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Autor: c_luehn

  • Sport verbindet und trägt zum guten Zusammenleben bei

    Ein Interview von Christine Lühn, Kinderbeauftragte in Frankfurt/Nied mit Andreas Welcher, Hauptsportleiter der SG Nied

    Hallo Andreas, Du bist kürzlich zum Hauptsportleiter der SG Nied gewählt worden. Was sind Deine Aufgaben?
    Es ist meine Aufgabe die ganzen Sportarten und Übungspläne zu koordinieren. Für Neuentwicklungen bin ich der Ansprechpartner. Ich regel und koordiniere den Übungsleiterbetrieb. Im Fitnessbereich sind besonders aktive Übungsleiter, mit denen ich neue Trends im Sport weiterentwickel.

    Was sind neue Trends im Sport?
    Da ist zum Beispiel Aroha, ein Mix aus Tae Bo und Karate mit Musik. Diese Sportart ist sehr bewegungsaktiv und hat in unserem Verein viel Zuspruch bei den Damen.
    Ein weiterer Trend im Sport ist Drums-Alive, eine gymnastische Bewegungsübung mit Pezziball und Trommelstöcken.
    Ebenso ist Boxen bei uns eine relativ neue Sportart.
    Darüber hinaus bieten wir Rückengymnastik an und ab Herbst wird diese Sportart durch Herzsport ergänzt. Leichtathletik, Handball, Triathlon, Kampfsport (Judo, Karate, Vovinam, Aikido), Turnen, Tanzen, Trampolin, Tennis, Frauenfitness, Fitnessgymnastik, Yoga und Schwimmen, welches wir im Rebstockbad, Höchster Schwimmbad und zukünftig im Silobad anbieten, gehören zu unserem Angebot. www.sgnied.de

    Welche Sportarten werden von Kindern bevorzugt und was motiviert sie, zum Sport zu gehen?
    In allen Abteilungen sind Kinder vertreten und wir zählen derzeit 1100 Kinder und Jugendliche in unserem Verein.
    Kinder nehmen in einem Alter ab 5-7 Jahren an Turnieren teil. Kürzlich hatten wir einen Wettkampf in der Leichtathletik als Langlauf.
    Die Kinder sollen Spaß haben und sie entwickeln einen Wettkampfgedanken. Es ist möglich, dass Eltern einen größeren Ehrgeiz entwickeln als ihre Kinder. Wenn Eltern allerdings hinter dem Sport stehen, dann motivieren sie ihre Kinder daran teilzunehmen. So machen wir die Erfahrung, dass Kinder in der Regel von ihren Eltern motiviert werden. Jugendliche sind häufig selber motiviert.

    Der Anteil der übergewichtigen Kinder, insbesondere im Frankfurter Westen ist recht hoch, so ist es dem „Erfahrungsbericht der Koordinierungsstelle Kinder zur Lebenssituation Frankfurter Kinder“ zu entnehmen. Wie sieht Deine Einschätzung zu dieser Feststellung aus?
    Diese Aussage kann ich bestätigen. Projekte zu dieser Problematik werden über das Stadtschulamt und dem Sportkreis aufgebaut.
    Kinder, die in der ersten Grundschulklasse sind, sollen in die Nähe eines Sportvereins und deren Angeboten gebracht werden. Wir beteiligen uns an dem Projekt und haben bereits Kontakt mit den Leiterinnen und Leitern der Grundschulen in Nied aufgenommen. Alle Leiter waren positiv begeistert. Als Hauptsportleiter übernehme ich die Koordination der Angebote und der Übungsleiter. Wünsche zu Terminen und Sportarten werden von unserem Verein entgegengenommen. Vor den Herbstferien soll mit dem ersten Angebot begonnen werden.
    Es ist allerdings nicht einfach für uns dieses Projekt auf die Beine zu stellen, zumal ich ehrenamtlich als Hauptsportleiter tätig bin. Einen Festangestellten haben wir nicht, den es wie im Sportkreis zur Koordination für dieses Projekt gibt.

    Mit welcher Sportart hat die SG Nied eine Tradition und wie sieht diese aus?
    Die SG Nied hat als Turnverein vor 134 Jahren begonnen und hat sich über die Jahre hinweg entsprechend entwickelt. Im Schwimmen haben wir tolle Erfolge erzielt und Handball (Feldball) war jahrelang unser Aushängeschild.

    Was verbindet Dich mit der SG Nied?
    1968 wurde ich von meinen Eltern als 3-jähriges Kind mit meinem Bruder zum Turnen gebracht. Ich habe eine turnerische Ausbildung genossen und bin 1972 mit meinem Bruder zum Kunstradfahren gewechselt. Diese Sportart gab es damals bei der SG Nied, heute wird sie nicht mehr trainiert.
    Ich war mit meinem Bruder 3x deutscher Vizemeister und mehrfach Hessen- und Südwestdeutscher Meister. Sieben Jahre waren wir in der Nationalkader des Bundes Deutscher Radfahrer im Zweikunstradfahren.

    Möchtest Du den Lesern noch etwas mitteilen?
    Der Sport verbindet und trägt zur Integration und guten Zusammenleben bei. Der Erfolg im Sport kann auch Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung und schulischen Leistungen haben. Das Selbstbewusstsein kann gestärkt werden.

    Andreas, ich bin sehr beeindruckt von dem Angebot und Engagement in unserem Stadtteil. Ich wünsche Dir persönlich alles Gute und bedanke mich für das Gespräch.

    (Interview: C. Lühn | Interviewpartner: A. Welcher | Foto: A. Korkis)

  • Integration als wechselseitiger Prozess

    Kinder lesen

    Ein Beitrag von Christine Lühn, Kinderbeauftragte im Stadtteil Nied

    Sorgen der Eltern
    In einer Grundschule, im Stadtteil Nied herrscht Sorge bei den Eltern, weil in einer Jahrgangsstufe die Klassen um eine auf zwei reduziert werden sollen. Durch das Zusammenlegen der Schüler/innen wird die vorgeschriebene Klassenkapazität ausgeschöpft. Die Sorge der Eltern ist auf die Lernfähigkeit ihres Kindes gerichtet, wenn sich das Lehrpersonal um größere Klassenstärken kümmern muss. Auf politischer Ebene wurde auf dieses Anliegen bereits reagiert und es bleibt zu hoffen, dass die Sparmaßnahme zurückgenommen wird.

    Notwendigkeit der sprachlichen Förderung
    An den drei Grundschulen im Stadtteil Nied ist der Anteil von Kindern mit einem Migrationshintergrund von 45 %, 55% und 75 % relativ hoch. Somit ist davon auszugehen, dass sprachliche Förderung ein wesentlicher Bestandteil der schulischen Förderung ist. Im nunmehr 2. Jahr reagiert die Stadt Frankfurt auf diese Problematik und bietet an den Grundschulen sogenannte „Vorlaufkurse“ an. Die Vorstellungsgespräche der Kinder finden bereits vor dem Beginn des ersten Schuljahres in der entsprechenden Grundschule statt. Nach diesem Erstgespräch empfiehlt die Schulleitung die Teilnahme des Kindes an einem Vorlaufkurs, der an der Grundschule stattfindet. Es ist Ziel des Kurses, dass die einzuschulenden Kinder möglichst einen gemeinsamen Sprachlevel erreichen.

    Enorme Leistungen von Kindern
    Festzustellen ist, dass die Kinder mit einem Migrationshintergrund eine enorme Leistung vollbringen. Sie sind zum Schulbeginn in der Regel in der Lage in zwei Sprachen zu kommunizieren. Sie wachsen in unserer Kultur auf und ganz selbstverständlich erwarten wir von ihnen diesen Integrationsprozess.
    Wie kann unser Beitrag zu diesem Integrationsprozess aussehen?

    Forderung des Bürgerforums 2011
    Als Teilnehmerin am Bürgerforum 2011 habe ich mich mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Wir haben, nach einer längeren Diskussionsphase, eine Forderung erarbeitet, die folgendermaßen lautet:

    „Die Gestaltung der Integration hat in wechselseitigem Prozess zu erfolgen. Dieser basiert auf Respekt und Achtung der Kulturen. Sprachen sind identitätsstiftende kulturelle Grundlagen und wichtige Kommunikationsmittel, daher sind Sprachkenntnisse zu fördern und fordern. Um eine Kultur des gegenseitigen Respekts zu schaffen, ist die Einführung eines Patensystems zu diskutieren.„

    Durch die Diskussion im Bürgerforum wurde ich angeregt über meinen Beitrag zu Integration und Sprachförderung nachzudenken. Im Ergebnis bin ich zur Feststellung gelangt, dass Sprache im Dialog lebendig wird. Dialog kann z.B. im nachbarschaftlichen Austausch stattfinden, mit Menschen aus den „fremden“ Kulturen in meinem Stadtteil. Meine 6-jährige Tochter ist mir dabei ein Vorbild. Sie ist so wertfrei und vorbehaltlos im Umgang mit ihren Kindergartenkinder, die über eine reichhaltigen kulturellen Schatz verfügen. Durch den Dialog und Austausch im Elternkreis kann ich mein Interesse an dem Herkunftsland bekunden. Fremd muss mir dann mein Nachbar im Stadtteil nicht mehr sein und die Wechselseitigkeit in dem Prozess gewinnt dann an Bedeutung.

    (Autor: C. Lühn | Foto: A. Korkis | Quelle: C. Lühn, A. Korkis)

  • Neue Ideen der Bürgerbeteilung

    Ein Beitrag zum diesjährigen BürgerForum2011 von Christine Lühn, Kinderbeauftragte Frankfurt/Nied

    „Zukunft braucht Zusammenhalt. Vielfalt schafft Chancen“
    Das BürgerForum2011 findet unter dem Motto „Zukunft braucht Zusammenhalt. Vielfalt schafft Chancen“ statt. Schirmherr des Bürgerforums ist der Bundespräsident Christian Wulff. Er hat  in seiner Auftaktveranstaltung am 12.03.2011 zum Ausdruck gebracht, dass der Dialog zwischen den Bürgern und ihren politischen Vertretern durch neue, transparente Formen der Beteiligung belebt werden soll. Im diesjährigen Bürgerforum soll die Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland thematisiert werden.
    Frankfurt / Main ist eine von 25 Regionen, die zur Teilnahme ausgewählt wurde. 400 Bürger und Bürgerinnen der Stadt wurden per Zufallsverfahren ausgesucht und nähern sich in 6 unterschiedlichen Ausschüssen dem Thema. Hierbei handelt es sich um die Ausschüsse Demokratie und Beteiligung, Familiäre Lebensformen, Integration, Demografie, Solidarität und Gerechtigkeit, Bildung.

    Integration als wechselseitiger Prozess
    Ich nehme am Ausschuss Integration teil und die Mitglieder dieses Ausschusses haben während der Auftaktveranstaltung erste „Herausforderungen“ erarbeitet. An runden Tischen, mit immer wechselnden Diskussionspartnern kristallisierte sich heraus, dass Integration als wechselseitiger Prozess zu verstehen ist. Aufnehmende Gesellschaften sollten ihre Rahmenbedingungen reflektieren, um z. B. Chancengleichheit in Bildung und Beruf als Ziel zu erkennen. In dem Zusammenhang wurde die Einführung eines Patensystems diskutiert. Es soll eine Kultur des gegenseitigen Respekts entstehen und Zuwanderung als gesellschaftliche Chance verstanden werden.

    Ideelle Form der Bürgerbeteiligung
    In Deutschland findet bisher eine ideelle Form der Bürgerbeteiligung statt. In anderen Ländern, wie Brasilien, Australien, Kanada, USA ist man bereits dazu übergegangen Bürger und Bürgerinnen an der Vergabe von finanziellen Haushaltsmitteln zu beteiligen. Diese Art der Beteiligung hat erstaunlicherweise in Brasilien eine längere Tradition. Bewohner eines Slums in Belo Horizonte wurden über den Bestand der Haushaltsmittel informiert und in einem weiteren Schritt aufgefordert Lösungen für Probleme in ihrem Stadtviertel zu erarbeiten. So konnten bisher neue Häuser und Kanalisationen gebaut werden und entfernt gelegene Häuser wurden an eine Busverbindung angeschlossen.  In Hampton, Virginia, USA wurde unter enormer Bürgerbeteiligung Konzepte für gravierende Probleme mit Gewalt, Drogen und Kriminalität in der Stadt erarbeitet. Geraldton, Australien ist eine wachsende, aufstrebende Stadt. Sie haben unter Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen Projekte entwickelt, die dem Wachstum gerecht werden, wie z. B. dem Bau von Kindergärten, Infrastruktur und Freizeitangeboten.
    Die o. g. Länder haben ihre Form der Beteiligung für die Vergabe des Reinhard Mohn Preis eingereicht. Teilnehmer des BürgerForums wählen ihren Favoriten.

    Beteiligung in Frankfurt / Nied – eine Vision
    Die Vorstellung der Projekte hat mich tief beeindruckt. Ich war von der Möglichkeit der Beteiligung und Einflussnahme fasziniert. In unserem Stadtteil Nied liegt einiges im Argen. Das Wissen um den städtischen Etat und die Möglichkeit mit Nieder Bürgern und Bürgerinnen Lösungen zu erarbeiten würde mir viel Spaß machen. Ich wäre stolz auf diese Leistungen und würde mich mit meinem Stadtteil identifizieren. Am meisten würden unsere Kinder von dem nachhaltigen Handeln profitieren.

    (Autor: C. Lühn | Bildbearbeitung: A. Korkis | Quelle: You Tube)

  • Kinder-Surfen ohne Risiko

    Ein hilfreiches Angebot des Bundesfamilienministerium. Ein Beitrag von Christine Lühn, Kinderbeauftragte Frankfurt/Nied

    Surfen ohne Risiko Bild

    Online-Angebot vom Bundesfamilienministerium
    „Surfen ohne Risiko“ ist ein Online-Angebot vom Bundesfamilienministeriums für einen sicheren Einstieg von Kindern und Jugendlichen ins Netz. Soeben haben wir das Angebot mit unserer 6-jährigen Tochter ausprobiert. Um es kurz zu sagen: das Angebot ist aus unserer Sicht, der Eltern, gut und hilfreich.  Die Handhabung der Module ist gut beschrieben und mit wenigen Klicken ist der kindgerechte Browser fertig.  Das Bundesministerium hat die länderübergreifenden Stelle für Jugendschutz beauftragt die Webseite www.surfen-ohne-risiko.de zu entwerfen.

    Surfen ohne Risiko Webseite

    Unterstützung für Eltern
    Der Browser unserer Tochter enthält die Rubrik Spiele, Suchmaschine, Wetter, Politik und Nachrichten. Einige Rubriken sind vom Anbieter vorgegeben und andere können ergänzt werden.  Generell sind die Möglichkeiten des Netzes auch für Kinder enorm und bergen somit auch viele Gefahren. Die Auswahl  des Anbieters  verweisen Eltern auf sichere und risikofreie Internetseiten, die vom Kind genutzt werden können. Eltern werden unterstützt, einen sicheren und vertrauenswürdigen Internetzugang für das Kind aufzubauen. Selbstständig kann das Internet auf diesem Weg von dem Kind genutzt werden.

    Fehlende Altersangaben
    Vom Anbieter werden allerdings keine Altersangaben vorgeschlagen. Sie beschränken sich auf die Aussage „Kinder und Jugendliche“. Angaben zum Alter könnten Eltern helfen für ihr Kind eine zielorientierte Auswahl zu treffen.

    (Autor: C. Lühn | Foto: A. Korkis | Quelle: C. Lühn, A. Korkis)

  • ABC und 1×1 im Kindergarten?

    Vorschulkind malt

    Frühkindliche Bildung – ein europäischer Vergleich. Ein Beitrag von Christine Lühn, Kinderbeauftragte Frankfurt / Nied.

    Unsere Tochter wird im Sommer eingeschult
    Ihr Interesse an Zahlen und Buchstaben ist groß. Selbstverständlich schreibt sie ihren Namen, erkennt Buchstaben und löst mit Ausdauer, Leichtigkeit und Ehrgeiz die Aufgaben in ihren Heften aus dem Zeitschriftensortiment „Lillifee, Geolino, Bussi Bär & Co“. Vorschulerziehung im Kindergarten, wie ich sie in den 70-er Jahren kennen gelernt habe, ist out und aus pädagogischer Sicht nicht gewünscht. Da lohnt sich ein Blick in andere europäische Länder. Die Cousine unserer Tochter lebt in Österreich/Wien. Zum Schulbeginn konnte sie ihren Großeltern die ersten Sätze schreiben. In Italien ist der Kenntnisstand der Vorschulkinder vergleichbar. Was hindert Pädagogen in Deutschland „Vorschulerziehung“ anzubieten? Was wird unter frühkindlicher Bildung verstanden?

    Ein Blick in die Entwicklungspsychologie
    Um den Bildungsanspruch in der frühen Kindheit zu verstehen, ist ein Blick in die Entwicklungspsychologie erforderlich. Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit der Beschreibung und Erklärung menschlichen Erlebens und Verhaltens bezogen auf die gesamte Lebensspanne. Dieser Gesetzmäßigkeit folgend kann z. B. diese Aussage getroffen werden: Je stärker das Selbstwertgefühl eines Menschen entwickelt ist, desto stärker ist seine Bereitschaft, Selbstverantwortung für sein eigenes Verhalten zu übernehmen. In dieser Gesetzmäßigkeit zeigen sich Entwicklungsschritte des Individuums, die Rückschlüsse auf das eigene Verhalten zulassen. Biogenetische Faktoren, wie Reifung und Wachstum, sowie die Umwelt, der Umgang mit Emotionen und das Verhalten (z. B. Trotz) beeinflusst die Entwicklung eines Menschen. Durch die Entwicklungspsychologie ist bekannt, dass außergewöhnlich viele Entwicklungsschritte in einer bestimmten Reihenfolge aufgebaut sind und damit auch nach einer ganz bestimmten Aufbaustruktur verlaufen. Deutlich vor Augen ist uns dieser Entwicklungsschritt im Kleinkindalter: Das Kind erlernt zunächst sich zu drehen, dann krabbeln und schließlich laufen. Der Kindergarten ist daher ein Ort, der die ganzheitliche Entwicklung des Kindes unterstützt und fördert. Bildung darf sich daher in der frühen Kindheit nicht auf die reine Wissensvermittlung beschränken, sondern sie muss die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes berücksichtigen und mit einbeziehen.

    Wir mögen die Welt bereisen, um das Schöne zu finden, aber wir müssen es in uns tragen – sonst finden wir es nicht.
    W. Emerson

    Ein europäisches Thema
    Die europäische Kommission hat sich mit der Frühkindlichen Bildung beschäftigt und ihre Ergebnisse in einer beeindruckenden Dokumentation mit dem Titel „Frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung in Europa: ein Mittel zur Verringerung sozialer und kultureller Ungleichheiten“ im Januar 2009 herausgegeben. In dieser Dokumentation wird die besondere Rolle der Vorschulbildung im Hinblick auf die soziale Eingliederung des Kindes hervorgehoben. Europäische Staaten werden aufgefordert in die Vorschulbildung zu investieren, damit eine Basis für weiteres Lernen geschaffen wird, um langfristig Schulabbruch zu verhindern und mehr Gerechtigkeit bei den Bildungsergebnissen zu erreichen. Die europäische Kommission hat die Vorschulbildung 2009/10 zu einem vorrangigen Thema erklärt. Es soll europaweit ein allgemeiner, gerechter Zugang gefördert werden und die Qualität des Unterrichts und der Pädagogen gestärkt werden. Hierbei wird insbesondere an Kinder gedacht, die hauptsächlich aufgrund sozioökonomischer, kultureller und sprachlicher Faktoren benachteiligt sind. Diese Nachteile sollen kompensiert werden. Demzufolge wurde festgestellt, dass institutionelle Vorschulbildung unter bestimmten Voraussetzungen entscheidend dazu beitragen kann, die Bildungschancen von Kindern aus sozial schwachen Familien oder gesellschaftlichen Minderheiten zu verbessern. Am wirksamsten haben sich Fördermaßnahmen und Bildungsprogramme erwiesen, die folgende Elemente kombinierten: „ein intensives frühzeitiges kindzentriertes Bildungsangebot, eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder, Elternbildungsangebote und aktive Elternarbeit, ein Programm, das Bildungsaktivitäten beinhaltet, die Kinder und Eltern zu Hause durchführen, sowie Maßnahmen im Bereich der Familienförderung“. Des Weiteren geht aus dem Bericht hervor, dass aktuelle wissenschaftliche Debatten die Bedeutung der Ausgewogenheit der verschiedenen pädagogischen Ansätze und die Wahl der für die einzelnen Altersgruppen geeigneten Konzepte betonen.

    Frühkindliche Förderkonzepte
    Pädagogische Programme für Kinder unter fünf Jahren sollten möglichst die kindliche Entwicklung in den Mittelpunkt stellen. Programme für Kinder im Alter von 5 oder 6 Jahren können bereits stärker strukturierte Lehrpläne einführen, die schulische Lerninhalte und ein stärkeres Eingreifen seitens der Pädagogen beinhalten, ohne dass negative Auswirkungen auf der sozial-emotionalen Ebene zu befürchten wären. Betont man den Erwerb von schulischen Kompetenzen gegen Ende des frühkindlichen Bildungsbereichs und im Anschluss an eine in erster Linie entwicklungsorientierte frühkindliche Förderung, die den Erwerb von sozial-emotionalen Kompetenzen begünstigt, kann dies sogar dazu beitragen, den Übergang in den Primarbereich zu erleichtern. Damit ist es höchste Zeit, die viel beschworene vermeintliche Gegensätzlichkeit dieser beiden pädagogischen Modelle (Kindergarten und Schule) zu überwinden. Es geht darum, beide Ansätze möglichst optimal miteinander zu kombinieren. Langfristig haben sich ganzheitliche Frühkindliche Förderkonzepte als besonders wirksam erwiesen, die das Kind, die Eltern und die Institution in einen kontinuierlichen Bildungsprozess einbeziehen, der sich ausgehend von dem familiären Hintergrund des Kindes bis weit in die Primarschulbildung hinein erstreckt. Einige Staaten haben für Vorschulkinder im Alter von 5 oder 6 Jahren ein obligatorisches Vorbereitungsjahr eingeführt. In Luxemburg werden die Kinder bereits im Alter von 4 Jahren schulpflichtig.

    Wertvolle Anregungen durch Europa
    Ein Blick über den „deutschen“ Tellerrand wird unser Bildungssystem, auch das frühkindliche, beflügeln und herausfordern. Bisher beklagt sich unsere Tochter noch nicht, dass es ihr im Kindergarten langweilig ist. Bis zum Sommer und ihrer Einschulung wird sie noch einige Zeit im Kindergarten verbringen und ich hoffe, dass diese Zeit ihrem Entwicklungsanspruch gerecht wird.

    (Autor: C. Lühn | Foto: A. Korkis | Quelle: C. Lühn, A. Korkis)