
Dies ist die zweite Fortsetzung des Artikels von Annette v. Spiegel in der Reihe „(Aus)Bildung als Chance“. Junge Frauen und junge Männer im Einwanderungsland Deutschland und auch woanders stehen im Mittelpunkt der Berichte.
Bildung ist für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Jedes Kind hat ein Recht auf Schule und auf Förderung. Trotzdem gibt es viele junge Menschen, die nicht „im System“ sind und damit riskieren nicht gefördert zu werden. Professionelle und ehrenamtliche Mentoren versuchen in Initiativen versäumtes nachzuholen und so einen erfolgreichen Berufseinstieg zu ermöglichen. [Redaktion Mentoring4u.de]
Ohne Hauptschulabschluss…muss nicht sein!
Hier geht´s zum Teil 1 und zum Teil 3.
– Fortsetzung Teil 2 –
Verkabeln und reinschauen
Ich brachte ihnen also zunächst einen Computer mit nebst Peripheriegeräten, die anzuschließen waren: Jede sollte sich ein Teil aussuchen, das an den Rechner anzustöpseln war. Und siehe da ….. DAS war zu schaffen :D. Danach haben wir die Kiste mal aufgeschraubt und geschaut, was eigentlich drin ist in so einem Rechner: erstaunlicherweise gähnende Leere – bis auf die paar Kleinigkeiten wie Motherboard, Festplatte und, klar, jede Menge Kabelchen. Beim Blick in eine Festplatte hinein interessierte die Mädels allerdings mehr, wie sie in der spiegelnden Fläche der Platte aussahen als die Platte selbst! Das wären köstliche Fotos geworden! Jedenfalls konnten wir festhalten: Solltet ihr mal eines Tages ein „Gesamtpaket Computer und Zubehör“ kaufen, braucht ihr gar keinen Bruder oder Onkel, der das für euch zusammensteckt! Guckt euch das erst mal in Ruhe an, dann könnt ihr das auch selbst. Wenn dann noch Fragen sind, könnte ihr immer noch jemanden fragen.
Was ist ein Computer?
Nun war also geklärt, womit wir es zu tun hatten, dass der Bildschirm nicht der Computer ist, und konnten entspannt loslegen. Das bedeutete für einige zunächst einmal Doppelklicken üben, denn sie hatten noch nie einen Rechner benutzt. Zum Thema Bildschirm ≠ Computer sei noch gesagt: Großzügig und umsichtig, wie ich bin, hatte ich sie wissen lassen: „Dies wird eine der Fragen im Test sein. Ich möchte NICHT lesen, dass jemand schreibt, es ist ein Computer!“ Wer mag’s glauben? Rund 50% der Mädels kreuzte im Test bei der Abbildung eines Bildschirms und der Frage, was das ist, „Computer“ an.

Mädel und ihre Ordnung
Übrigens spielten gerade die Ladys, die meinten, sie seien völlig ungeeignet für den Umgang mit Computern, nach wenigen Wochen ganz vorn in der Liga: In Schulnoten gesprochen fanden wir sie bei ungefähr 2+ wieder! Mit dem bedauerlichen Effekt, dass sie sich daraufhin für so toll hielten, dass sie meinten, nun gar nichts mehr machen zu müssen. Seufz …. :). Spannend wurde es, als es um das Speichern und Kopieren von Dateien ging. Drei Wochen lang versuchte ich mit Erklärungen, Systematiken und Bildern – auch Bildern im übertragenen Sinne („im Kleiderschrank sortiert ihr doch auch Socken in ein Fach, T-Shirts in ein anderes und Kleider in ein drittes“) – sowie jeder Menge Übungen klar zu machen, warum sie etwas wohin speichern bzw. wie sie es wiederfinden können. Aber es war nicht zu schaffen.
Dateien-Suchspiel
Erst als ich mit ihnen und einer Digitalkamera loszog und sie Fotos machen konnten, wurde es etwas besser: Fies, wie ich bin, legte ich die Bilder nämlich auf einem Netzlaufwerk ab mit der Ansage: „Die Bilder werde ich eine Woche dort lassen. So lange habt ihr Zeit, sie irgendwohin zu kopieren, wo ihr sie auch wiederfindet. Danach sind sie ein- für allemal weg.“ Oh oh …….. :)) Natürlich waren die Mädels ganz heiß darauf, die Bilder überhaupt mal zu sehen und sie ggf. auch mal zu Hause zu zeigen, auszudrucken etc. Mist, wenn man dann nicht weiß, wo und wie! … Das Geheule und Gezeter war groß, als die Bilder dann wirklich vom Laufwerk entfernt waren. Aber ich bin ja nicht GANZ Unmensch und gab noch einen Tipp ab: „Tja… Ihr könntet ja mal die Funda fragen. DIE hat die Fotos nämlich, weil sie weiß, wie das mit dem Kopieren geht.“ Den Rest mussten sie selbst hinkriegen. Sie haben mich gehasst.
Hier geht´s zum Teil 1 und zum Teil 3.
(Autor: Annette v. Spiegel | Thumb: Mentine, www.mentoring4u.de | Bild Artikel: dergestalter, www.photocase.de , www.imageafter.com)
Die mentoring4u Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails – mit vollständigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse – auch gekürzt zu veröffentlichen. Gastbeiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.