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Kategorie: Gastautor

  • Teil 2: Viele Wege führen nach Rom. Es lohnt sich für Träume zu kämpfen!


    Als mein Antrag für die Gymnasiale Oberstufe angenommen wurde, war mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen. Doch leider kam alles anders als geplant: Ich wurde durch zum Teil rassistische Gründe nicht versetzt und musste meine Schule abbrechen (im Unterricht wurde gern „geschwätzt“, wobei hauptsächlich unser Lehrer sprach. Und fast immer ging es um Ausländer, die sich in Deutschland nicht angepasst haben, die kriminell waren oder ähnlich, und dabei war ich natürlich immer im Blickfeld).

    Für mich glich es einem Weltuntergang, ich wusste nichts mehr mit mir anzufangen und konnte keine weiteren Ziele ins Auge fassen. Nachdem ich hatte abbrechen müssen, habe ich versucht, mich damit abzufinden. Zwei, drei Monate lang hatte ich keine Idee, was ich machen könnte. Danach habe ich vier Wochen lang ein freiwilliges Praktikum im Krankenhaus gemacht. Und da mir dieses Praktikum gut gefallen hat, habe ich gleich darauf Bewerbungen für eine Krankenschwester-Ausbildung an fast alle Krankenhäuser in der Umgebung geschickt. Nach einem Vorstellungsgespräch habe ich erst gemerkt, dass dies nicht der richtige Beruf für mich ist. Und wieder stand ich vor der Frage „Was kann ich für meine weitere Zukunft machen?“

    Nach einem Gespräch bei der Arbeitsagentur und mit einer Jugendberaterin bekam ich wieder neue Hoffnung. Ich machte eine schulische Ausbildung im Fachbereich Fremdsprachensekretariat mit Schwerpunkt Wirtschaft und gleich darauf mein Fachabitur mit Schwerpunkt Wirtschaft. Endlich war ich am ersehnten Ziel angekommen. Jetzt stand ich vor der Frage, in welchem Fachbereich ich studieren könnte. Es fiel mir nicht schwer, eine Entscheidung zu treffen, da ich eine wirtschaftsbezogene Schule besucht hatte: Während ich mein Fachabitur gemacht habe, dachte ich immer, dass ich danach BWL studieren würde.

    Doch nach einem Besuch auf der Hobit bekam ich Interesse für Architektur (die Hobit ist die Anlaufstelle Nr. 1 für Schüler und Schulabsolventen in Darmstadt und der Region, hier geht es um die Ausbildungs- oder Studienplatz-Orientierung). Also beschloss ich, mich gleichzeitig auch für Architektur zu bewerben. Nach einigen Wochen bekam ich eine Zusage der Hochschule Darmstadt; auch für BWL bekam ich eine Zusage, doch mein Herz schlug mehr für Architektur.

    Während meines Architekturstudiums arbeitete ich – und arbeite noch immer – in einem großen Bauprojekt am Frankfurter Flughafen. Vor einigen Wochen machte ich meinen Bachelorabschluss als „Bachelor of Arts“. Für mich ist mein Traum in Erfüllung gegangen. Es war nicht einfach. Oft kam ich an den Punkt, alles hinzuwerfen, doch ich habe hart dafür gekämpft und ICH HABE ES GESCHAFFT!!

    Nun habe ich mir wieder ein Ziel gesetzt: Ich möchte innerhalb der nächsten zwei Jahre meinen Masterabschluss machen, weil ich mir sehr gut vorstellen kann, international – eigentlich sogar mehr in meiner Heimat – zu arbeiten. Dort herrscht seit Jahrzehnten immer noch Krieg, und dadurch wird vieles vernachlässigt, beschädigt oder es fehlt einfach an Mitteln, um etwas Neues aufzubauen. Ich wollte immer etwas in der Hand haben, womit ich anderen helfen kann. Und ich denke, dass ich das mit diesem Vorhaben kann. Außerdem kann ich mich nach dem Masterstudium selbständig machen. Auch dies ist ein wichtiger Grund. Es klingt vielleicht etwas seltsam, doch ich möchte eine gewisse Unabhängigkeit haben. Mit meiner Selbstständigkeit wäre dies für mich erreicht.

    Mit meinem Bericht möchte ich nicht hervorheben, welche Schwierigkeiten ich während meiner Schullaufbahn hatte. Sondern ich möchte andere Menschen darin ermutigen, immer für ihre Träume zu kämpfen und sich immer wieder neue Ziele zu setzen. Man sollte nicht schon bei der ersten Hürde aufgeben. Selbst bei einer Niederlage sollte man nicht mit allem abschließen und auf Gedanken kommen wie „Ich kann es doch eh nicht schaffen“ oder „Es ist unmöglich!“.

    Vielleicht durch meine Erfahrungen habe ich mir das Motto „Viele Wege führen nach Rom“ angeeignet.

    Sie haben den ersten Teil verpasst. Hier geht’s weiter.

    (Gastautoren: Meryem Bavli & Annette v. Spiegel  |  Bild: Meryem Bavli  |  Bildbearbeitung: A. Korkis)

  • „Hier bin ich Mensch, hier darf ich (’s) sein“ (?) Teil 4


    (ein typischer Flüchtlings-Weg von Afghanistan nach Deutschland)

    Siehe hierzu auch:

    www.ardmediathek.de, www.tagesschau.de ,     http://www.wdr.de/tv/weltweit/sendungsbeitraege/2010/0914/index.jsp ,

    http://www.neon.de/kat/sehen/politik/236524.html

    Über ein Jahr ist mittlerweile vergangen, und sie leben noch immer in Heimen, auf die sie ohne Rücksicht auf Freundschaften verteilt worden sind. Zum Teil ringen sie mit Depression, Aggression, Schlaflosigkeit, Alkoholkonsum, der Idee aufzugeben und zurückzukehren – und ab und zu auch mit der Idee und der Hoffnung, hier vielleicht doch eine Zukunft zu haben. Vielleicht.

    Ich beschreibe es bewusst so.

    Ein Arzt, mit dem ich über diese Dinge sprach, sagte, das sei normal. Und dass es manchmal gut sei, einfach ab und zu mit ihnen zu tanzen, weil schon das etwas Lebenskraft zurück bringen kann. Manchmal. Er muss es wissen: Er ist selbst Iraner im Exil, hat aber das Glück, seinen Beruf hier ausüben zu dürfen. Er ist sogar Lehrarzt.

    Für mich war sehr schmerzhaft mitzuerleben, wie diese pfiffigen, glücklichen  jungen Leute angesichts der sich über so viele Monate dahinschleppenden Entscheidungswege der Behörden ihren Schwung verloren. Sie haben viel ausgehalten und verharren nun in dieser offenbar nicht enden wollenden Slow-Motion-Situation. Irgendwann ist die Kraft einfach weg …

    Weil sie nicht wissen, ob sie bleiben können. Weil sie keine Arbeit annehmen dürfen. Weil sie aufs Neue Freundschaften aufgeben mussten, wenn sie in ein anderes Heim verlegt wurden. Manchmal sogar von heute auf morgen. Manchmal, während der Freund auf einem Ausflug war, und man konnte nicht mehr tschüss sagen.
    Es wundert mich nicht, wenn sie irgendwann abschalten und nach dem Sprachkurs nur noch im Bett liegen und schlafen. Und abends trinken. Und die Familie vermissen oder die Freundin, mit der man im Iran schon 3 Jahre zusammen war, die man heiraten möchte. Der man immer noch nichts sagen kann. Die droht, sich umzubringen, wenn es nicht bald eine Entscheidung gibt über ihr Leben und seines. Die Familie, die Druck macht, dass man endlich was zustande bringt.

    Es sind junge Männer, die zuvor schon jahrelang berufstätig gewesen waren und –  sofern sie denn noch irgendwo Familie haben – etwas zu deren Unterhalt beitragen konnten. Ein sehr wichtiger Status gerade in ihrem Kulturkreis.

    Ich war sehr überrascht, dass Hamid schon in seiner 5. Woche hier in Deutschland die Begriffe „Penner“ und „asozial“ kannte und mir erläuterte, dass er sich genau so fühlt, weil ihm der Staat alles bezahlt und er selbst nichts beitragen kann. Er schämte sich, und das ist diesen Jungs bis heute gemein.

    Es hat sich eine Resignation eingestellt, die auch nicht verschwindet, wenn sie schließlich ihre Pässe mit eingeschränktem Aufenthaltstitel erhalten: Die Luft ist raus, zu sehr haben sie sich daran gewöhnt zu schlafen, rumzuhängen, nichts zu tun zu haben und irgendwie auch nichts mehr zu wollen.

    Wieder haben wir Sommer, und diesmal ist Lehrstellen-Vermittlung angesagt. Mädchen werden den Arzthelfer- und Hauswirtschafts-Tätigkeiten zugeführt, Jungs werden Verkäufer. Ungeachtet ihrer Begabungen und Interessen, wie ich sehe, und es scheint, als finde auch keine Aufklärung über das breite Angebot an Lehrberufen statt:

    So machte Alireza ein Praktikum als Verkäufer und fühlte sich unwohl, denn er ist ein zurückhaltender junger Mann. Nicht schüchtern, aber zurückhaltend. Er lernte recht schnell Deutsch, spricht von sich aus aber wenig, auch wenn er unter seinen Landsleuten ist. Warum steckt man so jemanden in eine Tätigkeit, die ein gewisses Maß an Extrovertiertheit bedarf?!


    (Annette von Spiegel)

    Als ich ihn fragte, was er gern machen würde, wenn er alle Möglichkeiten hätte, sah er mich fragend an und hob die Schultern: „Vielleicht Baustelle? Das habe ich im Iran gemacht.“ Ich fragte, ob ihm das gefallen habe. „Nein … aber es geht.“ Und nach einer Pause „Ich weiß nicht, was ich in Deutschland lernen kann. Baustelle geht, oder?“

    Nach meinem Kenntnisstand wird Alireza in den nächsten Wochen anfangen, den Beruf des Maler/Lackierers zu lernen. Javad wird wohl Friseur oder Pizzabäcker – und was Hamid treibt, der so gern Chirurg werden wollte, weiß ich nicht.

    Man hat meine Ex-Schüler hier aufgenommen und versorgt. Und ich danke aufrichtig dafür, denn es sind wunderbare junge Menschen. Und ich weiß, dass nicht jeder Staat so etwas tut! Sie wurden nicht ins Gefängnis entsorgt oder in die Gosse, und abgeschoben wurden sie auch nicht. Aber es macht mich unglücklich, dass diese einst so motivierten jungen Leute, die den steinigen Weg bis zu uns geschafft, die unsere Schrift und Sprache gelernt haben, einfach so abgewickelt werden.

    Ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute!

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    (Gastautor: Annette von Spiegel  |  Bilder: Annette von Spiegel  |  Bildbearbeitung: A. Korkis)

  • „Hier bin ich Mensch, hier darf ich (’s) sein“ (?) Teil 3


     (Alireza)

    Auch lernte ich, dass manches türkische Wort im Persischen sehr ähnlich ist, als ich nämlich einen der Afghanen gedankenverloren tembel  (türk. Faulpelz) nannte: Der starrte mich höchst erstaunt an und beteuerte, dass er dies auf keinen Fall sei. Nun war ICH höchst erstaunt, dass er verstanden hatte – und es stellte sich heraus, dass das Wort Faulpelz auf Farsi (Persisch) ungefähr dasselbe ist. In der Folge hörte ich gerade diesen Jungs aufmerksamer zu, wenn sie sich unterhielten, und entdeckte allerlei Worte, die ich aus dem Türkischen kenne. Sehr lustig!

    Bemerkenswert ist, dass diese Schüler selbst Sorge dafür trugen, dass es einigermaßen leise bleibt und diszipliniert zugeht: Selten musste ICH etwas sagen, weil sie das untereinander regelten.

     
     
     
     

     


     (im Unterricht)

     (Fraol übt sich im 10-Finger-Schreiben)

     (jemand ist beim 10-Finger-Schreibtrainer ziemlich gut geworden …)

     Herzallerliebst war auch die Selbstverständlichkeit, mit der mich die Afghanen nach dem Unterricht zum Bahnhof begleiten. Und sich obendrein nicht nehmen ließen, meine Tasche zu tragen. So gibt es diverse Fotos mit Afghanen mit roter Tasche ……. 🙂


    (Javad)

     

    (während eines Ausflugs mit dem Kurs, die rote Tasche immer dabei ;-))

     Ich bin beeindruckt, wie es diese jungen Menschen im Grunde ohne Papiere, Geld und Sprachkenntnisse hierher geschafft haben. Und sich ihre optimistische Haltung und Herzlichkeit bewahren konnten.

    Alireza aus Kandahar malte mir mal irgendwann seine Irrfahrt von Afghanistan bis nach Deutschland auf. Ein relativ typischer Weg, wie ich mittlerweile weiß. Den sogar Kinder beschreiten: Meine Schüler erzählten mal von einem Neu-Zugang im Heim, einem 10jährigen! Ich selbst traf dort auch einmal eine 16jährige aus dem Iran, die sich mit ihrer schätzungsweise 7jährigen Schwester auf den Weg gemacht hatte. Welcher Druck muss dahinter stecken, um sich so etwas auszusetzen …

    Der letzte Teil dieser Serie kommt am 28. August.

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    (Gastautor: Annette von Spiegel  |  Bilder: Annette von Spiegel  |  Bildbearbeitung: A. Korkis)

  • „Hier bin ich Mensch, hier darf ich (’s) sein“ (?) Teil 2

    …..Äthiopien, Afghanistan bzw. Iran. Ich spreche weder Arabisch, noch Somali, Farsi oder eine der Sprachen, die hier helfen würden. Und da meine Schüler zu Beginn des Kurses seit maximal einem Monat in Deutschland waren, konnten sie im Grunde kein Deutsch. Also, viel Spaß ……

    Selten waren Schüler dabei, die fließend Englisch sprechen, aber mit Wortfetzen und Pantomime wussten wir uns zu behelfen. Ich staunte sogar sehr, dass meine Minimal-Kenntnisse über den Koran ausgerechnet beim Thema Computer nützlich waren! Das sorgte für großes Gelächter, auch bei mir 🙂

    Einzelne Teilnehmer mussten erst einmal das Doppelklicken mit der Maus üben, weil sie unerfahren im Umgang mit Rechnern waren. Oder starrten ratlos auf den Bildschirm, weil sie grundsätzlich nicht verstanden, was sie da vor sich sahen.  Andere posteten derweil lässig Bilder und Kommentare in Facebook. Wieder andere konnten weder schreiben noch lesen, auch nicht in ihrer Heimatsprache. Das ist schon eine harte Mischung, um zu unterrichten ….

    Aber sie hatte völlig Recht, die Mitarbeiterin, die mich für diesen Unterricht angefragt hatte und abschließend sagte: „Du, die sind soo süß – zum Knutschen!“

    Die Art von Schwierigkeiten, mit denen ich gerechnet hatte, weil es sich vorrangig um junge Männer aus muslimischen Ländern handelte, die belastende und zum Teil sicher auch traumatische Wege einer Flüchtlings-Odyssee hinter sich hatten, blieben völlig aus:

    Vor allem die Afghanen zeigten sich glücklich, in einem Schonraum angekommen zu sein und wohlwollend behandelt zu werden [Anmerkung: da ich noch Kontakt zu ihnen habe, kann ich mit ihrer Erlaubnis Fotos, auf denen sie zu sehen sind, verwenden]. Javad aus Herat z. B. war froh, endlich mal zur Schule gehen zu können: Sein Vater starb, als Javad noch jung war, und so musste er arbeiten gehen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Dass er hierdurch nur 2 Jahre lang eine Schule besucht hatte, fiel in keinster Weise auf: Er war ein interessierter, glücklicher und guter Schüler.


    (Javad)

    Abdullahi, ein junger Mann aus Mauretanien, hatte bis zum zweiten Unterrichtstag den Satz „Ich habe Sie vermisst!“ auswendig gelernt und überraschte mich mit dieser Begrüßung. Wie schon gesagt: „die sind zum Knutschen!“ 😉 Auch er kam wippend und mit einem warmen Lachen in den Unterricht und war hochmotiviert, Deutsch und etwas über Computer zu lernen, ließ sich zeigen, wie man die Fahnen Deutschlands und Marokkos in ein Word-Dokument einfügt, um es auszudrucken und im Heim übers Bett zu hängen.

    Irritierend fand ich folgende Situation mit Denis und Aboka aus Uganda und Somalia: Ihre Rechner waren, etliche Minuten nach Unterrichtsbeginn, immer noch aus. Das wunderte mich, denn auch diese beiden waren ausgesprochen dankbare Schüler. Es stellte sich heraus, dass die zentrale Steckerleiste ausgeschaltet war, deshalb liefen die Rechner nicht. Als ich sie ansprach, stellte sich heraus, dass sie schlichtweg Angst gehabt hatten, mich zu fragen …

    Besonders in solchen Momenten kam in mir natürlich die Frage hoch, wie sie aufgewachsen sein, was sie erlebt haben mögen.
    Diese Frage wurde konkreter, als ich z. B. in den Pausen herumging und fragte, ob die Teilnehmer mir nicht mal im Internet Bilder ihrer Heimatstadt zeigen wollen. Diese zwei waren es, die leise sagten „no … no good picture my city. please.“ Ich habe später selbst mal gesucht, und richtig: Es gab nur Bilder von Massakern auf den ersten 2-3 Ergebnisseiten bei Google … es tat mir leid, dass ich sie überhaupt danach gefragt hatte.

    Ein anderer Teilnehmer hingegen zeigte mir eine wirklich beschauliche Provinzstadt – weiße Kolonialstilbauten mit Veranden auf roter, staubiger Erde, eingebettet in eine grüne Hügelkette am Horizont: Mit freudigem Blick und Finger rechts oben auf dem Bildschirm erklärte er mir irgendwie, dass SEIN Heimatdorf „da hinten, etwa 10 km, wenn man diese Straße noch weiterfährt“, liegt. Fand ich toll! Er auch 🙂 Ich sagte, dass ich sein Dorf GERN eines Tages mal besuchen würde, und das meinte ich auch so.

    Auch sonst gaben die Pausen Raum für schöne Situationen – wie diese mit Javad: Er brachte mir, der Lehrerin, bei, dass man die persische Schrift – ebenso wie Arabisch – von rechts nach links schreibt, die Zahlen aber wie bei uns von links nach rechts:


    (Javad erklärt die persische Schrift)

    Weiter geht’s mit dieser Serie am 27. August

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    (Gastautor: Annette von Spiegel  |  Bilder: Annette von Spiegel  |  Bildbearbeitung: A. Korkis)

  • „Hier bin ich Mensch, hier darf ich (’s) sein“ (?) 1.Teil

    „Hör mal, hättest du nicht Lust, unsere jugendlichen Flüchtlinge zu unterrichten?“
    Klar hatte ich Lust. Und ich war sehr gespannt, was mich erwartete, denn ich hatte noch nie mit Flüchtlingen gearbeitet und wusste eigentlich nur – so war es mir gesagt worden – dass es sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge handelt, junge Männer aus Marokko, Afghanistan, Pakistan, erst seit kurzem in Deutschland.

    Nach meinen Erfahrungen mit den Mädchen in einer anderen Einrichtungund mit den üblichen Berichten aus Berliner Brennpunkt-Schulen im Kopf machte ich mich auf allerhand gefasst.

    Und schäme mich heute dafür!

    Aber von Anfang an:
    Laut UNO „waren [2008] weltweit insgesamt 42 Millionen Menschen auf der Flucht vor Verfolgung, gewaltsamen Konflikten, Krieg, und Menschenrechtsverletzungen.“  – welchen Anteil daran Minderjährige haben, kann ich nicht sagen. Aber auch sie machen sich aus verschiedensten Gründen auf den Weg ins Ausland, ins Ungewisse, in eine Hoffnung auf eine andere Zukunft.

    Frankfurt am Main hat einen ziemlich großen Flughafen, weltweit gesehen ist er sogar auf Platz 9, er wird auch „Drehkreuz Europas“ genannt wird. Obwohl hier nebst Köln/Bonn auch die meisten Abschiebungen aus Deutschland erfolgen, ist dieses Drehkreuz sicherlich einer der Gründe, warum viele Flüchtlinge hier – im wahrsten Sinne des Wortes – landen.

    Zunächst erfolgt die Erfassung durch den Bundesgrenzschutz, danach geht es weiter in ein zentrales Erstaufnahme-Heim. Wochen später dann werden sie auf Folgeeinrichtungen in ganz Hessen verteilt. Das Warten auf eine Entscheidung über Abschiebung oder Aufenthalt beginnt …Währenddessen gibt es neben Deutsch-Unterricht und Ausflügen optional auch einen Computer-Kurs – damit die Neuankömmlinge mit Familie und Freunden kommunizieren, sich über die aktuelle Lage in der Heimat informieren können und letztlich auch, um sie auf einen etwaigen Bewerbungs-Prozess bzw. gewerbliche Tätigkeit in Deutschland vorzubereiten.

    Und das war mein Job.

    10 TeilnehmerInnen sind es pro Klasse, das ist nicht viel. Sie kommen aus Mauretanien, Somalia, Uganda, …….
    Weiter geht’s am 26. August

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    (Gastautor: Annette von Spiegel  |  Bilder: Annette von Spiegel  |  Bildbearbeitung: A. Korkis)

  • Oslo – Norwegen. Ein Statement von Catharina Trost M.A.

    Mein Statement zu den Attentaten in Norwegen
    Ich bin ebenso erschüttert wie viele andere Menschen auf der Welt, ob des brutalen, feigen Attentats von Norwegen. Meine Gedanken und mein Mitgefühl gelten den Opfern und deren Angehörigen.

    Schnell wurde vermutet, dass es ein Anschlag von Muslimen war und Vergleiche wurden zu 9/11 gezogen. Nun sind wir eines besseren belehrt worden. Die Nachrichtenagenturen überschlagen sich und jede will das entscheidende Puzzleteil kennen, warum ein Mensch wie Anders B. B. diese feigen Morde verübte. Schaut man sich das ehemalige Facebookprofil an, würde man nie vermuten, dass er ein Mörder ist. Genau das ist jedoch die Gefahr. Hass, Gewalt und auch feige Anschläge machen nicht vor unserer Haustür halt. Es gibt Menschen, denen eine Multi-Kulti-Gesellschaft zuwider ist. Der Attentäter hat jahrelang, scheinbar unerkannt, aktiv in einer rechtskonservativen Partei mitgewirkt. Seine erzielten Einnahmen aus seinem Beruf als Gemüsebauer verwendete er für seine politische Arbeit gegen Muslime. Er sah eine deutliche Gefahr in der Religion des Islams. Können wir solchen Taten zukünftig entgegensteuern? Können wir in Deutschland daraus etwas lernen?

    Ich meine ja.

    Diese Tat beweist einmal mehr, wie wichtig Aufklärung ist. Wissen über Religionen. Die Freiheit des Glaubens. Der Respekt vor Leben. Diese Aspekte sind gleich, egal in welcher Religion. Fanatiker, egal welcher Couleur wird es immer wieder geben, jedoch liegt es an unsvselbst, uns ein umfassendes Wissen anzueignen um ihnen entgegenzutreten. Politische Fragen müssen viel offener mit der Bevölkerung diskutiert werden. Jugendliche der heutigen Zeit haben vielfache Möglichkeiten sich über das Internet, in Schulen, im Geschichts- und Politikunterricht zu beteiligen. Ebenso können sie tagtäglich ihren Mitstreitern ein Leben vorleben, in dem es nicht um Hass und Gewalt geht, sondern um ein Miteinander geht.

    Selbst wenn die Lebensbedingungen nicht für jeden gleich sein mögen, so hängt doch auch sehr viel vom Elternhaus ab. Ein gebildeter Mensch versucht Kontroversen aus verschiedenen Sichtweisen zu beleuchten. Einem ungebildeten Menschen ist es egal, wie das Leben seiner Mitmenschen verläuft. Die Kälte in der Gesellschaft trägt vielfach zur Vereinsamung bei. Dieses birgt jedoch die Gefahr des Fanatismus. Man lebt in seiner eigenen Welt und sucht gezielt nach Verschwörungstheorien oder einem Götzen, dem man folgen kann. Genau hier sind wir als Gesellschaft gefragt, einzugreifen und gegenzusteuern.

    Ein Mensch, der als Gemüsebauer lebte, hatte Konsumenten. Menschen die von seinen Produkten lebten und seine Lebenstheorie unterstützten. Dementsprechend wussten diese, von wem sie ihre Produkte bezogen. Ich denke nicht, dass ein politisch, aktiver Mensch wie Anders B. B. mit seinen politischen Ansichten hinter dem Berg hielt, wobei dieses meine Vermutung ist. Scheinbar wurde es jedoch toleriert und es gab keinen Hinweis darauf, welche Gefahr von ihm ausging. Doch auch hier ist wieder jeder einzelne gefragt. Blickt hinter die Produktkette und hinterfragt! Dieses gilt nicht nur für Klein- und Kleinstunternehmen, sondern auch für die großen Konzerne, die ebenso häufig Menschen- und Tierfeindlich agieren. Doch das soll hier nicht die Frage sein.

    Die Opfer und Angehörigen der Opfer sollten dieser Tage in unseren Gedanken Platz finden. Sie haben mit einem Schlag ihre Liebsten verloren. Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder. Ein Leid was kaum in Worte zu fassen ist.

    Wir können Respekt zeigen und unser aufrichtiges Beileid kundtun, auch wenn es die Ermordeten nicht wieder zurückbringt. Wir können daran mitwirken, dass wieder mehr Menschlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt in die Gesellschaft tritt. Jeder von uns kann täglich sein Denken und Handeln selbst steuern und dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche in einer Welt aufwachsen dürfen, in der man frei und offen seine Meinung sagen darf. Diese Meinungsäußerung sollte jedoch frei von Vorurteilen und geprägt von Wissen sein.

    Wissen um die Einzigartigkeit eines Lebens, Wissen um die Liebe zu den Menschen, Wissen um die Freiheit der Religionen und Wissen im friedlichen und respektvollen zusammenleben in einem Staat in einer Welt.

    Dieses kann nur erreicht werden durch aufgeklärte Menschen und kann auch ein Garant dafür sein, dass eben solche verabscheuungswürdigen Taten nicht länger in unserem Alltag toleriert werden und evtl. Nachahmer findet. Zeigen wir, die Gesellschaft, dass wir in der Mehrzahl daran interessiert sind, von anderen Kulturen zu lernen und offen sind für eine Welt, in der jeder seinen Platz findet.

    Fanatismus, Hass, Gewalt, feige Morde sollten wir offen und laut ablehnen – und zwar tagtäglich.

    Die mentoring4u Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails – mit vollständigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse – auch gekürzt zu veröffentlichen. Gastbeiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    (Gastautor: Catharina Trost M.A. Historikerin, Politikwissenschaflterin, Soziologin |  Bildgestaltung und Thumb: M. Weiss  |  Quelle: )

  • Ernteausfallversicherungen können Hungersnöte verhindern – Unterstützen Sie Mikrofinanzdienstleistungen. Wie? Lesen Sie mehr…

    Die in Ostafrika schon seit zwei Jahren anhaltende Dürre brachte mehr als zehn Millionen Menschen in die Gefahr einer Hungersnot.

    Für die Lebensgrundlage der Menschen dort, die oft als Kleinbauern arbeiten, sind gerade die Pflanzen und das Vieh äußerst wichtig. Dürreresistente Pflanzen und Viehfutter könnten hier ein Teil der Lösung des Problems sein.

    Im Rahmen von Mikrofinanz-Dienstleistungen, zu denen auch die bekannten Mikrokredite gehören, werden auch Mikroversicherungen, darunter auch Ernteversicherungen, angeboten. Zum Einsatz kommen hier häufig so genannte Index-basierte Wetterversicherungen. Weichen beispielsweise die Temperatur-Werte von den Durchschnittswerten ab, kommt es zur Auszahlung der Versicherungssumme an die Kleinbauern. Ernteversicherungen können die Menschen also bei solch wetter- bzw. klimabedingten Ernteausfällen absichern und somit vor der drohenden Armut und im schlimmsten Falle einer Hungersnot schützen.

    Aber auch Ernteversicherungen können bei einem kompletten Ernteausfall schützen. Da die Häufigkeit und Schadenshöhe von solch klimabedingten Naturkatastrophen wie Dürren, Stürmen oder Fluten zunehmen, ist vielen Versicherungen die Vergabe solch einer Ernteversicherung jedoch ein zu hohes Risiko.Wenn Sie sich für das Thema Mikrofinanz als Mittel zum Kampf gegen Armut interessieren, finden Sie im deutschsprachigen Webportal MikrofinanzWiki – www.mikrofinanzwiki.de – eine interessante Wissenssammlung und Anregungen für ein Engagement in diesem Bereich.

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    (Gastautor: Sandra Stank, Opportunity International Deutschland  |  Bildgestaltung und Thumb: M. Weiss  |  Quelle: www.mikrofinanzwiki.de/ )


  • Fanatismus das Grundübel der Welt….


    Zu den Ereignissen in Oslo fällt mir nur ein
    ,
    dass Fanatismus das Grundübel der Welt ist, der nach meiner Erfahrung in drei Stufen auftritt:  

    1. Es wird behauptet, die allein „seelig machende Wahrheit“ zu besitzen – solche Leute findet man überall auf der Welt – sei es in der Gestalt politischer, religiöser oder sonstiger ideologisch fixierter Heilsbringer, die oft als „Wolf im Schafspelz“ daherkommen und scheinbar „edle“ Motive vertreten.

    2. Ein untrügliches Kennzeichen für „Gefahr im Verzug“ ist ein damit einhergehender Ausschließlichkeitsanspruch und fehlende Toleranz anderen Meinungen gegenüber.

    3. Die letzte und schlimmste Stufe ist dann die Bekämpfung und Vernichtung aller „Ungläubigen“ bzw. „Andersartigen“ um die Welt zu retten, so dass Würde und Leben anderer Menschen disponibel erscheinen, wenn es einem „höheren“ Zweck dient.   
              
    Ich fühle mich zum Widerstand gegen jede Form von Fanatismus verpflichtet, das Gewaltmonopol besitzt aber allein der Staat.

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    (Gastautor: Heidemarie Mundlos, MdL im Niedersächsischen Landtag  |  Bildgestaltung und Thumb: M. Weiss  )

  • lV. – Korruption verhindern! Hartmut Koschyk, MdB, zu der Dürrekatastrophe in Ostafrika

    Die Hungerkatastrophe in Ostafrika ist ein bereits seit langer Zeit schwelendes Problem, vor dem die Weltöffentlichkeit lange die Augen verschlossen hat.

    Problematisch zeigt sich aber vor allem,
    dass nicht die Unterstützung der Menschen in Ostafrika durch Einzelpersonen, Gruppierungen oder Unternehmen fehlt, sondern, dass häufig geleistete Hilfe bei den Betroffenen durch Korruption in den Staaten Ostafrikas nicht ankommt.

    Im Gegensatz zu anderen Initiativen arbeitet die Organisation ONE allerdings nicht vor Ort, sondern versucht hierzulande Lobbyarbeit zu betreiben und beispielsweise Politiker von der Notwendigkeit der Hilfe zu überzeugen. Über zwei Millionen Menschen weltweit hätten auf der Internetplattform www.one.org bereits ihre Unterstützung für die Ziele der Organisation erklärt. Auch ich gehöre zu den Unterzeichnern und halte es für überaus wichtig, dass Deutschland seinen Beitrag dazu leistet, die Hungerkatastrophe in Ostafrika zu bewältigen.

    Dazu gehören in meinen Augen zwei Schritte. Zum Einen die jetzt erforderliche schnelle Hilfe, damit die Menschen in Ostafrika bald möglichst wieder eine Versorgung mit gesunden Nahrungsmitteln erhalten. Zum  Zweiten gehört aber als mittelfristiges Ziel auch hinzu, dass wir Ostafrika unterstützen, damit es sich selbst entwickeln kann und die Menschen nicht mehr dauerhaft auf „fremde“ Hilfe angewiesen sind. Dazu müssen wir auch unsere Wirtschaft noch stärker mit ins Boot nehmen.

    Die Hilfen für Ostafrika müssen als eine Gemeinschaftsaufgabe der Deutschen verstanden werden. Die Wirtschaft, gesellschaftliche Organisationen, einzelne Personen oder Gruppierungen, die sich engagieren, müssen zielgerichtet gefördert und unterstützt werden. Aus diesem Grund stimmt das Bundesministerium der Finanzen derzeit gemeinsam mit den Obersten Finanzbehörden der Länder Regelungen ab, die Erleichterungen für inländische private Spender, gemeinnützige Organisationen und Unternehmen  sowie deren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei Unterstützungen zugunsten der Opfer in Ostafrika vorsehen.

    Ein entsprechendes Verfahren gilt bzw. galt bereits bei den Katastrophen in Haiti im Januar 2010, in Pakistan im Sommer 2010 und in Japan Anfang dieses Jahres. Gleiches muss auch für Unterstützungsleistungen und Zuwendungen an die Opfer der Hungerkatastrophe in Ostafrika gelten.

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    (Gastautor: Hartmut Koschyk, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen  |  Bilder: WorldVision Deutschland e. V. Kinderhilfswerk  |  Bildgestaltung und Thumb: M. Weiss  |  Quellen: www.bundestag.de www.one.org.de)

  • lll. Stimmen zu der Dürrekatastrophe in Ostafrika – Schwester Barbara Offermann, Dominikanerin von Bethanien; Riga Lettland

    Was kann ich schon tun? Die Not in Ostafrika ist so groß, dass ich mir hilflos vorkomme. Klar: Ich kann Geld spenden. Viel oder wenig,  jedenfalls meinen Teil.

    Aber ist das alles?
    Ich frage mich, was mit meiner Spende geschieht. Was wird da eigentlich genau gebraucht? Die Diakonie verteilt Trinkwasser, Nahrung und baut Notunterkünfte. Misereor ist mit mobilen Gesundheitsstationen unterwegs, verteilt auch Nahrung und baut Brunnen. Die Liste der Hilfsorganisationen ist lang.

    Ich glaube, es lohnt sich, danach zu fragen. Nicht um die Organisationen zu vergleichen! Aber wenn wir anfangen, uns genauer zu informieren, dann werden wir allmählich unseren Blick auf die Welt verändern. Auch bei uns leben schließlich Flüchtlinge. Warum haben sie ihre Heimat verlassen? Kennen sie auch Hunger oder Krieg?

    Wir können auch lernen, dankbar zu sein für das, was wir haben. In Somalia versuchen sie jetzt, jedem Menschen täglich 17 Liter Wasser zu beschaffen. Wir verbrauchen im Schnitt 122 Liter am Tag! Ich kann dieses Wasser nicht sparen und nach Afrika schicken – ich kann mir nur bewusst werden, dass es nicht selbstverständlich ist.

    Wenn ich weder die Dürre noch die politischen Verhältnisse in Ostafrika verändern kann, dann muss ich eben bei mir anfangen. Denn bei mir kann ich alles ändern, mein Kosumverhalten, meine Einstellung zu Fremden, mein Bewusstsein – mein ganzes Leben, wenn ich will.

    Die mentoring4u Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails – mit vollständigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse – auch gekürzt zu veröffentlichen. Gastbeiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    (Gastautor: Sr. Barbara Offermann, Dominikanerin von Bethanien; Riga, Lettland  |  Bild: Kinderhilfswerk World Vision  |Thumb, Bild und Bildbearbeitung: M. Weiss)