
Auf der anderen Seite des Bewerbungstisches: Ratschläge zum Thema Bewerbung und Anschreiben von Alfred J. Stein, Personalberater, ConActivity KG
Erwartungen
„Wir möchten Sie kennenlernen, wenn Sie maximal 25 Jahre alt sind, über ein abgeschlossenes Hochschulstudium wenn möglich mit Promotion verfügen, mindestens zwei Jahre Auslandserfahrung und Erfahrung mit Führungsverantwortung haben“.
Das schaffe ich nie!
Wer heute auf die Suche geht nach Jobs mit guter Bezahlung und interessanten Inhalten, wird häufig konfrontiert mit einer langen Liste an Erwartungen an den Bewerber. Gewollt oder nicht, mit solchen Anforderungsprofilen wird der Kreis der möglichen Kandidaten auf „nahe Null“ eingedampft. Diese Mentalität seitens der Unternehmen ist häufiger auch schon bei der Suche nach Auszubildenden anzutreffen. Viele junge Menschen fühlen sich abgeschreckt und demotiviert von solchen Wünschen.
Was nun?
Was kann man solchen jungen Menschen mit auf dem Weg geben, die vielleicht nicht ihr Abi mit der Traumnote 1,0 abschließen, oder vielleicht „nur“ einen Real- oder Hauptschulabschluss erreichen? Gibt es denn nicht Fähigkeiten und Potenziale neben den rein formalistischen Kriterien? Was überhaupt ist denn wichtig, um letztlich im Berufsleben Erfolg zu haben? Und gibt es dabei Punkte, an denen jeder, etwas tun kann und sich gegenüber anderen profilieren kann?
„Yes, you can“!
Wir sagen, solche Kriterien gibt es wirklich! Jeder kann, wenn er nur will und weiß, an welchen Rädchen er bei sich selbst schrauben muss, etwas tun, um solche Erfolgsfaktoren zu entwickeln. Hier kommen die sogenannte „Soft Skills“ – die weichen Faktoren - ins Spiel, oder auch als soziale Kompetenz bezeichnet. Fähigkeiten und Charaktermerkmale allgemeiner Art, die einen Menschen kennzeichnen.
Was heisst überhaupt Erfolg?
Was macht Menschen erfolgreich? Wann gilt eine Aufgabe als erfolgreich ausgeführt? Gut und erfolgreich ausführen heisst, eine Aufgabe muss:
- fachlich sowie inhaltlich genau und gut,
- termingerecht,
- mit dem vorgegebenen Aufwand und
- auf die geforderte Art und Weise
erledigt werden (um hierzu mal ein paar Beispiele zu nennen). Natürlich fängt alles mit der fachlich korrekten Ausführung an, das sind „hard skills“. Das lernt man im Rahmen seiner Berufsausbildung.
Erfolg heißt „just in time“!
Der Auftraggeber erwartet zudem eine termingerechte Erledigung. Ist das ein Punkt, an dem man sich profilieren kann. Oh ja! Was nützt das tollste Frühstücksbrötchen, wenn es leider erst um 12:00 Uhr fertig ist?! Gut gemacht, aber zu spät! Die Lehre für uns: auf Pünktlichkeit achten und lernen, eine Aufgabe zügig und termingerecht abzuschließen. Sind dazu besondere Fähigkeiten und Talente nötig? Nein, aber ein Stück Selbstdisziplin und die richtige innere Einstellung sind die Grundlagen dazu.
Erfolg heisst sorgfältig!
Dem Kunden ist es vielleicht egal, mit welchem Aufwand man eine Aufgabe erledigt, aber bestimmt nicht dem Chef. Auch das hat natürlich mit den fachlichen Fähigkeiten zu tun. Aber eben auch mit anderen Erfolgsfaktoren. Sorgfältigkeit, überlegtes und geplantes Handeln, Improvisationsfähigkeit – das alles sind Merkmale, die man sich aneignen kann und die enorm wichtig sind.
Erfolg heisst unter Anleitung arbeiten!
Im Mathematikunterricht gibt’s manchmal Punkte auf den richtigen Rechenweg. Warum? Nun weil der Schüler damit zeigt, dass er grundlegend verstanden hat, wie eine Aufgabe gelöst werden kann. Wenn man trotz falschem Rechenweg zum richtigen Ergebnis kommt, hat man nicht unbedingt eine neue Entdeckung gemacht. In aller Regel hat man einfach Glück gehabt. Und so ist es im Berufsleben auch. Es gibt gute Gründe, warum man eine Aufgabe nach bestimmten Vorgehensweisen abarbeitet, häufig haben sich dabei ganz viele Leute etwas dabei gedacht. Wenn man lernt, auf Anleitung einzugehen und wenn man realisiert hat, dass es neben einem selbst natürlich auch noch andere schlaue Leute gibt, ist das sehr hilfreich. Auch darauf kann wirklich jeder achten!
Von Anfang an
Woran merkt ein Unternehmen, dass der Bewerber solche Soft Skills wie eben beschrieben besitzt? Natürlich schon an seinem Anschreiben. Anschreiben formulieren lernen Schüler bereits in der Schule. Wie gut also wurde formuliert? Ist es gelungen, das Gelernte auf die eigene Bewerbung anzuwenden – was ja ein Hinweis darauf sein könnte, inwieweit es dem Bewerber künftig gelingen wird, fachliche Inhalte, die er gelernt hat, in der Praxis anzuwenden. Oder hat er seine Bewerbung in der Art ausgeführt, wie man es empfiehlt? Wann hat der Bewerber seine Bewerbung geschrieben, wie lange nach der Information über die offene Stelle? Dazu sind eigentlich keine besonderen Fähigkeiten nötig, aber wohl der Wille, es richtig zu machen und die Offenheit, auf Vorschläge einzugehen sowie gute Disziplin für zeitnahes Handeln.
… das heisst also …
Nicht abschrecken lassen von irgendwelchen überzogenen Anforderungen und Erwartungen. Sondern statt dessen alle Erfolgsfaktoren entwickeln, die man zur Verfügung hat. Dann kann man sich sicher sein, sich zu profilieren. Denn auch wenn jeder solche „soft skills“ entwickeln könnte, tut es beileibe nicht jeder. Fortsetzung folgt….
(Autor: Alfred J. Stein | Foto Thumb: Svea-Anais-Perrine | Foto Artikel: cydonna| Quellen: www.photocase.de)
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