Generation “Unsicher”: Seit der IG-Metall-Studie ist es offiziell. Gerade junge Menschen sind von Zeit- und Leiharbeit besonders betroffen. Perspektiven fehlen. Und die Deutschen werden nicht jünger.
Schnell rein und schnell raus
Größtmögliche Flexibilität erhalten Firmen, die neue Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen einstellen. Denn Personal ist schnell da. Und für den Fall einer weiteren Krise kann man Arbeitsplätze auch schnell wieder einstampfen. Derzeit planen zwar über 90% der Unternehmen wieder Neueinstellungen, aber unter dem Vorbehalt, Mitarbeiter über befristete Verträge oder gar Zeitarbeit einzustellen. Das Risiko für Arbeitnehmer geht nun über die reguläre Probezeit hinaus. Toll für die Statistik: Denn der Zeitarbeitsbranche geht es dadurch prächtig und außerdem könnte die Arbeitslosenquote dadurch enorm sinken.
Aber zu welchem Preis?
Bald könnte es legal werden auch Festangestellte zu feuern und über Zeitarbeitsfirmen billig wieder reinzuholen. Kein Wunder, dass da Proteste laut werden, die eine Entgeltgleichstellung fordern. Aber Diskriminierung innerhalb des Unternehmens kennt man ja bereits. Frauen verdienen im Schnitt für die gleiche Arbeit schließlich auch weniger als Männer. Heißt: Anti-Diskriminierung ja, aber, um bei dem Beispiel zu bleiben, wie erfolgreich waren Proteste für mehr Gleichstellung denn bisher?
Die es besonders trifft
Besonders leiden darunter die unter 35-Jährigen, wie eine Studie der IG-Metall Anfang dieser Woche verriet. Überdurchschnittlich viele unter ihnen sind in einem befristeten Arbeitsverhältnis oder sind als Zeitarbeiter eingestellt. Und je niedriger der Bildungsabschluss, desto schlechter schätzen Jugendliche ihre Zukunft ein. Dabei hätten eigentlich Akademiker derzeit den größten Grund zur Sorge: Die meisten befristeten Arbeitsverträge werden den Hochqualifizierten zugeschoben.
Das größte Problem kommt erst noch bzw. gar nicht: der Nachwuchs
Was sich die Gesellschaft damit antut, ist nicht nur im Handwerksbereich ein Problem, wie ein Beitrag der Tagesschau zeigt. Keine Planung für die nächsten drei oder sechs Monate möglich, keine Anschaffungen, denn wie soll man sie abbezahlen? Und: keine Familienplanung. Wie soll man sich um Nachwuchs kümmern, wenn man erst mit 35 Jahren einen sicheren Job hat? Es wird ohnehin oft genug bemängelt, dass gerade Akademiker zu wenig Kinder bekommen. Und das ist in dem Alter auch nicht mehr ganz risikofrei, ganz unabhängig von der Ausbildung. Wir wissen zwar alle aus Erfahrung, dass Superhelden selten Familie gründen. Wir wissen auch, das hochqualifizierte junge Menschen auf Niedriglohnbasis arbeiten, Stichwort “Ich mache alles”, nur um etwas Geld in der Tasche zu haben. Für eine befristete Zeit. Es wird sich rächen. Erst wenn eure Renten nicht gezahlt werden können, liebe Personalchefs, werdet ihr merken, dass man Flexibilität nicht essen kann.
(Autor: A. Sokolowski | Cartoon: A. Korkis | Quelle: Archiv)

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