Kleines Quiz: In welchem Land spielt dieser Cartoon? Es spricht zwar keiner Deutsch, aber wir befinden uns trotzdem in Deutschland. Klingt komisch, ist aber so.
Deutsch ist eine so vielfältige Sprache
So vielfältig, dass sie jeder gerne weiterentwickelt. Diese Woche legt sogar der Langenscheidt ein neues Wörterbuch der Jugendsprache vor, Übersetzung in andere Sprachen inklusive. Da geht es dann um Arschfaxe, Hochleistungschiller und Egosurfen. Man kann sogar mit darüber abstimmen, welches Wort sich 2010 als Jugendwort des Jahres qualifiziert. Vielleicht sollte sich unsere Menti-Lehrerin dieses Wörterbuch mal zu Herzen nehmen oder zumindest checken, ob sie eher Booner, Checker oder Honk ist. Auch das Quiz Arschfax für Anfänger wäre eventuell hilfreich. Wenn sich das nur nicht jedes Jahr ändern würde!
Angriff von allen Seiten
Gut, Jugendsprache hätten wir jetzt gelernt. Aber was ist mit all den anderen? Und wir reden nicht von Englisch, Französisch oder Spanisch, sondern Dialekte. Nicht umsonst sind die Bayern so stolz auf ihr Bundesland, ihr Dialekt könnte bei manch einem dazugereisten Lehrer locker als eigene Sprache durchgehen. Da soll mal einer durchblicken! Ey, ischwör, ich geb bald auf. Ups, das war ja wieder eine andere Sprache. Und zwar Kiezdeutsch. Das sprechen zwar inzwischen angeblich auch solche, die ursprünglich „nicht dazu gehören“, aber es wollen. Und weil man sich in der Schule ja irgendwie verständigen muss, gibt es dazu sogar eine eigene Website, die sich unter anderem mit sprachlichen Neuerungen, Satz- und Wortstellungen beschäftigt. Kiezdeutsch für Lehrer, verdrehte Welt.
Wem passt man sich an?
Das Dialekteproblem ist ja nicht nur in Bayern bekannt, auch Sachsen hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Die einzige Lösung, die man hierzulande sieht: Dialekte und Abwandlungen der deutschen Sprache rigoros aus dem Unterricht verbannen. Kennen wir auch von woanders: In China müssen alle offiziell Mandarin sprechen, in Frankreich an der Schule, Uni, im Beruf Hochfranzösisch. Und das, obwohl auch dort jeder mit einem regionalen Dialekt aufgewachsen ist. Gerade in Zeiten, wo von Deutschenfeindlichkeit gesprochen wird – es sei mal dahingestellt, ob der Deutsche dann Jugendsprache oder Kiezdeutsch spricht – wird darüber fachgesimpelt, ob man Hochdeutsch überall auf dem Schulgelände durchsetzen könnte. Das ist vielleicht gut für die Integration und gut gegen Ausgrenzung, aber setzt man hier vielleicht nicht etwas spät an? Wäre frühe Förderung da nicht sinnvoller als der Schulüberwachungsstaat?
Kulturelles Gut
Ausmerzen sollte man andere Sprachen nicht. Im Gegenteil, es ist sogar erwiesen, dass die Beherrschung von Hochdeutsch und eines Dialekts das Sprachgefühl deutlich verbessern und das Erlernen von Fremdsprachen erleichtern können. Mancherorts wird Dialekt sogar gefördert in Form von Nachhilfe. Um die Mundart vor dem Aussterben zu bewahren. Für Jugendsprache fehlen bislang Studien, wozu sie denn nun gut ist, in jedem Fall zeugt sie von Kreativität. Aber es wäre doch mal ein echter Forschritt, sei es nun, um den Schulalltag einander zu erleichtern, den Büroalltag oder einfach nur das Miteinanderauskommen, wenn alle zumindest versuchen würden, die gleiche Sprache zu sprechen. Hochdeutsch. Simpel. Ein Experiment.
(Autor: A. Sokolowski | Cartoon: A. Korkis | Quelle: Archiv)

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