Als Mutter eines fünfzehnjährigen Jungen muss ich mich zwangsläufig mit dem Thema Internetspiele beschäftigen. Im Rückblick fällt es mir jedoch schwer zu sagen, seit wann diese Art der Freizeitbeschäftigung einen relativ großen Raum in seinem Leben eingenommen hat. Anfangs wurden diese Aktivitäten auf eine Stunde pro Tag begrenzt. Da unser Sohn noch auf die Anweisungen seiner Eltern hört, hat er sich auch daran gehalten. Aber es wurde für uns von Zeit zu Zeit immer schwerer, uns an die von uns gemachten Vorgaben zu halten, weil man ja selbst mit allen möglichen Dingen beschäftigt ist. Das ist natürlich eine sehr schwache Entschuldigung, die aber zeigt, wo die Ursachen für unser Fehlverhalten liegen.
Unser Sohn hat einen ausgeglichenen Charakter, aber auch er spielt diese sogenannten Spiele, in denen man auf einen imaginären Feind schießen und sich knifflige Kampfstrategien ausdenken muss. Auf meine Frage, was er denn an solchen Spielen findet, die für mich als Außenstehenden schon recht einfach und stupide wirken, teilte er mir folgendes mit. Es sei ja nicht so, dass er nicht auch bereit wäre, sich mit anderen Spielen zu beschäftigen. Aber diese seien eben oft zu langweilig und nicht abwechslungsreich genug. Dazu kommt, dass es durch das Internet nun möglich wird, eine scheinbare Realität nachzugestalten. Da man mit echten Menschen zusammen- oder gegeneinander kämpft, bekommt man das Gefühl der Nähe. Die Spielentwickler haben solche Dinge natürlich bereits im Auge, weil der Mensch als Gesellschaftswesen sich ja nun eigentlich nach Gemeinschaft sehnt.
Bedenklich erscheint mir die Tatsache, dass man fast nur noch Kampfspiele kaufen kann, wenn man die Zielgruppe der Teenager erreichen will. Dieser Prozess verlief ganz schleichend, aber heute ist es für die jungen Menschen völlig normal, virtuell zu kämpfen. Bestimmte Spiele wurden sogar nur für den Zweck erfunden, vor allem junge Männer für den Kampf zu begeistern. Denn in einem bestimmten Alter könnten sie bereit sein, mit Begeisterung in die Armee einzutreten, um mit Enthusiasmus das Vaterland zu verteidigen. Die virtuelle Welt wird dann ganz schnell mit der Realität verwechselt.
Zum Glück konnten wir bei unserem Sohn feststellen, dass sich seine Kampfbereitschaft auf dem Feld der Internetspiele immer nur auf bestimmte Zeiträume begrenzt. Sein Interesse ließ meistens dann nach, wenn sich seine echten Freunde nicht mehr für die Spiele begeistern konnten. Er hatte dann niemanden, mit dem er sich austauschen konnte. Zurzeit spielen sie unter anderem „Minecraft“. Dieses Spiel ist nicht ganz so gewalttätig, und vor allem schießt man nicht auf Figuren, die wie echte Menschen aussehen.
Ich finde die Entwicklung zu mehr und mehr Gewalt sehr bedenklich. Es nützt aus meiner Sicht nichts, ausschließlich auf den gesunden Menschenverstand der Jugendlichen zu vertrauen. Wie schnell kann es zu einem Aussetzer kommen, wenn der junge Mensch sich durch übermäßigen Spielgebrauch von der Umwelt vollkommen abkapselt und dadurch den Kontakt zu realen Menschen total verliert? Es gibt heute schon süchtige Internetspieler, die gar nicht mehr in der Lage sind, reale Freundschaften zu pflegen.
Mein persönliches Fazit lautet
Verbieten können wir Eltern das Spielen im Internet sowieso nicht. Aber wir müssen darauf achten, dass die jungen Menschen den Bezug zur Realität nicht verlieren. Was unsere Familie betrifft, bei uns ist es normal, dass wir jeden Abend mindestens eine Stunde zusammen am Tisch sitzen und uns beim Essen über das unterhalten, was tagsüber passiert ist. Dadurch entsteht Vertrauen, weil die Kinder wissen, dass wir sie ernst nehmen und ihnen zuhören. Außerdem sind diese Stunden immer unheimlich bereichernd, weil die Begebenheiten des Tages oft sehr lustig sind. Und wir achten darauf, dass sie sich in ihrer Freizeit auch noch mit anderen Dingen beschäftigen als mit dem Internet. Unser Sohn spielt aktiv Fußball und die Tochter singt im Chor, spielt Gitarre und tanzt Hip Hop.
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(Gastautor: Gitta Tost / Bildbearbeitung: D. Balci )
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