
Es ist nicht für alle selbstverständlich, seine Meinung offen kundtun zu dürfen und Chancen zu nutzen. Tunesische Studenten machen es deutlich: Bildung und Beteiligung gehören zusammen. Aber leicht ist es nicht.
Treibend Kraft
Nicht alle sind sich einig, dass die Revolution in Tunesien seinen Ursprung im universitären Umfeld seinen Ursprung hatte. Trotzdem wurden Universitäten und Schulen, also, wo gebildete Menschen sich zusammenrotten könnten erst mal geschlossen. Das geschieht nicht zum ersten Mal in der Geschichte. Menschen mit Macht hatten schon immer Angst vor Menschen mit Verstand und weniger Macht. Trotzdem kein Grund sich zu verstecken. Studenten wirken mit, denn gerade sie bekamen die ungleichen Bildungchancen am deutlichsten zu spüren.
Beteiligung 2.0
Im Vergleich zu Tunesien beschäftigt sich deutsche Politik mit Nuancen des Bildungssystems. Doch heißt das die Deutschen sind unpolitisch? Jüngste Beispiele zeigen das Gegenteil: Stuttgart21-Fronten bildeten sich im Internet , sowohl dafür als auch dagegen. Ein Medium, das auch in Tunesien genutzt wird. Seien es Tunileaks, Online-Umfragen oder wie viel Einfluss die Twitter-Revolution bisher hatte (alle drei Links auf französisch). Immer die Grundvoraussetzung: Wissen, wofür man kämpft. Ohne Wissen verbreitet man nur heiße Luft. Gescheite Bildung ist eben viel wert.
Wertschätzung
Man muss keine Autos anzünden, bloggen, twittern oder sein Leben aufs Spiel setzen, um sich politisch zu beteiligen. Aber man sollte wissen, was um einen herum passiert. Das basiert auf dem gleichen Prinzip, wie die Nachmittags-Talksendungen: Alles, was Sie brauchen, ist eine eigene Meinung. Wer noch keine hat, kann sich eine bilden. Die Bundeszentrale für politische Bildung oder das Informationsportal zur politischen Bildung sind da sicher ein guter Einstieg. Und nachdem sich unsere Politiker endlich einig geworden sind, dass wirtschaftlicher Wohlstand allein nicht ausreicht, um zufrieden zu sein, wird es in ein paar Jahren auch eine Kennzahl geben, in der sich politisches Engagement, Bildungschancen, Zufriedenheit und Glück einer Gesellschaft wiederfinden werden. Drücken wir Tunesien die Daumen, das auch sie sich darin wiederfinden.
(Autor: A. Sokolowski | Comic: A. Korkis | Quelle: Archiv)