Recherchieren wollte ich über Frauen in Ägypten, ihre Chancen in wirtschaftlichen Positionen und grundlegenderweise über ihre Situation. Die Suche nach Informationen, die durch Statistiken belegt sind, gestaltete sich ziemlich schwierig. Mir fiel eine wesentliche Institution in Ägypten auf: Sogenannte NPOs.

Gemeinnützige Gesellschaften in Ägypten, die in der Lage waren und sind die Unfähigkeit, das Versagen des Staats zu kompensieren, in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen.
Im Sommer 2011 konnte ich eine solche Organisation kennenlernen: Resala.
Übersetzt heißt Resala Nachricht oder Mission. 1999 gegründet, ging die Idee von einem Studenten aus und verfügt mittlerweile über 50 Standorte in Ägypten, mit über 100.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die Organisation erfährt seit der Revolution im Januar 2011 einen enormen Zuwachs an Mitgliedern, Aktiven und Sponsoren aus der Wirtschaft.
Resala ist keine klischeehafte Organisation, die Bürger zu Spenden aufruft und diese mehr oder weniger intransparent verteilt. Das Konzept besteht darin, die „wahren“ Defizite zu begreifen und langwierige Projekte zu unterstützen.

Im Grunde gibt es vier Schwerpunkte der Organisation:
1- Soziale Fürsorge
2- Bildung
3- Medizinische Fürsorge
4- Wirtschaft und Sonstiges
Soziale Fürsorge
In diesem Bereich geht es hauptsächlich darum sozial benachteiligten Familien von Grund auf zu helfen: durch monatliche Nahrungs-Rationen, (von Groß- und Einzelhändlern, Privathaushalten geboten) und Entwicklungshilfen. Das Ziel besteht darin, diese Familien so unabhängig wie möglich werden zu lassen. Die Eröffnung kleiner Näh- oder anderer Handwerksbetriebe wird finanziert und Käufer werden vermittelt.
Im Sommer 2011 konnte ich eine Witwe kennenlernen, die 2005 eine solche Finanzierung erhielt und mittlerweile nicht nur unabhängig ist, sondern auch weitere fünf Frauen beschäftigen konnte.
Das ist lediglich eine Erfolgsgeschichte, die ich selbst zu Gesicht bekam und mir imponierte.
Außerdem sind noch zahlreiche Projekte in diesem Bereich zu erwähnen: Kostenerstattung von Lehrmaterialien, Hilfe für das Gründen von Haushalten etc.
Das Pflegen von Waisenkindern ist ebenfalls ein Schwerpunkt der Organisation. Die Kinder werden in eigenen Heimen ausreichend gepflegt und schulisch gefördert, sodass zahlreiche höhere Abschlüsse erreichen konnten.

Bildung
Analphabetismus- ein grundlegendes Problem in Ägypten. Die Alphabetisierung erlaubt den Menschen gesellschaftsfähig zu werden, was Wirtschaft, Nachkommen und Kultur beeinflusst. Die Organisation bietet an fast allen Standorten mehrmals wöchentlich Alphabetisierungs-Kurse an. Allein in Alexandria werden jährlich 1000 Menschen alphabetisiert.
Auch EDV- Kurse werden angeboten: In dem Standort Alexandria ist der Donnerstag für EDV- Kurse vorgesehen, die in etwa drei Monate andauern und Gruppen von ca. 20 Personen lehren.
Inklusion von Blinden und Behinderten und deren Bildungsförderung ist ein Schwerpunkt, der sich bewährt hat.

Medizinische Fürsorge
In diesem Bereich werden eingetragene Patienten monatlich mit Medikamenten versorgt, die sie selbst nicht erwerben können. In Alexandria allein, werden monatlich 3000 Patienten durch Resala medizinisch versorgt. Ein Team aus Ärzten und Apothekern ist in diesem Bereich aktiv und vermitteln Menschen, die dringen Operationen benötigen.
Neben einer Blutbank und einer hauseigenen Apotheke gibt es auch in diesem Bereich noch weitere Programme, die allerding den Rahmen dieses Artikels sprengen würden.

Resala ist nur eine von weiteren, sogenannten non-profit organizations.
Mit meinem Artikel beabsichtige ich nicht, die Herzen der Leser zu erweichen und für Altruismus zu werben. Es geht darum, eine beispielhafte Kooperation von Menschen, Studenten, Jugendlichen, Erwachsenen, Privathaushalten, Ärzten, Lehrern, Wirtschaftsmännern und weiteren Gruppen aufzuzeigen.
Gemeinnützige Gesellschaften in Ägypten, die in der Lage waren und sind die Unfähigkeit, das Versagen des Staats zu kompensieren, in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen.

Das habe ich zu Beginn desselben Artikels geschrieben.
Zum einen geht es darum eine solche Zusammenarbeit, Verantwortung und den Beitrag vieler Individuen für eine Gesellschaft aufzuzeigen.
In einem Artikel von spiegel-online, vom 03.03.2012 waren folgende Worte zu lesen. Worte, die ganz einschlägig sind:
„Wenn die unter uns, die in reicheren und „freieren“ Ländern leben, Ägypten in seiner Übergangsphase helfen wollen, dann müssen wir anfangen zu verstehen, was in all der staubigen und schlaglöchrigen Komplexität passiert. Wir haben nichts zu verlieren außer unseren Klischees.“
Die mentoring4u Redaktion behält sich vor, Leserbriefe / E-Mails – mit vollständigem Namen, Anschrift und E-Mail-Adresse – auch gekürzt zu veröffentlichen. Gastbeiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
(Gastautorin: Fagr Eladly / Bilder: Fagr Eladly/Resala / Thumb & Bildbearbeitung: Dilan Balci / Quellen: en.wikipedia.org, resalacharity.com /, www.resala.org/, www.spiegel.de )
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