Die Finanzkrise im Zeitraffer

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gepostet am : 25-01-2015 | von : m_weiss | Kategorie : Autor, Politik & Wirtschaft
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Die Finanzkrise im Zeitraffer:
Was war passiert? Banken, die sich auf die Finanzierung von Staatskrediten spezialisiert hatten, hielten sich nicht an die goldene Bankregel, die besagt, „dass die von einer Bank gewährten Kredite nach Umfang wie auch nach Fälligkeit den der Bank zur Verfügung gestellten Beträgen (Verbindlichkeiten) entsprechen müssen, d.h., kurzfristige Gelder dürfen nur kurzfristig ausgeliehen werden. Nach denLiquiditätsgrundsätzen dürfen die langfristigen Anlagen und Kredite abzüglich der Wertberechtigungen die Summe bestimmter langfristiger Finanzierungsmittel nicht übersteigen.“

(Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)
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Langfristige Kredite wurden mit den kurzfristigen, niedrigen Zinsen refinanziert. Quantität ging vor Qualität (EZB: PM 11.12.2006). Hervorgerufen durch Liquiditätsengpässe (EZB PM 9. August 2007) stiegen in der Folge die kurzfristigen Zinsen überproportional. Kaum eine Bank traute einer anderen, sie liehen sich auch untereinander kein Geld mehr. Ein Teufelskreis wie sich später herausstellte. Das überschüssige Geld der Banken floss an die sicheren Zentralbanken und nicht mehr in die Refinanzierung der Kredite, der Banken, die sich immer kurzfristig finanziert und mehr Wert auf Quantität gelegt hatten. Deren „Kartenhaus“ brach über Nacht zusammen.

11. Dezember 2006 Pressemitteilung der EZB  „Nach Auffassung der EZB sind die Langfristzinsen sowie die Risikoprämien an einigen Finanzmärkten zu niedrig, und ein intensiver Wettbewerb könnte die Banken zur Lockerung ihrer Kreditrichtlinien bewegt haben.*EZB Timeline

9. August 2007 PM entstanden weltweit Liquiditätsengpässe „Aufgrund der Spannungen im Zusammenhang mit den US-Subprime-Hypotheken zeichnen sich an den Geldmärkten rund um den Globus Liquiditätsengpässe ab

Aber nicht nur Banken sondern auch Versicherungen, Pensionsfonds und Investmentfonds hatten in Form von Schuldscheindarlehen, Pfandbriefen und vielfältigen Arten von Schuldverschreibungen in diese vermeintlich „sicheren“ Banken investiert. Diese Anleihen standen auf einmal im „Feuer“ und damit waren auch Pensionsverpflichtungen, Lebensversicherungen und Fonds die uns allen als langfristige Altersversorgung dienen sollten wertlos.

15. September 2008 meldet die Investmentbank Lehmann Brothers Insolvenz an. Danach beginnt eine beispielslose Rettung der Finanzmärkte.

Wertlos? Bringen Sie mal Ruhe in einen überhitzen Markt. Alle Teilnehmer hyperventilierten! Ein Krimi, den Sie, lieber Leser miterlebten. Viele Menschen hoben schon Bargeld bei den Banken ab, um für den Notfall gewappnet zu sein. Nicht wissend, was das Geld noch wert ist, vom Goldpreis ganz zu schweigen….. Die Notenbanken, die europäischen Kommissionen, G7, die Bundesregierung u.v.m. tagten ununterbrochen.

22. September 08 PM: „Die Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der G-7-Länder bekräftigen erneut ihre Entschlossenheit, die Integrität des internationalen Finanzsystems zu schützen.“*

15. Oktober 08 PM „Die Europäische Kommission bringt den Vorschlag vor, den Mindestschutz von Bankeinlagen auf 100 000 EUR aufzustocken, um das Vertrauen der Einleger in das finanzielle Sicherheitsnetz zu wahren.“ *

6. November 08 EZB senkt Leitzinsen PM

2. April 2009
„Bei einem Treffen in London, auf dessen Tagesordnung die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft stehen, einigen sich die Staats- und Regierungschefs der G 20 auf die Schaffung des Finanzstabilitätsrats (Financial Stability Board – FSB). Dieser wird mit dem IWF zusammenarbeiten, um frühzeitig vor makroökonomischen und finanziellen Risiken zu warnen und um Empfehlungen bezüglich zu ergreifender Maßnahmen auszusprechen.“ *

Am 4. Juni 2009 beginnt die EZB mit Ihrem ersten Rückkaufprogramm  „Der EZB-Rat beschließt, dass das Eurosystem auf Euro lautende und im Eurogebiet begebene gedeckte Schuldverschreibungen ankaufen wird. Dadurch sollen die Banken dazu bewegt werden, die Kreditvergabe an ihre Kunden aufrechtzuerhalten und auszuweiten. Weiterhin soll mit dem Programm eine Verbesserung der Marktliquidität in wichtigen Segmenten des Markts für private Schuldverschreibungen sowie eine Lockerung der Finanzierungsbedingungen für Banken und Unternehmen herbeigeführt werden.“ *

26. August 2010 Veröffentlichung überarbeiteter Leitlinien zu Bankenstresstests „Der Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden (Committee of European Bank Supervisors – CEBS) veröffentlicht die endgültige Fassung seiner überarbeiteten Leitlinien zu den Bankenstresstests. In diesem Dokument werden die Ergebnisse der öffentlichen Konsultation berücksichtigt, die im Zeitraum vom Dezember 2009 bis zum März 2010 lief.“ *

22. Januar 2015 Bekanntgabe des erweitertes Programms zum Ankauf von Vermögenswerten in der Höhe von 1,140 Billionen  PM Auszug:

„…Der heutige geldpolitische Beschluss zu zusätzlichen Ankäufen von Vermögenswerten wurde getroffen, um zwei ungünstigen Entwicklungen entgegenzuwirken. Erstens fiel die Inflationsdynamik nach wie vor schwächer aus als erwartet. Wenngleich die derzeitige Gesamtinflation weiterhin vor allem auf den starken Rückgang der Ölpreise in den letzten Monaten zurückzuführen ist, hat die Möglichkeit von Zweitrundeneffekten auf die Lohn- und Preissetzung zugenommen, was die mittelfristige Preisentwicklung negativ beeinflussen könnte. Untermauert wird diese Einschätzung durch eine weitere Abnahme marktbasierter Messgrößen der Inflationserwartungen über alle Zeithorizonte sowie die Tatsache, dass die meisten Indikatoren für die gegenwärtige und die erwartete Inflation historische Tiefstände erreicht haben oder sich diesen annähern. Zugleich besteht im Eurogebiet weiterhin eine beträchtliche Unterauslastung, und die Entwicklung der Geldmenge und der Kreditvergabe ist nach wie vor verhalten. Zweitens bewirkten die im Zeitraum Juni bis September 2014 verabschiedeten geldpolitischen Maßnahmen zwar eine deutliche Verbesserung im Hinblick auf die Preise an den Finanzmärkten, auf die quantitativen Ergebnisse traf dies aber nicht zu. Folglich reichte der vorherrschende Grad an geldpolitischer Akkommodierung nicht aus, um angemessen auf erhöhte Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation zu reagieren. Angesichts der Tatsache, dass die Leitzinsen der EZB ihre Untergrenze erreicht haben, war die heutige Verabschiedung weiterer die Bilanz betreffender Maßnahmen angebracht, um unser Ziel der Preisstabilität zu erreichen.

Mit Blick auf die Zukunft werden die heutigen Maßnahmen die feste Verankerung der mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen maßgeblich untermauern. Die deutliche Ausweitung unserer Bilanz wird den geldpolitischen Kurs weiter lockern. Insbesondere werden sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte im Euroraum weiter verbessern. Zudem werden die heutigen Beschlüsse unsere Forward Guidance im Hinblick auf die Leitzinsen der EZB bekräftigen und die Tatsache untermauern, dass zwischen wichtigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften beträchtliche und zunehmende Unterschiede in Bezug auf den geldpolitischen Zyklus bestehen. Zusammengenommen dürften diese Faktoren die Nachfrage stärken, die Kapazitätsauslastung erhöhen sowie das Geldmengen- und Kreditwachstum unterstützen und somit dazu beitragen, dass die Inflationsraten sich wieder einem Niveau von 2 % annähern….“

Wußten Sie eigentlich, dass die Zinsen der angekauften Anleihen weiterlaufen und der EZB bzw. den jeweils kaufenden Nationalbanken zukommen? Also ein interessanter Punkt, der wahrscheinlich zu einem hohen Gewinn bei der EZB, respektive der Bundesbank und den anderen beteiligten Nationalbanken führen wird!

Sie haben sich jetzt sicherlich in die Timeline der EZB selbst eingelesen, aus diesem Grund komme ich wieder auf den Schritt der EZB in der letzten Woche zurück. Ich glaube dass Sie nun mit diesem Wissen um die Historie der Krise auch das Wertpapier Kaufprogramm der EZB über 1,140 Billionen verstehen.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Es geht immer noch in erster Linie um die Sicherung unserer und ihrer Finanzen, langfristige Arbeitsplätze, der Sicherung der Altersvorsorge!

(Autor: Martin Weiss  /  Bildbearbeitung M. Weiss / Bild: Vitamin B oder Qualifikation „medienarbeiter“ Himmelstreppe   /  Quellen: * EZB Timeline, Bundeszentrale für politische Bildung )


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