Was passiert, wenn es keine Wehrpflicht mehr gibt? Und was passiert, wenn dann auch kein Zivildienst mehr verpflichtend ist? Dann strömen sie alle auf den Arbeitsmarkt und an die Unis. Der Fachkräftemangel im Pflegebereich ist damit perfekt. Oder?
Wehrpflicht ade?
Dass die Wehrpflicht mit der Alternative Zivildienst verknüpft ist, wissen alle. Nun soll die Wehrpflicht ausgesetzt werden. Was passiert dann mit dem Zivildienst? Angst haben jedenfalls vor allem die vielen Sozialdienstleister und Pflegeeinrichtungen, die auf die Arbeitskraft der Zivis stark angewiesen sind. Sie fürchten einen Zusammenbruch, sollte es keinen Zivildienst mehr geben. Vor allem, weil ohnehin Fachkräfte rar sind.
Hilfe, ich sehe doppelt!
Daher fordern auch bereits zahlreiche Verbände einen freiwilligen Zivildienst, zum Beispiel in Bayern wurde diese Forderung laut. Die Politik reagierte umgehend: Tatsächlich setzt sich Familienministerin Dr. Kristina Schröder für einen solchen freiwilligen Zivildienst ein, aber das Problem ist, dass es solche schon gibt, siehe Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr, Europäischer Freiwilligendienst, weltwärts und Geimennütziges Bildungsjahr. Da soll mal jemand den Überblick behalten. Der freiwillige Zivildienst ist dann ein zusätzliches Glied in dieser Auflistung. Zwar soll er sich prinzipiell auf neue soziale Bereiche erstrecken, aber irgendwie wird er ja dann doch parallel zu all diesen anderen Diensten laufen. Denn das Grundgesetz möchte man nicht ändern und den Zivildienst bei Bedarf schnell wieder einführen können.
Was man mit der freien Zeit so anstellen kann
Man geht studieren, zum Beispiel. Dumm nur, dass auf einmal nicht nur die doppelten Jahrgänge aus der G8-Reform an die Uni strömen, sondern dann zusätzlich all diejenigen, die jetzt keine Zivis oder Wehrdienstleistenden mehr sein werden. Heißt: Lange Wartesemester, überfüllte Hörsäle, mehr Studenten und mehr Konkurrenz um die begehrten Studienplätze. Dann kann man sich den Studienplatz eigentlich nur noch einklagen. Damit ist das Problem aber immer noch nicht ausgestanden: Irgendwann drängt die gleiche Menge Absolventen gleichzeitg auf den Arbeitsmarkt.
Wieviel Samariter steckt in uns?
Angeblich ein Szenario, das so nicht eintreffen wird. Familienministerin Schröder glaubt fest daran, dass sich genug Menschen im freiwilligen Zivildienst in ausreichender Zahl engagieren werden, vor allem weil der freiwillige Zivildienst sich auch an ältere Menschen richtet. Das könnte natürlich eine Chance sein, sich im Sozialbereich weiterzubilden und vielleicht seinen Traumberuf zu entdecken. Jetzt muss man nur noch die Menschen dazu bewegen, ihre Vorurteile gegenüber sozialen Berufen abzubauen, damit sie auch freiwillig eine wichtige Erfahrung in ihrem Leben machen.
(Autor: A. Sokolowski | Cartoon: A. Korkis | Quelle: Archiv)

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