
So lauteten der Titel und der Leitfaden des 6. Kongresses zu weiblichen Karrieren in einer globalisierten Welt in der IHK Frankfurt. Mentoring4u war für Sie am vergangenen Freitag dabei.
Kein Kaffeeklatsch
Lauter erfolgreiche Frauen erwarteten die rund 200 Teilnehmerinnen zu zahlreichen Workshops und einer Podiumsdiskussion rund um die Themen Frauenquote, Aufstiegskompetenzen und internationale Managementqualitäten. Wir merkten sofort: hier wird Tacheles geredet. So auch Karen Hoyndorf, stv. Präsidentin der IHK Frankfurt am Main in ihrer Eröffnungsansprache: „Die globalisierte Welt stellt an die Führung neue Anforderungen. Diesen können Frauen gerecht werden, wenn sie über technische Affinitäten und adaptive Kapazitäten verfügen. Wer international arbeiten will, sollte etwa in der Lage sein, sich anzupassen und aus Missgeschicken zu lernen“. Eine erfolgreiche Managerin (und selbstverständlich auch Manager) sollte diese Fähigkeit ihren Mitarbeitern vermitteln können und sich gleichzeitig in den Werteschemata aller internationalen Mitarbeiter zurechtfinden können.
Frauenquote heiß diskutiert
Das Wort Frauenquote ist immer noch negativ besetzt und ebenso gibt es auch Frauen, die dagegen sind. Grundprinzip: Bei gleicher Qualifikation und Unterrepräsentation von Frauen soll eine Frau eingestellt werden. Trotzdem werden Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen immer noch benachteiligt, so Jutta Ebeling, Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main. Dabei hätten Studien gezeigt, dass Frauen einen hohen Einfluss auf die Profitabilität und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens haben. „Frauen sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“, schloss Ebeling in Ihrer Ansprache.
Netzwerken erlaubt
Trotz der Barrieren, denen Frauen in der Wirklichkeit oft begegnen, Stichwort Vetternwirtschaft, gehe es nicht darum, sich auf die Frauenquote zu verlassen, die Ebeling als hilfreiches Instrument betrachtet. Im Gegenteil, Netzwerke sind nach wie vor wichtig, auch wenn Vetternwirtschaft von der Bezeichnung her einen doch recht männlichen Einschlag hat. Ebeling dazu: „Frauen müssen lernen, dass sie ihre Interessen kurzzeitig nicht von persönlichen Abneigungen abhängig machen sondern von ihren beruflichen Möglichkeiten. Das heißt, Netzwerken ist für Frauen wichtig wie für Männer auch, und zwar auch kurzweiliges Netzwerken, um die Projekte, die man gerade erreichen will zu erreichen.“
Auf freiwilliger Basis gescheitert
Maßnahmen dieser Art sind in Unternehmen in Deutschland bislang ohne großen Erfolg geblieben, wie Mechthilde Maier, Leiterin Group Diversity Management der Deutschen Telekom, bestätigte. Seit neun Monaten gibt es bei der Telekom nun die Frauenquote, wodurch sich in Managementprogrammen ein deutlicher Anstieg von neun auf 32% Frauen verzeichnen ließ. Laut Maier liegt es nicht daran, dass Frauen sich nicht für Führungspositionen interessieren. „Was tun wir, dass wir die Frauen finden? Was tut ihr, damit die gerne zu euch kommen?“ ist Ihre Antwort auf Personalentwickler, die lieber darüber philosophieren, was Frauen fehlt statt sich neuen Talentpools und Kompetenzen von Frauen zu öffnen.
Eine Frau reicht nicht
Längst hat die Telekom erkannt, dass ein Minimum an Frauen Voraussetzung ist, um die weiblichen Kompetenzen richtig nutzen zu können: „Es ist wichtig, eine kritische Masse im Team zu haben, damit dann das, was Frau mitbringt, auch zur Geltung kommen kann“, so Maier weiter. „Und wir werden die Frauen auch wieder verlieren, wenn die nur einzeln da sind, denn man wird so müde, wenn man sich den Männern angleicht. Und irgendwann steht man vorm Spiegel und fragt sich echt, bin ich Mann, bin ich Frau?“
(Autor: A. Sokolowski | Foto: A. Sokolowski | Quelle: Archiv)