
Ein Kommentar von Christine Lühn, Kinderbeauftragte Frankfurt / Nied
Meinung der Bürger
Kürzlich wurde ich von einem netten Herrn im Auftrag der Bertelsmann Stiftung angerufen. Ich sei eine der 400 Auserwählten unserer Region um am Bürgerforum 2011 teilzunehmen. Mein Interesse wurde geweckt, als Stichwörter wie „Sprechen mit dem Bundespräsidenten“ und „Meinung der Bürger wichtig“ fielen. Ich habe mich per Internet näher erkundigt und meine Teilnahme zum Bürgerforum 2011 zugesagt.
Ist die Meinung der Bürger wichtig? Interessant fand ich in dem Zusammenhang die Äußerungen im Schlichtungsprozess mit Heiner Geißler in der Auseinandersetzung zum Thema „Stuttgart 21“. Die Meinung der Bürger scheint zunehmend in das Interesse der Politik geraten zu sein.
Bildung – ein Disput zwischen Bund und Ländern
Als Bürgerin und vor allem als zukünftige Mutter eines Schulkindes gerät die bildungspolitische Debatte zunehmend in meinen Fokus.
Ich stelle mir die Frage, ob das Interesse der Eltern in dieser Debatte überhaupt Gewicht hat. Wir befinden uns nämlich auf einem Schauplatz, angesiedelt zwischen Bund und Ländern. Der Bund, in Vertretung von Bildungsministerin Schavan fordert die Länder auf, das Schulchaos zu beenden.
Frau Schavan möchte Gemeinsamkeit in der Bildungspolitik zwischen den Ländern erreichen. Es ist ihr Ziel, dass Kinder bei einem Wechsel von einem in das andere Bundesland, ein einheitliches Bildungsniveau vorfinden. Diese Absicht bedarf der Unterstützung durch die Ländervertreter und so ist bedauerlicherweise dem Bericht zu entnehmen, dass die Bundesländer auf ihre Unabhängigkeit bestehen. Zudem wird dem Bürger die Verfolgung der Debatte durch die Zuständigkeit der Kosten erschwert.

Atmosphäre zum Lernen schaffen
Aus meiner Sicht sollten sich die einzelnen Bundesländer auf gemeinsame Bildungsstandards unter Einbeziehung der vielfältigen Schulangebote einigen. In dem Zusammenhang plädiere ich für eine flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen.
Kürzlich hat mich die Aussage eines Reformpädagogen in einer Diskussion zu diesem Thema beeindruckt. Er stellte fest, dass das Bildungsniveau in den europäischen Ländern höher ist, in denen die Lehrer eine „freundschaftliche“ Beziehung zu ihren Schülern haben. Eine Aussage, die von Schülern bestätigt wurde. Und schon können wir eine weitere Diskussion eröffnen und nach dem Image unserer Lehrer fragen. Aus meiner Schulzeit habe ich noch gut in Erinnerung, dass es einer Atmosphäre des Lernens bedarf. „Durchstarter“ war ich erst auf dem sogenannten 2. Bildungsweg (Fachabitur nach Berufstätigkeit). Die Möglichkeiten unseres differenzierten Bildungssystems schätze ich daher sehr.
Aus persönlicher Sicht wage ich zu behaupten, dass unser Bildungssystem den individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Ein einheitliches deutschlandweites Bildungssystem, wie es von Frau Schavan gefordert wird, ist ein wunderbares Ideal und sollte einer gemeinsamen Anstrengung wert sein.
(Autor: C. Lühn | Bild: A. Korkis | Quelle: www.spiegel.de)