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Ohne Hauptschulabschluss…muss nicht sein! (Teil 3)

Dies ist die letzte Fortsetzung des Artikels von Annette v. Spiegel in der Reihe „(Aus)Bildung als Chance“. Junge Frauen und junge Männer im Einwanderungsland Deutschland und auch woanders stehen im Mittelpunkt der Berichte. Bildung ist für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Jedes Kind hat ein Recht auf Schule und auf Förderung. Trotzdem gibt es viele junge Menschen, die nicht „im System“ sind und damit riskieren nicht gefördert zu werden. Professionelle und ehrenamtliche Mentoren versuchen in Initiativen versäumtes nachzuholen und so einen erfolgreichen Berufseinstieg zu ermöglichen.

Zum Lesen der ganzen Geschichte geht´s hier zum Teil 1 und zum Teil 2.

– Fortsetzung Teil 3 –

Menschen sind Menschen, Schule ist was anderes
Nun fragt man sich vielleicht „Wie kann man nur so unterbelichtet sein wie diese Schülerinnen?!“ Das sollte man aber nicht. Oder warst DU in jedem Schulfach gut? Man sollte eher fragen „Warum haben sie diese Schwierigkeiten?“ oder „Was kann ich tun, um es ihnen doch noch schmackhaft oder verständlich zu machen?“ Enja Riegel, die Gründerin der herausragend erfolgreichen Helene-Lange-Schule in Wiesbaden sprach immer so zutreffend von „Wir unterrichten Menschen, nicht Fächer“. Genau das ist der Punkt! Wenn man sich also fragt, woher die Schwierigkeiten kommen, mit denen meine Mädchen zu tun hatten und vermutlich auch immer noch haben –  wenn man sich also wirklich dafür interessiert – so findet man zum Beispiel solche Aspekte:

Abhängigkeit
Die Eltern beschließen, nach Deutschland zu gehen. Und man muss schlichtweg mit. Kommt also in eine fremde Umgebung, in eine fremde Kultur, die zum Teil erschreckend daherkommt. Man muss die Freundinnen, die geliebte Heimat verlassen und den Rahmen, in dem man weiß, was man machen darf und was nicht. Gerade als Mädchen.

Sprache & Inhalt verstanden?
Nachvollziehbar, dass man da nicht immer motiviert ist, all das, was nun auf einen einstürmt, anzunehmen. Und die Zeit des inne liegenden Umbruchs, nämlich die Pubertät, macht das Ganze nicht einfacher. Da wird dann unter Umständen ängstlich gelächelt in der Hoffnung, damit durchzukommen. Auch über Monate. In einem Fall fand ich einfach nicht raus, ob das Mädchen mich überhaupt verstand. Die Aufgaben im Unterricht schaffte sie aber  immer: Sie holte sich die Infos heimlich und leise von anderen Teilnehmerinnen und machte die Übungen dann. Respekt.

Erst die Arbeit und dann…
Ein anderes Mädchen kam meist zu spät fast immer erschöpft. Aber sie war immer da. Wie ich von den Sozialpädagogen der Einrichtung erfuhr, musste sie morgens erst einmal für die ganze Familie das Frühstück bereiten, dann alle kleineren Geschwister in Kindergärten und Schulen bringen – und ging dann selbst zu ihrem Unterricht. Bis dahin war sie schon so kraftlos, dass ich sie weitgehend in Ruhe ließ … was soll ich das Mädchen noch mit Absatz-Formatierungen in Word behelligen, wenn es die Augen kaum offen halten kann, weil es zu Hause so viel zu arbeiten hat?! Was sie leisten konnte, machte sie, obendrein gewissenhaft. Wenn sie nicht vor Erschöpfung einschlief.

Bildung für Bräute
Anders sehe ich allerdings Äußerungen wie „Was soll ich hier Computer lernen? Ich heirate eh nächstes Jahr.“ Achselzuckend kam so etwas. Aber ich finde: Heiraten muss nicht vor Kenntnissen schützen :).

(Autor: Annette v. Spiegel | Thumb: Mentine, www.mentoring4u.de | Bild Artikel: dergestalter, www.photocase.de )

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