
Ein Beitrag von Christine Lühn, Kinderbeauftragte im Stadtteil Nied
Sorgen der Eltern
In einer Grundschule, im Stadtteil Nied herrscht Sorge bei den Eltern, weil in einer Jahrgangsstufe die Klassen um eine auf zwei reduziert werden sollen. Durch das Zusammenlegen der Schüler/innen wird die vorgeschriebene Klassenkapazität ausgeschöpft. Die Sorge der Eltern ist auf die Lernfähigkeit ihres Kindes gerichtet, wenn sich das Lehrpersonal um größere Klassenstärken kümmern muss. Auf politischer Ebene wurde auf dieses Anliegen bereits reagiert und es bleibt zu hoffen, dass die Sparmaßnahme zurückgenommen wird.
Notwendigkeit der sprachlichen Förderung
An den drei Grundschulen im Stadtteil Nied ist der Anteil von Kindern mit einem Migrationshintergrund von 45 %, 55% und 75 % relativ hoch. Somit ist davon auszugehen, dass sprachliche Förderung ein wesentlicher Bestandteil der schulischen Förderung ist. Im nunmehr 2. Jahr reagiert die Stadt Frankfurt auf diese Problematik und bietet an den Grundschulen sogenannte “Vorlaufkurse” an. Die Vorstellungsgespräche der Kinder finden bereits vor dem Beginn des ersten Schuljahres in der entsprechenden Grundschule statt. Nach diesem Erstgespräch empfiehlt die Schulleitung die Teilnahme des Kindes an einem Vorlaufkurs, der an der Grundschule stattfindet. Es ist Ziel des Kurses, dass die einzuschulenden Kinder möglichst einen gemeinsamen Sprachlevel erreichen.
Enorme Leistungen von Kindern
Festzustellen ist, dass die Kinder mit einem Migrationshintergrund eine enorme Leistung vollbringen. Sie sind zum Schulbeginn in der Regel in der Lage in zwei Sprachen zu kommunizieren. Sie wachsen in unserer Kultur auf und ganz selbstverständlich erwarten wir von ihnen diesen Integrationsprozess.
Wie kann unser Beitrag zu diesem Integrationsprozess aussehen?
Forderung des Bürgerforums 2011
Als Teilnehmerin am Bürgerforum 2011 habe ich mich mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Wir haben, nach einer längeren Diskussionsphase, eine Forderung erarbeitet, die folgendermaßen lautet:
“Die Gestaltung der Integration hat in wechselseitigem Prozess zu erfolgen. Dieser basiert auf Respekt und Achtung der Kulturen. Sprachen sind identitätsstiftende kulturelle Grundlagen und wichtige Kommunikationsmittel, daher sind Sprachkenntnisse zu fördern und fordern. Um eine Kultur des gegenseitigen Respekts zu schaffen, ist die Einführung eines Patensystems zu diskutieren.“
Durch die Diskussion im Bürgerforum wurde ich angeregt über meinen Beitrag zu Integration und Sprachförderung nachzudenken. Im Ergebnis bin ich zur Feststellung gelangt, dass Sprache im Dialog lebendig wird. Dialog kann z.B. im nachbarschaftlichen Austausch stattfinden, mit Menschen aus den “fremden” Kulturen in meinem Stadtteil. Meine 6-jährige Tochter ist mir dabei ein Vorbild. Sie ist so wertfrei und vorbehaltlos im Umgang mit ihren Kindergartenkinder, die über eine reichhaltigen kulturellen Schatz verfügen. Durch den Dialog und Austausch im Elternkreis kann ich mein Interesse an dem Herkunftsland bekunden. Fremd muss mir dann mein Nachbar im Stadtteil nicht mehr sein und die Wechselseitigkeit in dem Prozess gewinnt dann an Bedeutung.
(Autor: C. Lühn | Foto: A. Korkis | Quelle: C. Lühn, A. Korkis)
2