Mit diesem Artikel beginnt unsere neue Reihe “(Aus)Bildung als Chance”. Junge Frauen und junge Männer im Einwanderungsland Deutschland und auch woanders stehen im Mittelpunkt der Berichte, die von Annette v. Spiegel zusammengetragen werden.
Bildung ist für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Jedes Kind hat ein Recht auf Schule und auf Förderung. Trotzdem gibt es viele junge Menschen, die nicht “im System” sind und damit riskieren nicht gefördert zu werden. Professionelle und ehrenamtliche Mentoren versuchen in Initiativen versäumtes nachzuholen und so einen erfolgreichen Berufseinstieg zu ermöglichen. [Redaktion Mentoring4u.de]
Ohne Hauptschulabschluss? Muss nicht sein…(Teil 1)
Heute möchte ich von Mädchen erzählen, die ich unterrichtet habe: Allen gemein war, dass sie aus verschiedenen Gründen keinen Hauptschulabschluss haben und damit – zumindest hier in Deutschland – schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz oder eine qualifizierte berufliche Tätigkeit. In dem Alter waren sie nämlich, wo es um genau diese Fragen geht – und obendrein waren sie nicht mal freiwillig da: Jugend-, Sozial- oder Arbeitsamt hatten sie geschickt.
Schlüssel zum Erfolg
Es hieß, ihnen fehlten so genannte „Schlüsselkompetenzen“. Das sind nach der offiziellen Definition „überfachliche Qualifikationen, die zum Handeln befähigen sollen“. Und zwar in folgenden Bereichen:
a) Interaktive Anwendung von Medien und Mitteln (z. B. Sprache, Technologie)
b) Interagieren in heterogenen Gruppen
c) Autonome Handlungsfähigkeit.
Was heißt das?
Nun …Bei der einen oder anderen waren das schlichtweg mangelnde Deutschkenntnisse. Und Sprache ist nun mal ein ziemlich grundlegender Schlüssel, um klarzukommen, egal wo. Das kennt jeder aus Urlauben in Ländern, wo nicht jeder Deutsch oder Englisch spricht, zumindest abseits der Hotel-Rezeption
. Andere mussten zu meinem Erstaunen erst einmal üben, täglich – auch noch pünktlich – zu erscheinen und obendrein Bescheid zu sagen, wenn sie nicht kommen. Dann gab es noch die Teilnehmerinnen, die aussahen wie Prinzessinnen – aber Konflikte, auch kleine, mit körperlicher Gewalt regeln wollten. Und das ging zum Teil recht schnell. Last, not least, staunte ich auch über ein Mädchen, das im Unterricht ihre Jeans heruntergezogen hatte, weil sich ihre Radler-Unterhose aufgerollt hatte: Ich musste sie darauf hinweisen, so etwas z. B. auf der Toilette zu machen – jedenfalls nicht im Unterricht (!) MEIN Job war jedoch im Grunde nur, ihnen „Medienkompetenz“ und „Grundlagen im Umgang mit PC und Internet“ nahe zu bringen …
Medienkompetenz zuerst…
und da galt es erst einmal, Angst vor diesen Geräten zu überwinden:
Wie auch bei Erwachsenen, hatte die eine oder andere Teilnehmerin bereits verinnerlicht, dass sie mit Rechnern einfach nicht klar kommt: Zu abstrakt, Technik und so. Was sich in sehr klaren Äußerungen wie „Halt’s Maul, Fotze – interessiert misch ned, Computer!“ zeigte.
Und sie hatten Glück, denn ich erinnere mich noch ganz gut an meine eigene Schulzeit und daran, dass jeder Lehrer sein eigenes Fach für das Zentrum des Universums hält. Ich ließ sie wissen, dass ich nicht erwarte, dass sie sich rasend für PCs interessieren. Aber warum es ihnen Vorteile bringen wird, und sei es auch nur im Chat im Internet. Und, naja, dass sie sowieso ihre Zeit mit mir verbringen müssen – warum also nicht was für sich mitnehmen?
Hier geht es zur Fortsetzung: Teil 2 wird am Sonntag, 10.07.2011 und Teil 3 am Samstag, 16.07.2011.
(Autor: Annette v. Spiegel | Thumb: Mentine, www.mentoring4u.de | Bild Artikel: dergestalter, www.photocase.de )
Die mentoring4u Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails – mit vollständigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse – auch gekürzt zu veröffentlichen. Gastbeiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.




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