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Schlagwort: Zeitarbeit

  • Aus der Welt der #Zeitarbeit – Rette sich, wer kann!

    Zeitarbeit ist ein Thema, welches mit steigender Konjunktur vermehrt auf den Tisch kommt. Wenn es an Fachkräften fehlt, springen immer häufiger „Interims“ ein. In dieser Kolumne „Zeitarbeiter“ gibt Ihnen unsere externe Redakteurin Annette von Spiegel persönliche und authentische Einblicke.

    Mein heutiges Thema widmet sich dem, was für alle Arten von Verträgen gilt – allen voran Arbeitsverträgen, denn sie regeln immerhin einen nicht unerheblichen Anteil unserer Lebenszeit, nämlich die Arbeitszeit! 🙂 Da heisst es also „Augen auf!“ – zunächst bei der Auswahl des Zeitarbeitsunternehmens, hat man sich denn entschlossen, über eine Verleihfirma tätig zu werden – und dann natürlich, was den Vertrag betrifft.

    Prüfe bevor Du Dich bindest
    Wie bei allen anderen Firmen auch, gibt ein persönliches Gespräch bereits etwas Aufschluss über den Stil im Haus und die Haltung zu Bewerbern bzw. Mitarbeitern. Es kann aber auch hilfreich sein, sich bei Bekannten umzuhören, die bereits bei Zeitarbeitsfirmen tätig sind – da gibt es, keine Sorge, eindeutige Statements. Und durchaus auch positive! [Diese Checkliste Zeitarbeitsfirmen von mittelstanddirekt enthält 10 Punkte, Anmerkung der Redaktion]
    Nach solch lobenden Erwähnungen hatte auch ich nochmal Gespräche geführt und fand tatsächlich bestätigt, was mir erzählt worden war, also Positives. Ein Wechsel machte allerdings wenig Sinn, weil ich als Neu-Einsteigerin die mit der Zeit erreichten Ansprüche auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Urlaubstage etc., verloren hätte. Wunderliche Detailfragen des Arbeitsvertrages ergeben sich für den Normalsterblichen dummerweise erst in der Alltags-Praxis. Zwei Beispiele möchte ich nennen, und übrigens: Ein kritischer Blick auf die Regelung zur Entfernung zu möglichen Einsatzorten lohnt sich sicher auch immer …

    Stundenfalle
    Ich selbst habe z. B. einen Vertrag, der von einer Stundenzahl von 40 Stunden pro Woche ausgeht. Unerfahren wie ich war, dachte ich mir nichts, als ich für mehrere Monate an eine Bank entliehen wurde, deren Regelarbeitszeit nur 37,5 Stunden beträgt. Bis meine Zeitarbeitsfirma mich dann mal ansprach, dass ich mittlerweile immens viele Minusstunden angesammelt hätte, weil ich Woche für Woche nicht meine 40 Stunden erreichte! Ich fiel vor Staunen fast vom Stuhl, denn darüber hatte ich mir schlichtweg keine Gedanken gemacht … im Übrigen wäre ich davon ausgegangen, dass man das individuell regelt, je nach Konditionen des Kunden (Einsatzes).

    Zeitarbeiter 40 Std versus fester Mitarbeiter 37,5 Std?
    In diesem Fall sollte ich nun mit der Abteilungsleitung sprechen, ob ich nicht länger arbeiten könne, damit ich auf meine 40 Stunden käme. Was ich für eine alberne Anfrage hielt, denn warum sollte ein nicht fest angestellter Mitarbeiter bleiben, während alle Festangestellten schon nach Hause gehen?! Aber ich war sowieso der Meinung, es sei Aufgabe der Vermittlerin, diese Sache zu klären, denn es ist IHR Kunde, Sie hat die Konditionen ausgehandelt. So wurde es denn auch gemacht: die Vermittlerin des Zeitarbeitsunternehmens sprach mit der Abteilungsleitung der Bank über diesen Aspekt – und die zeigten ihr natürlich einen Vogel.

    Minusstunden gratis
    Mit dem Ergebnis, dass ich nach fast einem Jahr bei diesem Kunden ein – wohl gemerkt nicht selbst verschuldetes – Minus von mehr als 150 Stunden angesammelt hatte! Ich war gespannt, zu welchen Zankereien das am Ende führen würde, wenn ich eines Tages eine feste Stelle finde … (es sei kurz erwähnt: mittlerweile bin ich seit 1,5 Jahren in einem Unternehmen, in dem ich jede Woche ÜBERstunden mache, nun ist mein Konto seit 1 Monat wieder ausgeglichen). Auf so etwas muss man aber auch erst mal kommen!

    Für wen sind eigentlich Tarifverträge?
    Gestaunt habe ich auch, als ich feststellen musste, dass Tarifverträge nicht notwendigerweise Vorteile für die Leiharbeitnehmer bringen. Zum Vergleich der Tarifvertragsbedingungen aus den Manteltarifverträgen der Zeitarbeitsverbände: iGZ, BZA und AMP finden Sie hier eine gute Übersicht.

    Urlaubsanspruch vercodiert
    Durch Zufall stellte ich nämlich fest, dass meine Leihfirma mich frech und außerdem mehrfach um Urlaubstage betrog! Die monatlichen Abrechnungszettel sind ein wahrer Wust an Zahlen, Auf- und Gegenüberstellungen mit anteiligen Prozenten, Codes und dergleichen – jedenfalls nichts, das zum intensiven Studium einlädt, es sei denn, man ist passionierter Buchhalter oder dergleichen.

    Fristensache!
    Beim Abheften sah ich jedoch in einem Jahr, in dem ich noch gar keinen Urlaub genommen hatte, dass mir bereits zwei Tage bewilligt (also abgezogen) worden waren. DAS fiel dann doch auf … (ein oder zwei Tage hie und da, in einer Summe verbogen, ist anders). Über ein halbes Jahr gingen daraufhin Mails zwischen meiner Verleihfirma und mir hin und her (ich wollte das gern schriftlich dokumentiert haben), ehe es mir zu bunt wurde, und ich zum Anwalt ging. Dort staunte ich nicht schlecht, denn … der für mich zutreffende Tarifvertrag regelt, dass man nach Ausstellung einer solchen Abrechnung nur 2 Monate Zeit hat, Einspruch zu erheben – während die allgemeine gesetzliche Frist drei Monate beträgt! Nie hätte ich geglaubt, dass ein Tarifvertrag zu Ungunsten der Arbeitnehmer ausfallen könnte …… ICH jedenfalls hatte meine Frist verpasst!

    (Autor: Annette von Spiegel | Fotos: www.photocase.de kallejipp (Artikel) , sc_joeesco (Thumb) | Quellen: Archiv)

    Die mentoring4u Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails – mit vollständigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse – auch gekürzt zu veröffentlichen. Gastbeiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

  • Aus der Welt der #Zeitarbeiter: Hier gibt es echte Job-Chancen!

    Screenshot stratego aufundab, Artikel

    Unerfahren, noch-keine-Ahnung-was-ich-machen-will, überansprucht oder Lust-auf-was-Neues? Hier kann Zeitarbeit mit den wechselnden Einsätzen bei oft renommierten Arbeitgebern einen Brücke bauen. In unserer Kolumne „Zeitarbeiter“ gibt Ihnen unsere externe Redakteurin Annette von Spiegel persönliche und authentische Einblicke.

    Wie sehen Personaler eigentlich ZA (Zeitarbeiter)?
    Ich hätte wirklich gerne mal eine Statistik über die Sichtweise von Personalverantwortlichen auf Zeitarbeiter. Denn die Jahre, in denen Zeitarbeit hier in Deutschland als minderwertig, fast anrüchig, angesehen wurde, sind eigentlich schon lange vorbei: In den letzten zehn Jahren haben der Einbruch der so genannten „New Economy“ (oder auch „Dotcom-Blase“ im Jahr 2000) und die uns allen gut bekannte, 2007 eingeläutete, Finanz- und Wirtschaftskrise (Stichworte: US-Immobilienmarkt, Lehman Brothers) dazu geführt, dass Zeitarbeit salonfähig geworden ist. Sogar gesetzliche Regelungen und Arbeitsmarkt haben sich mittlerweile daraufhin abgestimmt!

    Auch nur Menschen
    Aber Personaler und andere Personalverantwortliche sind halt auch nur Menschen. Und die haben ja bekanntlich so ihre Vorurteile („Leiharbeiter sind unqualifiziert und unwillig“ – vom negativen Klischee des Hartz-IV-Empfängers ist man da zuweilen nicht weit entfernt). Die Sozialwissenschaften wissen ja illuster zu berichten, wie schwer es ist, Vorurteile zu verändern oder gar zu eliminieren – und wir alle kennen sicherlich das eine oder andere Phänomen aus dem uns umgebenden Alltag. Gerade vor ein paar Tagen kriegte ich wieder derartige Interna erzählt von jemandem, der mit einer solchen Entscheiderin zusammen arbeitet.

    Trotzdem Chancen
    Nun, aber ich möchte heute ja POSITIVES berichten! Und zwar über die Job-Chancen, die Zeitarbeit wirklich ab und zu bietet:
    Den ersten hatte ihn in meinem ersten Beitrag schon erwähnt: Für Berufseinsteiger ist es eine prima Möglichkeit, wenn sie mangels Erfahrung Schwierigkeiten haben, überhaupt irgendwo unterkommen! In diesem Fall sollte man übrigens nicht vergessen, parallel weiter fleissig Ausschau zu halten, damit man nicht in der bequemen Ich-werde-ja-mit-Jobs-versorgt-Falle hängen bleibt …

    Nicht nur für Ein-, auch für Umsteiger ist die Zeitarbeit eine der möglichen Optionen – und damit meine ich nicht nur den Wechsel des Unternehmens (aus welchen Gründen auch immer).

    Eine gute Bekannte z. B. hat jahrelang mit viel Engagement, Freude und Befriedigung herausfordernde Jobs gemacht, hat sich entwickelt, hat die Karriereleiter erklommen. War prima, war das Richtige – passt derzeit aber nicht mehr: Sie möchte auch mal wieder in einem gemäßigten Tempo und Stresslevel leben. JETZT sucht sie für eine Weile nach eigenen Angaben „mal einen ganz normalen 9-to-5-Job, wo ich in Ruhe arbeiten kann, ohne viel Verantwortung, wo ich weiss, wann ich nach Hause komme“. Wie ich sie kenne, wird sie ihre Stärken im Privatleben weiterhin vergnügt und erfüllt ausleben – und sich vermutlich parallel etwas aufbauen. Da macht es Sinn, sich beruflich nicht auch noch zu belasten.

    Eine andere Bekannte war zuvor jahrelang in einem Amt tätig. Scheint auf Dauer nicht der letzte Schluss gewesen zu sein, denn sie wechselte von sich aus in die Zeitarbeit, um mal was anderes kennen zu lernen. Es kam, wie es kommen musste: Sie wurde zur Urlaubsvertretung in ein Projekt-Sekretariat geschickt – das sie heute leitend organisiert, und das Projekt ist auf über 200 Mitarbeiter angewachsen. Sie hat einen riesen Spaß an der Aufgabe.

    Ausland gibt es manchmal auch
    Und sogar Auslands-Optionen scheinen durch solche Einsätze möglich: Ich selbst war mal an ein international agierendes Unternehmen entliehen und hatte regelmäßig Kontakt zu den Außenstellen in anderen Ländern. Eine dieser fragte nach ein paar Monaten, ob ich denn nicht zu ihnen wechseln wolle, sie bräuchten im Grunde dringend jemanden für 1 Jahr. Ich bat mir einen Tag Bedenkzeit aus, sandte flugs meine Unterlagen zu „Human Resources“ in Dubai – die Firmenchefs verabschiedeten sich schon mit den Worten, dass man sich dann ja dort sähe – und ich bekam diese Stelle nicht, warum auch immer! Aber wer weiss, wofür es gut war, dass es nicht geklappt hat … ich hoffe, Ihr habt mehr Erfolg! 😀

    (Autor: Annette von Spiegel | Fotos: www.photocase.de stratego (Artikel) , sc_joeesco (Thumb) | Quellen: Archiv)

  • Aus der Welt der Zeitarbeiter: Die Gleichstellung …


    Ja, wie … heute geht es um feministische Themen? Das ist ja was! Aber nein: Es gibt so viele Möglichkeiten, gleicher zu sein als andere, und eben auch in der Welt der Zeitarbeit: In der Kolumne „Zeitarbeiter“ gibt Ihnen unsere externe Redakteurin Annette von Spiegel persönliche und authentische Einblicke.

    Gleiches für Gleiche
    Heute geht es um die in den Medien in letzter Zeit erfreulicherweise häufiger diskutierte Frage der Gleichstellung von Leiharbeitern mit der fest angestellten Stammbelegschaft – und zwar in Bezug auf das Gehalt, häufig unter dem Stichwort „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. (Erst kürzlich veranstaltete der DGB aus einen Aktionstag, in dessen Rahmen auch dieses Thema behandelt wurde.) Detailliertere Infos zu Inhalten gibt es z. B. hier .

    Fragen und keine Antworten
    Neben dem Sinn des Lebens gibt es ja noch andere große Fragen des Mensch-Seins:  „Sein oder nicht sein“, „Haben oder sein“ bzw. hier: „Recht haben und Recht bekommen“. Und das sind nun mal zweierlei Paar Schuhe; schon immer gewesen.

    Ein Beispiel: Geschlechtsneutralität
    Im Rahmen der geschlechtlichen Gleichstellung müssen in Deutschland per Gesetz Stellenanzeigen geschlechtsneutral (also „m/w“) ausgeschrieben werden. Prima Idee. Aber … wenn ein Chef nun mal partout eine Dame im Vorzimmer sitzen haben möchte? Dann wird die Stelle zwar offiziell geschlechtsneutral ausgeschrieben, letztendlich in Erwägung gezogen werden aber doch nur BewerberINNEN. Wollte nun ein Mann, sofern er überhaupt von diesen Machenschaften Kenntnis erlangt, klagen – wie, um alles in der Welt, will er DAS nachweisen?! 🙂

    Ein Beispiel: Schwanger oder was?
    Hübsch ist auch, was Frauen um die 30 ereilt, wenn sie sich bewerben: Nachvollziehbarerweise fürchten potenzielle Arbeitgeber, dass die Bewerberin nun in einem Alter ist, wo die so genannte biologische Uhr beunruhigend anfängt zu ticken: Man bekommt unterstellt, man könnte in absehbarer Zeit schwanger werden und dann ausfallen – und bekommt die Stelle daher lieber mal nicht! (Das habe  ich selbst erlebt: erstens häuften sich die Fragen zu diesem Thema ab Ende 20 auffallend, mir wurde aber auch schon unter vier Augen gesagt, dass ich aus diesem Grund eine Stelle nicht bekomme – wobei ich in diesem Fall natürlich fragte, warum ich dann überhaupt eingeladen worden war).

    Antworten – oder besser doch nicht?
    Es gibt Themenbereiche, auf die man nicht antworten muss. Da eine Antwort-Verweigerung im Grunde immer negativ ausgelegt werden dürfte, darf man bei Fragen z. B. zur Familienplanung, zur sexuellen, religiösen oder politischen Orientierung etc. ganz offiziell und getrost lügen! Sollte ein Arbeitgeber späterhin das Arbeitsverhältnis lösen wollen, weil er in einem solchen Punkt belogen wurde, wird das vor keinem deutschen Gericht standhalten! (Allerdings werden die wenigsten Arbeitgeber mit DEM Argument zur Kündigung kommen …).

    Gesetz versus Realität
    Wir können uns jedenfalls einstweilen daran erfreuen, dass es ein Bewusstsein für Ungleichbehandlungen gibt und man per Gesetz versucht, einen vernünftigen Rahmen zu schaffen, also auch die Möglichkeit, sich auf ein gewisses Recht zu berufen. Inwieweit allerdings der Aspekt „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ in den Tarifverträgen der Zeitarbeitsverbände berücksichtigt wird, weiss ich nicht. Denn: Wie will man denn überhaupt in Erfahrung bringen, was die fest angestellten Kollegen so verdienen? Das ist ja schon ein schwieriges Unterfangen, wenn man selbst kein Leiharbeiter ist, sich aber mal orientieren möchte.

    Gehaltsvergleiche – aber wie?
    Schwieriger wird es – zumal sich der Aufwand auch kaum lohnt – wenn man nur einen kurzen Einsatz hat, z. B. als Urlaubsvertretung. Aus dem Nähkästchen meines eigenen Erfahrungs-Schatzes: von Ablage in Unternehmen A lande ich plötzlich für zwei Wochen im Vorzimmer eines Bank-Vorstandes. Gelegentlich war ich auch die einzige Person im Unternehmen, die diese Aufgaben hatte – wen hätte ich also fragen können, welche Bezahlung hier üblich ist? Und selbst wenn es Transparenz im Unternehmen des Kunden gibt, kann es schwierig bleiben:

    Ein Versuch: Gehaltserhöhung
    Ich hatte mich nach über einem Jahr Zugehörigkeit beim Zeitarbeitsunternehmen und gleichzeitig ununterbrochenem Einsatz beim selben Kunden um eine Gehaltserhöhung bemüht – zumal ich wusste, dass ich da sehr gute Arbeit leistete. Die Diskussion verlief in etwa so:

    AG (Arbeitgeber): „Aber dann müssten wir das ja dem Kunden weiterberechnen …“

    ich: „Ja, nur zu, damit habe ich kein Problem.“

    AG: „Mmh … leider steht diese Firma zur Zeit nicht so gut da, das können wir nicht machen.“

    ich: „Komisch: Denn seit ich hier bin, erhalten alle Festangestellten um mich herum pro Quartal eine Extraprämie von 300 €, weil das Quartal so gut gelaufen ist! Und ich sage Ihnen: DAS ist auf Dauer ganz schön demotivierend, denn ich leiste seit vielen Monaten Vollzeit dieselbe Arbeit wie alle Kollegen um mich herum!“

    AG: „Das kann schon sein. Allerdings gibt es dieses Jahr in diesem Unternehmen eine Sperre bzgl. Gehaltserhöhungen. Da können wir leider nichts machen.“

    ich: „Auch DAS wundert mich, denn gerade vorgestern gab es eine Betriebsversammlung, zu der auch ich gegangen bin, und da war die Staffelung der Gehaltserhöhungen im laufenden Jahr einer der Tagespunkte. Ich kann Ihnen gern den Auszug aus dem Protokoll zukommen lassen …“.

    Und so weiter. Eine Gehaltserhöhung habe ich in fünf Jahren nicht bekommen, obwohl ich auch auf mein Nachfragen nie hörte, dass man mit meiner Arbeit oder Einsatzbereitschaft in irgendeiner Weise unzufrieden gewesen ist. Witzigerweise bekam ich in all der Zeit immer dasselbe Gehalt – egal, ob ich irgendwo Ablage machte oder im Vorzimmer des Bank-Vorstandes saß. Wobei den höheren Anteil, der für mich bezahlt wird, wenn ich qualifiziertere Arbeit leiste, selbstredend das Leiharbeitsunternehmen einstreicht…

    (Autor: Annette von Spiegel | Fotos: kallejipp (Artikel) , joeesco (Thumb) | Quellen: www.photocase.de )

  • Zeitarbeit – wenn es mal schief geht

    Selbstvertrauen_Zeitarbeiter

    Zeitarbeit ist ein Thema, welches mit steigender Konjunktur vermehrt auf den Tisch kommt. Wenn es an Fachkräften fehlt, springen immer häufiger „Interims“ ein. In dieser Kolumne „Zeitarbeiter“ gibt Ihnen unsere externe Redakteurin Annette von Spiegel persönliche und authentische Einblicke.

    Zeitarbeit – wenn es mal schief geht
    Wie im festangestellten Berufsleben, so kann es auch bei der Zeitarbeit – schlecht laufen. Ein Kollege, der sich lieber selbstständig machte, fasst es ganz treffend so zusammen:

    „Ich war da ja auch mal, sehr kurz, ca. zwei Wochen, habe meine Erfahrungen sammeln können. Die waren aber durch die Bank weg schlecht: Zum einen gab es nur Geld, wenn man auch vermittelt wurde, man sollte Arbeiten verrichten, die nichts mit dem eigentlichen Berufsbild zu tun haben, und zum anderen wurde das extrem schlecht bezahlt. In der kaufmännischen Welt mag das ja noch gehen. Wenn du aber im Handwerk tätig bist, bekommst du auch schon mal als Bäcker einen Maurerjob angeboten. DAS geht ja wohl gar nicht, ist aber in der Praxis so.“

    Schön zusammengefasst
    – und leider kein Einzelfall. Ich selbst steckte z. B. mal in dem Dilemma, dass meine [Zeitarbeits]Firma mich zu einem Vorstellungsgespräch schickte… mit einer Anforderungsliste von ca. 12 Punkten. Von denen ich keinen einzigen erfüllte außer dem unwichtigen letzten: „Spanischkenntnisse von Vorteil“. Das an sich ist schon absurd, schlimm wurde es jedoch durch die Vorgabe „.. und Sie sagen dem Kunden natürlich NICHT, dass Sie das nicht können!!“

    Schwarzer Peter
    Montags war das Gespräch, und das ganze Wochenende lang grämte ich mich, weil ich nicht wusste, wie ich mich verhalten soll. Mir passte das garnicht. Ich kam zu dem Ergebnis: Irgendwer wird am Ende sauer auf mich sein – der Kunde, weil er rausfindet, dass ich’s nicht drauf habe – oder meine Leihfirma, weil ich es DOCH beim Kunden angesprochen habe. Ich kam zu dem Ergebnis, es beim Kunden geschickt durchklingen zu lassen. Und hatte verdammtes Glück: Es stellte sich heraus, dass ein Missverständnis vorlag und ich ohnehin für eine ganz andere Stelle eingeladen worden war – und DIE passte zufällig einigermaßen! :D.

    Es geht aber auch noch GANZ anders …

    Nach dieser Nummer wurde ich zu einer Firma geschickt mit den Worten „da herrscht wohl ein etwas rauher Umgangston. Schauen Sie es sich halt mal an, und wenn s garnicht geht, gucken wir mal“. Ja, Pustekuchen ……!
    Ich hatte noch gedacht „och, ich bin nicht so ’ne Empfindliche“. Anfangs machte mich aber schon stutzig, dass mir Grüße von meiner Vorgängerin ausgerichtet wurden, die ich, wie sich herausstellte, kannte: Sie war mal Chefsekretärin mit ziemlich cholerischem Chef, in einer Firma, in der ich mit 20 meinen 2. Job angetreten hatte – DIE war also einiges gewohnt.
    Und hatte den Leuten dort, wo ich nun anfangen sollte, im wahrsten Sinne des Wortes die Sachen vor die Füße geworfen, hat also sozusagen formlos gekündigt – und das Haus verlassen. Mir schwante nichts Gutes. Und das bestätigte sich vollends!

    Allein an der Front
    Nach einem Monat sagte ich meiner Leihfirma, dass ich es nicht mehr aushielte, dass sie mich da bitte rausholen sollen. Es passierte aber NICHTS – und da ich allerlei Unterlagen über meinen Schreibtisch bekam, konnte ich mir auch denken, warum: Man zahlte monatlich 6.500 € für mich! Das spornte die Leihfirma natürlich nicht an, für mich etwas anderes zu suchen…… Ein halbes Jahr hing ich dort fest – bat, bettelte und zeterte, man möge mich da rausholen! NICHTS.
    Nach drei Monaten wachte ich dann schon morgens um vier Uhr auf und war kampfbereit; ich knirschte tagsüber mit den Zähnen und konnte das nicht abstellen, obwohl ich es bemerkte; ich fing an, meine Freunde anzuschreien und war auch ansonsten  extrem leicht reizbar geworden. Es war ein Alptraum …

    Glück im Unglück auch hier:

    die Firma zog plötzlich ins Ausland. Ich war sie los. Nach wie vor kann ich nicht sagen, was man in so einem Fall am besten tut. Einen Betriebsrat gab es nicht. Und ich wette, (fast) kein Zeitarbeitsunternehmen hat einen. Warum auch? In früheren Jahren blieben Leiharbeiter selten lang, weil sie übernommen wurden. So, denke ich, hat sich diese Branche den schlechten Stil im Umgang mit ihren Mitarbeitern angewöhnt: Wenn die Zusammenarbeit nicht auf Nachhaltigkeit angelegt ist, kann man sich einiges erlauben. Das ist wie in den großen Touristen-Zentren :).

    Essen für den „Gast“
    Da sind Kleinigkeiten wie diese schon belanglos: Man ist „bis auf Weiteres“ im Marketing einer Bank beschäftigt. Die festangestellten Kollegen verdienen prima. UND haben eine Karte für die Kantine, was sie dahingehend begünstigt, nur rund 3 € für das Mittagsmahl zu bezahlen. Besucher wie ich kostet selbiges durchaus 7 € und mehr, eine Karte wird aber nicht an solche „Gastarbeiter“ ausgegeben. Das ist 1. unfair – und führt 2. dazu, dass man sozial auch etwas raus ist, weil man im Grunde nie mit den anderen essen gehen kann: stattdessen sucht man sich dann ein Eckchen, wo man allein an seiner mitgebrachten Stulle knabbert … und kommt sich ziemlich komisch vor.

    Mehr? Kommt:
    Hübsch ist nämlich auch, wenn man über mehrer Jahre bei einem Kunden ist, der seinen FESTANGESTELLTEN Mitarbeitern pro Quartal rund 300 € Bonus ausschüttet, weil es so gut gelaufen ist. Man selbst, der/die dieselbe Arbeitet leistet, geht allerdings leiiiiider leer aus: Man gehört ja nicht dazu. Super für die Motivation, übrigens …

    Was mich direkt auf den Aspekt der gleichen Bezahlung wie die Festangestellten bringt – aber das hebe ich mir für den nächsten Beitrag auf ;-). Last, not least – da wir ja heute bei den negativen Aspekten der Zeitarbeit sind – ein Artikel  zum Thema „Leiharbeit macht arm“ .

    (Autor: Annette von Spiegel | Fotos: Svea-Anais-Perrine | Quellen: www.photocase.de, www.fr-online.de)

  • Unsere Zeit und ihre Zeitarbeiter

    Screenshot kallejipp_workinghard, Artikel

    Zeitarbeit…in Deutschland haftet dieser Branche immer noch etwas Negatives an. Dabei boomt sie ohne Aussicht auf ein Wachstumsende. Doch woher kommt der zweifelhafte Ruf? Und warum wird hierzulande der „zweite Arbeitsmarkt“, so der Fachjargon, besonders kritisch beäugt?

    Andere Länder andere Ansichten
    Unsere Nachbarländer Belgien und Frankreich sehen die temporären Arbeitseinsätze als Chance um besonders Berufsanfängern und Branchenwechslern oder Pausierern den (Wieder)Eintritt in Unternehmen möglich zu machen. Zudem wird auch gleich gut bezahlt wie für vergleichbare, feste  Arbeitsplätze.  Herausragend ist, dass französische Zeitarbeitsunternehmen 2,15 % der Lohnsumme in einen Qualifizierungsfonds einzahlen, aus dem Qualifizierungsmaßnahmen für Zeitarbeitskräfte finanziert werden. Zeitarbeit in Deutschland hingegen ist immer noch ein Mittel der Wahl, um wieder eine Arbeit aufzunehmen, z.B. nach längerer Arbeitslosigkeit. Berufsanfänger machen hier mit nur 7% einen kleinen Teil aus. Und: Zeitarbeitern wird entgegen des „Equal Pay-Grundsatzes“ oft wesentlich weniger gezahlt als fest eingestellten Arbeitnehmer. Immerhin hat die Branche einen anerkannten Ausbildungsberuf kreiert: seit Mitte 2008 werden Personaldienstleistungskaufmänner bzw. -kauffrauen, kurz: PDK, ausgebildet. (Anmerkung der Redaktion)


    Aus der Welt der Zeitarbeit …
    eine Innenansicht der Branche von A. von Spiegel

    Vom Schnuppern und vom Spielen
    Nun, auch die Welt der Zeitarbeit hat ihre zwei Seiten der Medaille. Ich bin jetzt so lange dabei, dass ich davon Folgendes berichten kann: Wenn man von OFFICE-Jobs ausgeht (im Handwerk ist es nochmal anders), ist Zeitarbeit gerade für Leute, die eine kaufmännische Ausbildung oder Vergleichbares haben, eine flexible Option zum Einsteigen, Schnuppern oder Überbrücken. Bei jedem neuen Einsatz denke ich „neues Spiel, neues Glück“, denn man kann ja immer in einem Unternehmen landen, das einem gefällt und umgekehrt. Außerdem kommt man so auch mal in Firmen, Branchen oder Tätigkeiten, in die man von selbst womöglich nie die Nase gesteckt hätte – mit allen Vor- und Nachteilen ;-).

    Auch Bänker können nett sein
    Ich z. B. habe festgestellt: Viele Bänker sind tatsächlich so wie ihr schlechter Ruf – aber ich konnte eben auch entdecken, dass unter „den ganz Großen“ richtig tolle Leute sind – hätte ich denen gar nicht zugetraut :D. Noch ein Vorteil des Einsatzes über Zeitarbeit: Beide Seiten können sich unverfänglicher beschnuppern, als wenn man sich direkt auf eine Stelle bewirbt: es geht um weniger. Das nimmt Druck raus …

    Zeitarbeiter = Mensch zweiter Klasse?
    Ich möchte allerdings auch darauf hinweisen, dass die Zeitarbeiterei durchaus Nachteile haben kann: In einigen Firmen ist man nicht nur Mitarbeiter, sondern auch gleich MENSCH zweiter Klasse, weil man Zeitarbeiter ist. ‚Ne goldene Nase verdient man ohnehin nicht, auch wenn es sich z. T. um anspruchsvolle, stressige Jobs handelt.

    Die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen
    Manche Zeitarbeitsunternehmen sind so schlecht wie der Ruf der ganzen Branche (hier ist natürlich die Frage, wie man vorher herausfindet, welche NICHT die schwarzen Schafe sind …). Auch die Konditionen sind sehr unterschiedlich – ob z. B. ein Monatsticket bezahlt wird oder nicht, wie schnell man gekündigt wird bzw. was gezahlt wird, während es keinen Einsatz gibt etc. Da lohnt sich das Nachhaken und das Lesen des Kleingedruckten!

    Festeinstellung als Köder
    Last but not least ein Hinweis, den auch andere Leiharbeiter-KollegInnen bestätigen können: Lasst euch NICHT ködern mit der gern hingeworfenen „Option auf Festeinstellung“: Das wird gern gesagt, ohne dass es je dazu kommt! Mag nach Propaganda einer Desillusionierten klingen, kommt aber eben auffallend oft vor. Und nicht vergessen: Falls mal alle Stricke reißen … seid ihr ein oder zwei Wochen später schon wieder in einem anderen Unternehmen und guckt, ob es dort besser läuft! In diesem Sinne ….. versucht es ruhig mal, es ist wirklich eine Option von vielen, und so schlecht nicht :).

    (Autor: A. von Spiegel| Bilder: JoeEsco, kallejipp| Quelle: www.photocase, Archiv)

  • Super-Menti auf Zeitarbeit

    Menti Zeitarbeit

    Generation “Unsicher”: Seit der IG-Metall-Studie ist es offiziell. Gerade junge Menschen sind von Zeit- und Leiharbeit besonders betroffen. Perspektiven fehlen. Und die Deutschen werden nicht jünger.

    Schnell rein und schnell raus
    Größtmögliche Flexibilität erhalten Firmen, die neue Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen einstellen. Denn Personal ist schnell da. Und für den Fall einer weiteren Krise kann man Arbeitsplätze auch schnell wieder einstampfen. Derzeit planen zwar über 90% der Unternehmen wieder Neueinstellungen, aber unter dem Vorbehalt, Mitarbeiter über befristete Verträge oder gar Zeitarbeit einzustellen. Das Risiko für Arbeitnehmer geht nun über die reguläre Probezeit hinaus. Toll für die Statistik: Denn der Zeitarbeitsbranche geht es dadurch prächtig und außerdem könnte die Arbeitslosenquote dadurch enorm sinken.

    Aber zu welchem Preis?
    Bald könnte es legal werden auch Festangestellte zu feuern und über Zeitarbeitsfirmen billig wieder reinzuholen. Kein Wunder, dass da Proteste laut werden, die eine Entgeltgleichstellung fordern. Aber Diskriminierung innerhalb des Unternehmens kennt man ja bereits. Frauen verdienen im Schnitt für die gleiche Arbeit schließlich auch weniger als Männer. Heißt: Anti-Diskriminierung ja, aber, um bei dem Beispiel zu bleiben, wie erfolgreich waren Proteste für mehr Gleichstellung denn bisher?

    Die es besonders trifft
    Besonders leiden darunter die unter 35-Jährigen, wie eine Studie der IG-Metall Anfang dieser Woche verriet. Überdurchschnittlich viele unter ihnen sind in einem befristeten Arbeitsverhältnis oder sind als Zeitarbeiter eingestellt. Und je niedriger der Bildungsabschluss, desto schlechter schätzen Jugendliche ihre Zukunft ein. Dabei hätten eigentlich Akademiker derzeit den größten Grund zur Sorge: Die meisten befristeten Arbeitsverträge werden den Hochqualifizierten zugeschoben.

    Das größte Problem kommt erst noch bzw. gar nicht: der Nachwuchs
    Was sich die Gesellschaft damit antut, ist nicht nur im Handwerksbereich ein Problem, wie ein Beitrag der Tagesschau zeigt. Keine Planung für die nächsten drei oder sechs Monate möglich, keine Anschaffungen, denn wie soll man sie abbezahlen? Und: keine Familienplanung. Wie soll man sich um Nachwuchs kümmern, wenn man erst mit 35 Jahren einen sicheren Job hat? Es wird ohnehin oft genug bemängelt, dass gerade Akademiker zu wenig Kinder bekommen. Und das ist in dem Alter auch nicht mehr ganz risikofrei, ganz unabhängig von der Ausbildung. Wir wissen zwar alle aus Erfahrung, dass Superhelden selten Familie gründen. Wir wissen auch, das hochqualifizierte junge Menschen auf Niedriglohnbasis arbeiten, Stichwort “Ich mache alles”, nur um etwas Geld in der Tasche zu haben. Für eine befristete Zeit. Es wird sich rächen. Erst wenn eure Renten nicht gezahlt werden können, liebe Personalchefs, werdet ihr merken, dass man Flexibilität nicht essen kann.

    (Autor: A. Sokolowski | Cartoon: A. Korkis | Quelle: Archiv)