische Kommission hat die Vorschulbildung 2009\/10 zu einem vorrangigen Thema erkl\u00e4rt. Es soll europaweit ein allgemeiner, gerechter Zugang gef\u00f6rdert werden und die Qualit\u00e4t des Unterrichts und der P\u00e4dagogen gest\u00e4rkt werden. Hierbei wird insbesondere an Kinder gedacht,  die haupts\u00e4chlich aufgrund sozio\u00f6konomischer, kultureller und sprachlicher Faktoren benachteiligt sind. Diese Nachteile sollen kompensiert werden. Demzufolge wurde festgestellt, dass institutionelle Vorschulbildung unter bestimmten Voraussetzungen entscheidend dazu beitragen kann, die Bildungschancen von Kindern aus sozial schwachen Familien oder gesellschaftlichen Minderheiten zu verbessern.  Am wirksamsten haben sich F\u00f6rderma\u00dfnahmen und Bildungsprogramme erwiesen, die folgende Elemente kombinierten: \u201eein intensives fr\u00fchzeitiges kindzentriertes Bildungsangebot, eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder, Elternbildungsangebote und aktive Elternarbeit, ein Programm, das Bildungsaktivit\u00e4ten beinhaltet, die Kinder und Eltern zu Hause durchf\u00fchren, sowie Ma\u00dfnahmen im Bereich der Familienf\u00f6rderung\u201c.  Des Weiteren geht aus dem Bericht hervor, dass aktuelle wissenschaftliche Debatten die Bedeutung der Ausgewogenheit der verschiedenen p\u00e4dagogischen Ans\u00e4tze und die Wahl der f\u00fcr die einzelnen Altersgruppen geeigneten Konzepte betonen.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchkindliche F\u00f6rderkonzepte<\/strong><br \/>\nP\u00e4dagogische Programme f\u00fcr Kinder unter f\u00fcnf Jahren sollten m\u00f6glichst die kindliche Entwicklung in den Mittelpunkt stellen. Programme f\u00fcr Kinder im Alter von 5 oder 6 Jahren k\u00f6nnen bereits st\u00e4rker strukturierte Lehrpl\u00e4ne einf\u00fchren, die schulische Lerninhalte und ein st\u00e4rkeres Eingreifen seitens der P\u00e4dagogen beinhalten, ohne dass negative Auswirkungen auf der sozial-emotionalen Ebene zu bef\u00fcrchten w\u00e4ren.  Betont man den Erwerb von schulischen Kompetenzen gegen Ende des fr\u00fchkindlichen Bildungsbereichs und im Anschluss an eine in erster Linie entwicklungsorientierte fr\u00fchkindliche F\u00f6rderung, die den Erwerb von sozial-emotionalen Kompetenzen beg\u00fcnstigt, kann dies sogar dazu beitragen, den \u00dcbergang in den Primarbereich zu erleichtern. Damit ist es h\u00f6chste Zeit, die viel beschworene vermeintliche Gegens\u00e4tzlichkeit dieser beiden p\u00e4dagogischen Modelle (Kindergarten und Schule) zu \u00fcberwinden. Es geht darum, beide Ans\u00e4tze m\u00f6glichst optimal miteinander zu kombinieren. Langfristig haben sich ganzheitliche Fr\u00fchkindliche F\u00f6rderkonzepte als besonders wirksam erwiesen, die das Kind, die Eltern und die Institution in einen kontinuierlichen Bildungsprozess einbeziehen, der sich ausgehend von dem famili\u00e4ren Hintergrund des Kindes bis weit in die Primarschulbildung hinein erstreckt. Einige Staaten haben f\u00fcr Vorschulkinder im Alter von 5 oder 6 Jahren ein obligatorisches Vorbereitungsjahr eingef\u00fchrt. In Luxemburg werden die Kinder bereits im Alter von 4 Jahren schulpflichtig.<\/p>\n<p><strong>Wertvolle Anregungen durch Europa<\/strong><br \/>\nEin Blick \u00fcber den \u201edeutschen\u201c Tellerrand wird unser Bildungssystem, auch das fr\u00fchkindliche, befl\u00fcgeln und herausfordern. Bisher beklagt sich unsere Tochter noch nicht, dass es ihr im Kindergarten langweilig ist. Bis zum Sommer und ihrer Einschulung wird sie noch einige Zeit im Kindergarten verbringen und ich hoffe, dass diese Zeit ihrem Entwicklungsanspruch gerecht wird.<\/p>\n<p><em>(Autor: C. L\u00fchn | Foto: A. Korkis | Quelle: C. L\u00fchn, A. Korkis)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fchkindliche Bildung \u2013 ein europ\u00e4ischer Vergleich. Ein Beitrag von Christine L\u00fchn, Kinderbeauftragte Frankfurt \/ Nied. Unsere Tochter wird im Sommer eingeschult Ihr Interesse an Zahlen und Buchstaben ist gro\u00df. 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